An jenem Brunnen starten wir unseren diesmal etwas anderen Rundgang durch die Innenstadt von Drebkau. Ein Fahrrad brauchen wir dabei nicht. In der Kleinstadt lässt sich auf engstem Raum viel Überraschendes entdecken.

Gleich zu Beginn der Tour erwartet uns ein besonderes Museum: die "Sorbische Webstube". Der Drebkauer Ethnograph Dr. Lotar Balke hat diese Heimatstube schon im Jahr 1982 gegründet. Dort erfahren Interessierte eine Menge über die Geschichte der Stadt und ihre wirtschaftliche Entwicklung. Die dort beheimatete Glasherstellung ist genauso Thema wie das Leben der Drebkauer Handwerker. In zwei Sonderausstellungsräumen gibt es alljährlich drei besondere Expositionen.

Ostereier aus der ganzen Welt

Zur Osterzeit ist das traditionell eine Ausstellung mit Ostereiern aus aller Welt. Gezeigt werden dann rund 2500 gestaltete Eier aus beinahe allen Kontinenten. Die Sammlung wird Jahr für Jahr erweitert.

Auf dem Drebkauer Marktplatz unübersehbar ist die Stadtkirche. Auch sie ein lohnendes Ziel. Die letzte Schönheitskur an dem Gotteshaus wurde 2012 beendet. Dabei bekam die Kirche auch ihre heutige graue Farbe. Bei Untersuchungen zur ursprünglichen Farbgebung waren am Turm nämlich genau solche grauen Reste gefunden worden. In der Kirche finden regelmäßig Gottesdienste statt, und es gibt auch zahlreiche Konzerte mit Musikgruppen und Chören.

Gleich am Marktplatz steht auch die Grundschule von Drebkau. Sie trägt den Namen des Generals von Schiebell. Damit erweist die Stadt ihrem berühmten Einwohner eine besondere Ehre. Zu Lebzeiten war Burghardt Christoph von Schiebell Kabinettsminister und Vertrauensperson des Kurfürsten von Sachsen. Als Schlossherr von Drebkau ließ er auf dem damaligen Kirchhof eine Kapelle bauen. Diese wurde nach seinem Tod im Jahr 1796 seine letzte Ruhestätte. Schiebell lag dereinst das geistige Wohl der Drebkauer Bürger sehr am Herzen. Er fand, dass die Drebkauer Kinder nicht gut genug gebildet sind, deshalb beschloss er, das Schulwesen neu zu organisieren. Er ließ am Marktplatz ein Schulhaus bauen und gab auch Geld zur Unterhaltung des Lehrgebäudes. Bereits im Jahr 1793 war die ersteSchule fertig. Jedes Jahr ehren die Schüler bis heute ihren Schulgründer und legen in der Kapelle Blumen nieder, außerdem werden stets die besten Schüler der 6. Klassen im Gedenken an den fortschrittlichen Gutsherrn ausgezeichnet.

Nostalgie in der Gastwirtschaft

Von der Schule kommen Besucher nach nur wenigen Schritten zum Drebkauer Schloss. Die Grundmauern sollen zu einer alten Burg gehört haben, die dort schon im Ersterwähnungsjahr der Stadt 1280 gestanden hatte. Das Schloss soll künftig der Sitz der Stadtverwaltung werden. Seit mehreren Jahren wird das Gebäude auf Vordermann gebracht. Die Hülle ist beinahe fertiggestellt.

Im großen Bogen geht es zur Drebkauer Brauerei. Unterwegs kommen Drebkau-Besucher an der "Alten Garage Nr. 55 " vorbei. Die urige Gaststätte besticht mit einer imposanten Sammlung an Landwirtschaftsgeräten. Wer hier dann eine Molle zischt, der sieht im Innern noch eine beeindruckende Kugelschreibersammlung.

Höhepunkt einer jeden Drebkautour ist für durstige Wandersleute aber auch das Drebkauer Brauhaus. Hinter vorgehaltener Hand wird Drebkau ja auch heute noch von Alteingesessenen als "Saufdrauke" bezeichnet. Die Stadt hat sich diesen Namen "erarbeitet", weil es hier in vielen Haushalten Brandblasen gegeben haben soll. Schnaps mochten die Drebkauer also schon immer - aber Bier? Auch Bier! Das heutige Brauereigebäude wurde bereits 1760 erstmals urkundlich als Gut Leopoldei erwähnt. Um das Jahr 1870 wurde daraus die Schlossbrauerei. 1949 kaufte Hildegard Kircher diese Schlossbrauerei. Heute führen die Brüder Thomas und Andreas die Brautradition der Kirchers weiter. Seit 1998 wird von ihnen das traditionsreiche "Kircher Bier" nach einem Rezept ihres Urgroßvaters gebraut.

Das "Kircher Bier" ist auch die goldgelbe Flüssigkeit, die immer am ersten Septembersonntag aus dem Markplatzbrunnen fließt. An diesem Tag wird in Drebkau nämlich das Brunnenfest gefeiert, in diesem Jahr zum 11. Mal. Dabei wird auch die elfte Drebkauer Brunnenfee, die die jetzt noch amtierende Majestät Sylvia Klatt ablösen wird, bei einem spannenden und furiosen Akt gekürt.

Die neue Königin darf am Sonntagvormittag nach einem Gottesdienst unter freiem Himmel Bier aus dem Brunnen zapfen. Das edle Getränk wird dann kostenlos an alle Gäste auf dem Marktplatz verteilt, umrahmt von einem bunten Bühnenprogramm. Aber schon ab Sonnabend wird in Drebkau gefeiert. Dann erwartet die Festbesucher eine Händlerstraße, Oldtimer und viel Unterhaltung.

Das Drebkauer Brunnenfest wird in diesem Jahr übrigens am 3. und 4. September gefeiert.