London ist teuer. Selbst ein Kurztrip in die Millionenstadt kann zu einer kostspieligen Angelegenheit werden. Doch mit über 180 000 freien, öffentlichen WLAN-Hotspots in ganz Großbritannien wird zumindest die Rechnung fürs mobile Internet am Ende des Monats zu keiner bösen Überraschung. Anders sieht es für Besucher in Deutschland aus. Laut einer Studie des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft Eco gibt es hier gerade mal gut 15 000 freie Hotspots. Im Vergleich zu anderen Industrienationen ist Deutschland, was das öffentliche WLAN angeht, ein Entwicklungsland.

Der Ausbau von öffentlichen und teilöffentlichen WLAN-Netzen erfolgt bundesweit größtenteils durch die Privatwirtschaft, hauptsächlich durch Telekommunikationsanbieter.

In Düsseldorf gingen kürzlich 33 neue Hotspots des Kabelnetzbetreibers Unitymedia an den Start. Aber auch andere Unternehmen bieten oftmals einen Internetzugang an, zum Beispiel als Service für ihre Kunden in Cafés oder Restaurants. Und auch immer mehr Städte und Gemeinden liefern ihren Einwohnern ein öffentliches drahtloses Netzwerk. So gibt es beispielsweise in der saarländischen Stadt Wadern bereits ein kommunal finanziertes, öffentliches WLAN-Netz. Dennoch erfolgt der Ausbau der Hotspots bundesweit, nur schleppend. Schuld daran ist unter anderem die momentane rechtliche Lage.

Die sogenannte Störerhaftung macht die WLAN-Anbieter für illegale Handlungen ihrer Nutzer haftbar. In einer Kneipe haftet also der Wirt, wenn ein Kunde über sein angebotenes WLAN Urheberrechtsverletzungen im Internet begeht. "Die Störerhaftung ist absoluter Schwachsinn. Wenn jemand im Haus eines anderen einen Mord begeht, haftet ja auch nicht der Hausbesitzer", findet Andreas Augustin, Mitglied bei der Initiative Freifunk. Die Initiative setzt sich für die Errichtung eines freien WLAN-Netzwerks ein. Dabei geben Privatpersonen einen Teil ihrer eigenen Bandbreite für die Öffentlichkeit frei. Im Saarland sind dadurch mittlerweile knapp 200 freie Internetzugänge entstanden. Der Nutzer kann sich ohne Passwort an einem Knotenpunkt in das WLAN einwählen. "Das WLAN-Netz heißt im gesamten Saarland saar.freifunk.net. Wenn ich in Saarbrücken am St. Johanner Markt meinem Handy sage, dass es sich ins Freifunknetz einwählen soll, dann tut es das dort. Ich kann mich aber auch sonst überall einwählen, wo es einen Freifunkknoten gibt", sagt Augustin

Über die Störerhaftung müssen sich die Anbieter jedoch keine Gedanken machen. Denn der Freifunkknoten baut einen sogenannten Tunnel. Geht man über das WLAN ins Internet, werden alle Daten auf einen Server nach Schweden geschickt. Und in Schweden gibt es keine Störerhaftung. Wenn der Internetnutzer also das Urheberrecht verletzt, kann nicht der Anschlussinhaber belangt werden, sondern nur der Täter. Mitmachen bei der Freifunkinitiative kann jeder. Dazu bedarf es nur eines Freifunk-Routers, der ans heimische Netzwerk angeschlossen ist. Eine Anleitung gibt es auf der Internetseite saar.freifunk.net.