ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:29 Uhr

Wo Schlangen die Dachfirste schmücken

Alfred Roggan. Foto: Bernd Marx/bdx1
Alfred Roggan. Foto: Bernd Marx/bdx1 FOTO: Bernd Marx/bdx1
Straupitz. Was haben Andreaskreuze, Eulen, Bienen, Schlangen- und Pferdeköpfe und andere kultische Zeichen an den Spreewaldhäusern zu bedeuten? Dieser Frage gingen jetzt über 40 Heimatforscher, Ortschronisten und Interessierte während eines Vortrages im Straupitzer Kornspeicher nach. Referent Dr.

Alfred Roggan brachte Klarheit über die mystischen Kultzeichen.

Gekreuztes am Dachfirst

Noch sind sie sehr zahlreich an den Blockbohlenhäusern mit den Schilfrohreindeckungen im Spreewald zu erkennen. Gemeint sind die gekreuzten Giebelzeichen am Dachfirst. Über 120 verschiedene Motive wurden bereits registriert. Im Oberspreewald überwiegen die Schlangenköpfe. Im Unterspreewald fallen die runenähnlichen Zeichen auf. Ob Schlangenköpfe, Wendensterne, Blumenmotive oder Runenzeichen, immer wieder fragen sich Einheimische und Besucher, welche Bedeutung diese Zeichen auf den Wohnhäusern, Scheunen und Stallungen haben.

“Ich habe schon so viele unterschiedliche Verzierungen gesehen, da stellt man sich schon die Frage, was diese Kultzeichen bedeuten„, so der ehemalige Lehrer Heinrich Jank aus Straupitz. Der 77-Jährige konnte sich bisher nicht erklären, welche Symbole abgebildet waren und aus welchem Anlass diese an den Holzhäusern angebracht worden sind.

Vielerorts bilden die Andreaskreuze an und auf Galerien an den Blockbohlenhäusern einen Blickfang für den Betrachter. Auch an Balken sind oft auffällige Verzierungen als museale Kleinode zu erkennen. Oft sind an Häusern die Sonne, Muscheln, Eulen, Bienen, Tauben, Hahn, Adler, Stiere, Löwen, Drachen, Kröten, Pelikane, Kreuze, fili grane Kreise und allerlei Blumenmotive dargestellt.

“Bedeuten die Zeichen einen besonderen Wunsch, ein Segenspruch oder gar ein Bauopfer?„ Mit dieser Frage beschäftigte sich Kerstin Krause (47) aus Muckwar. Auch Claudia Schönborn (36) aus Senftenberg, Jens Tanneberger (52) aus Calau, Rainer Ulbrich (57) aus Cottbus und Wolfgang Freund (66) aus Teupitz gehörten zu den 40 Anwesenden im Straupitzer Kornspeicher, um fachliche Antwort über die verschiedenen mystischen Darstellungen zu erhalten.

Mit dem Referenten Alfred Roggan aus Cottbus hatten die Versammelten sich einen kompetenten Gesprächspartner eingeladen, um die zahlreichen Rätsel der bautechnischen und religiösen Geschichte zu lösen. “Die Zeichen wurden von Menschen aus allen sozialen Schichten an ihren Häusern angebracht„, so der 61-jährige Wissenschaftler. Veröffentlichungen über diese Symbole stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Da noch keine fundierten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse vorliegen, sind alle Mutmaßungen nur Arbeitshypothesen. “Es wurde einfach versäumt, frühzeitig mit der Forschung zu beginnen„, so Alfred Roggan auf die Frage, warum man heute viele Darstellungen an Hauswänden, Dächern, Türen und Balken nicht mehr konkret deuten könne.

So wird heute vermutet, dass es das sehr häufig vorkommende Motiv des “Schlangenkönigs„ für die Giebelzier bis zum Beginn des 19. Jahrhundert nicht gegeben hat. Unterstützung erhielt der Cottbuser Referent durch Hans-Joachim Kohlase aus Burg, der historische Unterlagen über die Darstellung von Windbrettern präsentierte. Die Frage nach der Symbolik für einige Tierzeichen konnte der pensionierte Denkmalschützer der Besucherschar in der lebhaften Gesprächsrunde beantworten.

Eule für Weisheit

Eine Eule bedeutet Weisheit und die Biene drückt den Fleiß der Hausbewohner aus. In der Cottbuser Altstadt sind Bürgerhäuser mit diesem Motiv geschmückt, wie Lichtbilder bewiesen. Der Pelikan steht für Aufopferung, die Kröte für Treue und der Hahn für Lebensstärke. Die Taube wird mit dem Heiligen Geist in Verbindung gebracht.

Nicht nur an Blockhäusern mit Schilfdacheindeckung werden die technisch notwendigen Windbretter angebracht. Auch an modernen Wohnbauten ist die gekreuzte Giebelzier immer mehr in der Spreewaldregion zu sehen. bdx1