| 02:35 Uhr

"Wir bieten nicht nur Freitzeithandball"

FOTO: Beyer/sby1
Cottbus. Die Handball-Männer des LHC Cottbus starten am Samstag im Heimspiel gegen die zweite Mannschaft der Füchse Berlin (Anwurf 19 Uhr, Lausitz-Arena) als amtierender Meister in die Oberliga-Saison. Vorab sprach die RUNDSCHAU mit dem Sportlichen Leiter des LHC, Marcel Linge. wsw1

Herr Linge, die Generalprobe in Pirna gegen den Vertreter der Mitteldeutschen Oberliga ging mit einer 24:31-Niederlage in die Hose. Muss man Angst haben um die Form des LHC vor dem Auftakt?
Linge Nein. Wir konnten in Pirna nicht mit der besten Mannschaft antreten und haben zudem einiges probiert. Das erste Spiel gegen Pirna zwei Wochen zuvor hatten wir mit vollem Kader dominiert. Allerdings fällt nach Ernst Efa (Mittelhandbruch) nun auch noch Torhüter Florian Berndt mit einer Sprunggelenkblessur sechs Wochen aus. Das Verletzungspech sollte uns nicht weiter verfolgen, damit wir unsere Ziele erreichen.

Die da wären?
Linge Wir wollen schnellen und attraktiven Handball und um die Plätze eins bis fünf spielen.

Der Meister wäre auch mit Platz fünf zufrieden?
Linge Natürlich wollen wir wieder Meister werden. Die Liga ist aber nochmal stärker geworden. Die Jungfüchse wollen in die dritte Liga aufsteigen wie auch der Absteiger Grün-Weiß Werder. Stralsund hat sich unter anderem mit dem Ex-Cottbuser Johannes Trupp verstärkt, der zuletzt in Rostock gespielt hat. Grünheide, Ludwigsfelde, Usedom und auch OSF Berlin gehören zum erweiterten Kreis der Titelaspiranten.

Wie zufrieden sind Sie mit der Vorbereitung?
Linge Die war insgesamt gut. Das gemeinsame Trainingslager der Männer und der A-Jugend in Neuruppin war super. Unter Anleitung von Trainerfuchs Peter Melzer wurde viel an der Taktik gefeilt und manches probiert. Leider stand uns erst ab Mitte August die Lausitz-Arena zu Verfügung, so dass uns einige Balleinheiten fehlen.

Sie haben mehrfach eine größere Unterstützung durch die Stadt gefordert. Wie sollte die aussehen?
Linge Ich wünschte mir ein öffentliches Bekenntnis der Stadtspitze, dass der Handball nach dem FC Energie die Sportart Nummer zwei in der Sportstadt Cottbus ist. Bei der Vergabe und Nutzung der Sportstätten oder auch bei der Bereitstellung von Arbeitsplätzen sehe ich Reserven. Wenn wir in der dritten Liga spielen wollen, brauchen wir die Lausitz-Arena für fünfmal Training die Woche und für die Punktspiele. Neue Spieler kommen nämlich nicht zu uns, weil sie hier das große Geld verdienen, sondern weil sie vor vielen Zuschauern in schönen Sportstätten spielen. Wir sind aber mit dem Sportstättenbetrieb in sehr guten Gesprächen.

In letzter Zeit gab es heftige Kontroversen um die Zusammenarbeit des LHC mit dem Nachwuchs-Landesstützpunkt. Wie ist aktuell die Lage?
Linge Die Zusammenarbeit mit Handball-Landesverband, Sportschule und Lehrertrainer Peter Melzer ist sehr gut. Wir halten uns an die Festlegungen des HVB und haben alle Nachwuchsmannschaften für den Spielbetrieb gemeldet. Für alle Mannschaften stehen Trainer bereit. Wer anderes behauptet, sagt die Unwahrheit. Nach den Festlegungen des HVB sollen alle Schüler der Sportschule beim LHC als stützpunkttragender Verein angemeldet sein. Einige Anmeldungen von Jungen der 7. Klasse fehlen noch. Da warten wir mal den Schuljahresbeginn ab. Bekanntlich ist leider eine B-Jugendmannschaft nach Grünheide abgewandert. Auch für diese Jungs stehen unsere Türen weiterhin offen. Kommende Saison sollen diese ja dann auch wieder beim stützpunkttragenden Verein LHC Cottbus spielen.

Nach der Absage für den Drittliga-Aufstieg der Männer und der Teilnahme an der Quali zur Jugend-Bundesliga wurde der Vorwurf laut, der LHC wolle nur noch Freizeithandball anbieten. Ist das so?
Linge Nein. Ich verweise auf unser Saisonziel. Das erreicht man nicht im Vorbeigehen. Und wir wollen mit dem Trainergespann Peter Melzer/Falk Fürstenberg die Voraussetzungen schaffen, um in den nächsten Jahren wieder Jugend-Bundesliga zu spielen und so den Generationswechsel im Oberliga-Team, das dann möglichst in der dritten Liga spielt, vorbereiten.

Was nicht ohne finanzielle Mittel zu bewerkstelligen ist. Wie ist die Lage?
Linge Wir haben aktuell einen Etat von 200 000 Euro für den Verein, davon 120 000 Euro für die Männer-Oberliga. Wir sprechen mit treuen Sponsoren und auch mit künftigen Unterstützern. Dabei geht es um mehr als nur um die Absicherung der Fahrtkosten. Viele Vereine in der dritten Liga wirtschaften mit hohen sechsstelligen Summen. Eins ist aber klar, auch als Lehre aus der Vergangenheit: Wir werden uns keinen Porsche leisten, wenn die Finanzierung nicht geklärt ist.

Zum Samstag: Im finalen Spiel der letzten Saison gab es gegen die Jungfüchse eine Klatsche. Brennt die Mannschaft auf die Revanche?
Linge Ja, aber es ist ein Spiel unter anderen Voraussetzungen. Beide Teams haben ihr Gesicht verändert. Team und Publikum brauchen einen hundertprozentig gelungenen Tag. Weil am Wochenende Einschulung ist, haben Schulanfänger am Samstag übrigens freien Eintritt.

Mit Marcel Linge

sprach Wolfgang Swat