Mein Mann und ein Sohn sind schon verstorben. Der Sohn hinterließ zwei Kinder. Wie ist die Erbfolge nach mir, erbt der andere Sohn allein?
Wenn Sie kein Testament errichten, tritt nach Ihrem Tod die gesetzliche Erbfolge ein. Da Ihr Ehemann schon verstorben ist, wären Ihre beiden Kinder je zur Hälfte gesetzliche Erben. An die Stelle des bereits verstorbenen Sohnes treten dessen Kinder. Wenn Sie nicht wollen, dass Ihre Enkel zum Zuge kommen, müssen Sie ein Testament errichten und Ihren Sohn zum Alleinerben bestimmen. Die Enkel haben jedoch das Recht, einen Pflichtteil geltend zu machen, der wertmäßig insgesamt nur ein Viertel Ihres Nachlasses beträgt.

Wann ist ein Erbschein erforderlich?
Ein Erbschein ist der Nachweis darüber, dass man Erbe geworden ist. Dieser Erbnachweis wird dann notwendig, wenn die gesetzliche Erbfolge eingetreten ist oder wenn die Erbfolge auf einem handschriftlichen Testament beruht. Der Erbschein muss unter Vorlage von Personenstandsurkunden beim Nachlassgericht oder bei einem Notar beantragt werden. Liegt ein notarielles Testament vor, ersetzt dieses in der Regel den Erbschein.

Mein Mann hat ein voreheliches Kind. Wir möchten dieses Kind von der Erbfolge ausschließen. Wir haben ein Hausgrundstück. Ist das Berliner Testament für uns günstig?
Die gegenseitige Erbeinsetzung, die das Berliner Testament vorsieht, ist in Ihrem Fall nicht günstig. Sollten Sie als Ehefrau zuerst versterben, geht Ihr Vermögen auf den Ehemann über und würde bei seinem Tod den Pflichtteilsanspruch des vorehelichen Kindes erhöhen. Dies kann durch andere testamentarische Gestaltungen verhindert werden. Hier ist der Rat eines Notars gefragt.

Ich habe drei Kinder, davon ist eines noch minderjährig. Da ich in zweiter Ehe verheiratet bin, möchte ich meine Ehefrau weitgehend vor Pflichtteilsansprüchen schützen. Wie können wir das erreichen?
Sind Ihre volljährigen Kinder dazu bereit, müssten diese mit Ihnen vor einem Notar einen Pflichtteilsverzichtsvertrag beurkunden lassen. Möglicherweise verlangen die Kinder einen finanziellen Betrag als Ausgleich für ihren Pflichtteilsverzicht. Diese Bedingungen sind ebenfalls in den Vertrag mit aufzunehmen. Das minderjährige Kind kann - auch nicht vertreten durch den Sorgeberechtigten - keinen Pflichtteilsverzicht erklären. Ein privatschriftlich erklärter Pflichtteilsverzicht ist unwirksam.

Mein Mann und ich haben drei Kinder. Einem Sohn wollen wir bereits jetzt unser Wohngrundstück übertragen, damit er als Eigentümer investieren kann. Können die anderen beiden Kinder Ansprüche daraus an den Sohn ableiten?
Bei einer Schenkung zu Lebzeiten an ein Kind haben die nicht bedachten Kinder im Erbfall sogenannte Pflichtteilsergänzungsansprüche. Dabei wird der verschenkte Gegenstand bei der Pflichtteilsberechnung hinzugerechnet. Allerdings mindern sich diese Ansprüche wertmäßig: Es erfolgt nur eine prozentuale Anrechnung auf den Pflichtteil, je nachdem, wie lange die Schenkung zurückliegt. Die Anrechnung mindert sich um jährlich zehn Prozent, nach zehn Jahren ist die Schenkung nicht mehr anzurechnen. Voraussetzung ist, dass sich der Schenker keine so umfassenden Rechte am Grundstück vorbehält, diese verhindern den Anlauf der Zehn-Jahresfrist.

Ich besitze eine Eigentumswohnung, bin jetzt aber zu meinem Sohn gezogen. Ist es besser, die Wohnung meinem Sohn zu schenken oder zu verkaufen?
Beides ist möglich. Zu beachten wäre: Ein Verkauf muss ein "echter" Verkauf sein. Es muss Geld in Höhe des Verkehrswertes fließen. Sollten Sie die Wohnung dem Sohn schenken, ist zu beachten, dass Rückforderungsrechte (zum Beispiel durch den Sozialhilfeträger) wegen Verarmung des Schenkers entstehen können, wenn Sie im Alter auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.

Ich bin Alleineigentümer eines Einfamilienhauses. 2008 habe ich geheiratet. Ist mein Ehemann durch die Eheschließung Miteigentümer am Grundstück? Ich möchte ihn gern absichern für den Fall meines Todes.
Durch eine Eheschließung erwirbt der Ehepartner nicht automatisch die Stellung eines Miteigentümers. Auch in der Ehe behält jeder Partner sein eigenes Vermögen. Zur Absicherung Ihres Ehemannes im Todesfall wäre ein Testament denkbar, in dem Sie Ihren Ehemann zum Erben bestimmen, danach würde er Eigentümer am Grundstück werden.

Ist es besser, wenn wir unser Grundstück bereits zu Lebzeiten auf unsere Kinder übertragen oder sollen wir dies durch Testament regeln?
Sicherlich stellt ihre Immobilie - wie bei vielen - den größten Wert Ihres Vermögens dar. Es will also gut überlegt sein, dieses Vermögen bereits zu Lebzeiten wegzugeben. Im Notfall haben Sie kein Vermögen, was eingesetzt werden kann, sei es, sich altersgerechtes Wohnen zu ermöglichen oder zum Beispiel im Krankheitsfall sich Behandlungen zu ermöglichen, die von Krankenkassen nicht bezahlt werden. Durch hohe Erbschaftsteuerfreibeträge eines Kindes von 400 000 Euro gibt es auch aus steuerlicher Sicht häufig keine Notwendigkeit, dazu Überlegungen anzustellen.

Ich habe mit meinem Mann ein gemeinsames eigenhändiges Testament errichtet. Wir haben ein Grundstück. Ist es besser, das Testament notariell beurkunden zu lassen?
Möchten Sie ein notarielles Testament errichten, so wenden Sie sich an einen Notar vor Ort. Mit diesem können Sie Ihre Vorstellungen und Wünsche besprechen und er kann Ihnen erklären, wie das Testament gestaltet werden muss, um das Gewünschte so weit wie rechtlich möglich zu erreichen. Sie erhalten bei einem notariellen Testament also umfassende rechtliche Beratung. Nach der gefertigten Niederschrift durch den Notar wird das Testament durch Sie unterschrieben, es wird in einem Umschlag zur Verwahrung an das Amtsgericht übergeben. Damit besteht der weitere Vorteil darin, dass es nicht wegkommen kann, was bei eigenhändigen Testamenten - weil sie meist zu Hause aufbewahrt werden - immer wieder passiert. Und letztlich bedarf es im Todesfalle nur der Eröffnung dieses Testamentes, ein Erbscheinverfahren ist nicht mehr notwendig. Dies spart viel Zeit und Geld.

Ich habe einen Freund, wir wollen uns erbrechtlich bedenken. Können wir ein Berliner Testament errichten?
Ein Berliner Testament ist nur Eheleuten und Partnern einer eingetragenen (gleichgeschlechtlichen) Lebenspartnerschaft vorbehalten. Ein solches Testament wäre zwischen nicht verheirateten Personen unwirksam. Sie können jeder ein Einzeltestament errichten, in dem Sie sich gegenseitig zu Alleinerben einsetzen. Allerdings kann ein solches Testament jederzeit ohne Wissen des anderen geändert werden. Hier hilft ein Erbvertrag. Damit können Sie erreichen, dass beide an den gemeinsamen Willen gebunden sind und dieser nicht ohne Zustimmung des anderen geändert oder aufgehoben werden kann. Ein Erbvertrag muss zur Wirksamkeit beim Notar beurkundet werden.

Ich habe ein größeres Guthaben auf dem Sparbuch, welches ich meinen Kindern vererben will. Mit welchen Erbschaftsteuern müssen die Kinder rechnen?
Die Erbschaftsteuerfreibeträge für Kinder sind sehr hoch. Jedes Kind hat alle zehn Jahre einen Steuerfreibetrag in Höhe von 400 000 Euro. Erst wenn dieser Freibetrag überschritten wird, fallen Steuern an.

Meine Lebenspartnerin und ich sind beide über 70 Jahre alt und wollen nicht mehr heiraten. Im Falle meines Todes hätte meine Partnerin keine gesetzlichen Erbansprüche. Ich möchte ihr aber neben meinen Erben etwas zukommen lassen. Welche Möglichkeit haben wir?
In Ihrem Testament, in dem Sie Ihre Erben bestimmen, können Sie Ihre Partnerin mit einem Vermächtnis bedenken. Zu beachten wäre dann jedoch die Erbschaftsteuer, denn nicht verheiratete Partner haben nur einen Freibetrag in Höhe von 20 000 Euro. Der übersteigende Betrag muss mit mindestens 30 Prozent versteuert werden.

Ich bin Witwe. Einer meiner Söhne hat mich enttäuscht. Kann ich unser Berliner Testament ändern?
Ein Berliner Testament kann vom überlebenden Ehegatten nur geändert werden, wenn das Testament dies ausdrücklich erlaubt. Enthält das Testament keine Änderungsklausel, ist der überlebende Ehegatte an den gemeinsamen Willen gebunden und kann es nicht mehr ändern.

Im Jahr 1999 hat mein Bruder das Haus meiner Eltern erhalten, und ich habe einen Pflichtteilsverzicht beim Notar erklärt. Inzwischen haben sich die Umstände geändert, kann ich den Verzicht jetzt rückgängig machen?
Das ist nur möglich, wenn alle an der Übertragung des Grundstückes beteiligten Personen zustimmen und an der Aufhebung des Vertrages beim Notar mitwirken.

Unsere Erbengemeinschaft an einem Grundstück besteht aus meiner Mutti und uns drei Kindern. Wie komme ich aus der Erbengemeinschaft heraus, wenn ich einen Erlös erzielen will?
Sie können, wenn eine Einigung in der Erbengemeinschaft nicht möglich ist, auch mit einem Dritten einen Vertrag schließen, um Ihren Erbteil am gesamten Nachlass zu übertragen. Alle Miterben sind hier jedoch vorkaufsberechtigt, das heißt, die Gegenleistung dürfte auch erst fällig werden, wenn die Nichtausübung der Vorkaufsrechte geklärt ist. Empfehlenswert ist eine einvernehmliche Auflösung der Erbengemeinschaft durch notariellen Vertrag.

Mein Vater ist vor Kurzem verstorben. Er war in zweiter Ehe verheiratet. Ich habe viele Jahre keinen Kontakt zu ihm gehabt. Kann ich Pflichtteile geltend machen?
Hat Ihr Vater kein Testament hinterlassen, sind Sie möglichweise sogar Miterbe geworden, weil die gesetzliche Erbfolge eingetreten ist. Nur wenn Sie in einem Testament des Vaters nicht bedacht und somit enterbt sind, steht Ihnen ein Pflichtteil als Mindesterbrecht zu. Dieser beträgt die Hälfte dessen, was Ihnen gesetzlich zugestanden hätte. Sowohl als Erbe als auch als Pflichtteilsberechtigter können Sie von der Ehefrau des Vaters Auskunft über den Nachlass verlangen.

Wie hoch ist der Pflichtteil und wo mache ich ihn geltend?
Der Pflichtteil beträgt die Hälfte dessen, was Ihnen nach dem Gesetz als Erbe zugestanden hätte. Wären Sie zum Beispiel gesetzlicher Erbe zu 1/2, so beträgt der Pflichtteil 1/4. Er ist innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren ab Kenntnis vom Erbfall bei den testamentarischen Erben geltend zu machen. Der Pflichtteil ist ein Geldanspruch und berechnet sich aus dem gesamten Nachlass des Verstorbenen zum Zeitpunkt seines Todes.