"Ein himmlischer Auftakt", sagte Wies'n-Chefin Gabriele Weishäupl gestern. "Das war eine absolut geglückte Sache." Mit einem der größten Trachtenumzüge der Welt zogen gestern knapp 9400 Trachtler, Schützen, Fahnenschwinger und Musikanten - so viele wie selten zuvor - in ihren historischen Gewändern bei Blasmusik zur Festwiese.
Mit drei Schlägen hatte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) am Samstag das erste Fass Bier angezapft und mit dem Ruf "Ozapft is" das größte Volksfest der Welt eröffnet. Zum letzten Mal reichte er dann dem scheidenden Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) die erste frische Maß, um auf eine friedliche Wies'n anzustoßen. Bis zum 7. Oktober werden in der bayerischen Metropole rund sechs Millionen Besucher erwartet.
Bereits am ersten Wochenende verzehrten die Festgäste elf ganze Ochsen. Rund 500 000 Maß Bier rannen die durstigen Kehlen hinunter. Die Bierzelte verzeichneten bereits vor der Eröffnung am Samstag einen Riesenansturm, zeitweise mussten sie wegen Überfüllung geschlossen werden. Vor den Eingängen bildeten sich Menschentrauben. Laut Festleitung kamen ungewöhnlich viele Familien. Das Publikum sei zudem überraschend international gewesen - die ausländischen Gäste zeigen sich dabei immer öfter in bayerischer Tracht.
Größere Zwischenfälle gab es bis gestern Abend nicht. Die Wies'n habe gemütlich angefangen, hieß es bei der Festleitung. Es habe am ersten Tag mit 60 "Bierleichen" nur halb so viele gegeben wie im Vorjahr, sagte ein Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes. Der erste Betrunkene wurde bereits knapp drei Stunden nach Wies'n-Start medizinisch behandelt.
Der wohl ungewöhnlichste Vorfall ereignete sich in einer Geisterbahn: Ein schreckhafter Schweizer schlug ein Gruselwesen kurzerhand k.o., obwohl der mechanische Geist wegen seines grausigen Aussehens ex-tra in einen Käfig gesperrt worden war. Die Polizei teilte mit, der betrunkene 22-Jährige habe sich aber dermaßen erschrocken, dass er mit einem Holzstab nach der Gruselgestalt schlug und stach.
Ein Amerikaner hat auf der Wies'n eine Chilenin mit einem ungewöhnlichen Wurfgeschoss verletzt. Aus Übermut warf er am Samstag eine 15 Zentimeter lange Karotte in Richtung der Frau, wie die Polizei gestern berichtete. Die 29-Jährige erlitt eine Platzwunde unter dem Auge und musste ambulant behandelt werden. Der Amerikaner wurde am Tatort festgenommen, jedoch gegen eine Sicherheitsleistung wieder freigelassen. In München dürfen Biergarten-Gäste ihr eigenes Essen mitbringen.
Bei dem Umzug quer durch die Münchner Innenstadt jubelten Tausende Schaulustige den Trachtlern zu. In Ehrenkutschen fuhren Stoiber und Ude mit ihren Ehefrauen mit. Angeführt wurde der rund sieben Kilometer lange Zug vom Münchner Kindl hoch zu Ross in der traditionellen Mönchskutte. Mehr als 40 mit Blumen, frischem Grün und Hopfen geschmückte Festwagen und Kutschen, darunter die Prachtgespanne der Münchner Brauereien, begleiteten die Trachtler. Die Trachten stammten aus allen Epochen vom Mittelalter über Rokoko bis zum Biedermeier. (dpa/rb)