Schönfeld/Ortrand. Der Wolf rückt aus dem Raum Nochten (Landkreis Görlitz) und Spreetal (Kreis Bautzen) über das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide (Kreise Kamenz und Meißen) weiter gen Süden vor. In den an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze bei Ortrand gelegenen Dörfern machen die Räuber zunehmend leichte Beute. Das bestätigt Vanessa Ludwig vom Wolfsbüro Lausitz. Die Kleintierhalter sind auf die Angriffe kaum vorbereitet. Im Oktober sind Schafe bei Thiendorf gerissen worden. Bis nach Kraußnitz bei Ortrand ist der Räuber jetzt vorgedrungen. Eine angepflockte Ziege wurde getötet.

Die Gemeinden befinden sich im Jagdrevier des neuen Königsbrücker Rudels. „Das ist bekannt“, sagt Naturschützerin Vanessa Ludwig. Aber auch hier sei zu verzeichnen, dass die Kleintierhalter bislang kaum für einen ausreichenden Schutz vor dem Raubtier sorgten. Dieser sei leider für die meisten Bürger erst nach Übergriffen ein Thema. „Deshalb wird jetzt verstärkt aufgeklärt“, versichert Ludwig.

Der erste Wolf „der Neuzeit“ wurde in der Königsbrücker Heide im April dieses Jahres mit dem Bild einer automatischen Fotofalle nachgewiesen. Inzwischen gilt als sicher, dass in dem Territorium ein neues Rudel mit drei Welpen sesshaft ist. Das geschlossene ostdeutsche Wolfsvorkommensgebiet erstreckt sich bisher über 2500 Quadratkilometer vom Nordosten Sachsens bis nach Südbrandenburg. Im Raum Sedlitz/Allmosen jagen Wölfe regelmäßig. Auch die Königsbrücker Heide hat das Raubtier nun zurückerobert. Bei Laußnitz zwischen Ottendorf-Okrilla und Königsbrück (Kreis Kamenz) war im Jahr 1740 in der Region der letzte Wolf geschossen worden.

Der Schönfelder Bürgermeister Hans-Joachim Weigel (DSU) kritisiert, dass Informationen über Wolfsrisse zu langsam und nur spärlich ankämen. „Die Angst vor weiterer Kritik am teuren Wolfsprogramm erscheint mir deutlich größer als der Wille, die Menschen zeitnah und umfassend aufzuklären“, sagt er. Der Unmut der Tierhalter sei groß. Nutztiere wie Schafe und Ziegen seien für den Erhalt der heimischen Kulturlandschaft unverzichtbar. Für den geschützten Wolf treffe dies nicht zu.