(dpa/chw) In zehn deutschen Universitätsstädten wurde am Freitagabend gejubelt. Aachen, Berlin, Bonn, Dresden, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, München, Tübingen: Sie alle sind oder bleiben Städte mit „Elite-Unis“. Ein Gremium aus Wissenschaft und Politik kürte am Freitag in Bonn die Hochschulen, die künftig den Titel „Exzellenzuniversität“ tragen dürfen und sich auf viel Extra-Geld freuen können. Nach der Entscheidung üben aber nicht nur Oppositionspolitiker Kritik an dem aktuellen Verfahren.

Die Technische Universität Dresden kann dabei mit mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr rechnen. Als bei der Live-Übertragung die zuständige Exzellenzkommission ihr Votum verkündete, brach im Festsaal der Universität ein kollektiver Jubelschrei aus. Rektor Hans-Müller Steinhagen und seine Rektoratskollegen stießen mit Bier an, das von Ernährungswissenschaftlern der Uni selbst gebraut wird.

Die TU trägt den Titel einer Exzellenzuniversität seit 2012. Anders als bislang muss man sich für den Titel nach sieben Jahren nicht neu bewerben, allerdings werden die Unis evaluiert.

Der FDP-Bildungspolitiker Thomas Sattelberger sieht „zwei Wermutstropfen“. Er spricht vom „Problem des abgehängten Ostens“, weil in Ostdeutschland mit der TU Dresden nur eine Universität den begehrten Titel bekommen hat.

Die Anstrengungen der Bundesregierung in der Forschungsförderung reichen seiner Ansicht nach außerdem nicht aus: Unter den Top-50-Universitäten der Welt seien regelmäßig nur drei deutsche. „Die Bundesregierung muss endlich ranklotzen, damit es mehr international relevante Spitzenunis in Deutschland gibt.“

Der Sprecher der ostdeutschen SPD-Bundestagsabgeordneten, Frank Junge, kritisierte die Auswahlentscheidung der zuständigen Exzellenzkommission. Zwar sei es richtig, dass Leuchttürme in der Hochschullandschaft gefördert würden. Er bemängelt dabei aber eine „Bevorzugung ohnehin schon begünstigter Standorte“.

Die Grünen fordern, dass neben den „Exzellenzunis“ die anderen Hochschulen nicht vernachlässigt werden. Der Kreis der auserwählten Universitäten müsse offengehalten werden, forderte der forschungspolitische Sprecher, Kai Gehring. In den ausgewählten Hochschulen war die Freude groß.

Michael Hoch, Rektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die ebenfalls zu den Gewinnern zählt, sagte in einer ersten Reaktion: „Der heutige Tag ist ein Meilenstein in der 200-jährigen Geschichte unserer Universität“.

Der Titel „Exzellenzuniversität“ geht einher mit zusätzlichen staatlichen Fördermitteln. Vom 1. November an bekommen die Hochschulen zusätzliche Fördergelder von jeweils 10 bis 28 Millionen Euro im Jahr. Drei Viertel davon kommen vom Bund und ein Viertel von den Bundesländern, in denen die Hochschulen ihren Sitz haben.

Gestartet wurde der Exzellenzwettbewerb vor mehr als zehn Jahren, unter anderem um den internationalen Ruf und das Image der deutschen Unis aufzupolieren. Inzwischen gab es mehrere Runden.

Der Exzellenzstatus wurde den Hochschulen dabei jeweils befristet verliehen. Das ändert sich jetzt. Die gekürten Hochschulen können den Titel dauerhaft tragen, müssen aber alle sieben Jahre nachweisen, dass sie die entsprechenden Förderbedingungen noch erfüllen.

Bund und Länder stellen für die Exzellenzstrategie seit 2018 rund 533 Millionen Euro pro Jahr bereit. 75 Prozent der Mittel stammen vom Bund, 25 Prozent von dem Bundesland, in dem die entsprechende Hochschule angesiedelt ist.