Mein Mann und ich haben ein gemeinschaftliches Testament errichtet. Muss dies notariell beurkundet werden?
Ein gemeinschaftliches, eigenschriftliches Testament ist gültig, wenn es von einem Ehepartner mit eigener Hand geschrieben und von beiden Ehepartnern eigenhändig unterschrieben ist. Es sollte mit Ort und Datum versehen sein. Handschriftliche Testamente erfordern nach jedem Erbfall einen Erbschein, ein notarielles Testament macht dies entbehrlich, was am Ende kostengünstiger ist. Ein notarielles Testament empfiehlt sich vor allem bei Vorhandensein von Grundbesitz.

Mein Mann ist in zweiter Ehe mit mir verheiratet. Er hat aus erster Ehe zwei Kinder, gemeinsame Kinder haben wir nicht. Wir wollen, dass nach unserem Tod die gesetzliche Erbfolge eintritt. Wer erbt wie viel, wenn mein Mann zuerst verstirbt?
Leben Sie im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, erben Sie als Ehefrau nach der gesetzlichen Erbfolge die Hälfte am Nachlass Ihres Mannes, den beiden Kindern aus erster Ehe steht gemeinsam die andere Hälfte zu gleichen Teilen zu, somit je ein Viertel. Der überlebende Ehepartner erhält zudem als Voraus die Gegenstände des ehelichen Haushalts, die er zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt. Beachten Sie aber: Versterben Sie zuerst, wird Ihr Ehemann nicht gesetzlicher Alleinerbe, falls Sie keine Kinder haben. Es erben gegebenenfalls auch Ihre Verwandten mit (§ 1931 BGB). Insofern sollten zumindest Sie über ein Testament nachdenken, in dem Sie Ihren Ehemann zu ihrem alleinigen Erben einsetzen und eventuell Ersatzerben bestimmen.

Ich möchte ein Vermächtnis aussetzen, wie mache ich das?
Bei einem Vermächtnis handelt es sich um einen schuldrechtlichen Anspruch gegen den oder die Erben. Möglich ist die Festlegung eines Vermächtnisses nur mittels eines Testamentes. Darin können Sie das Vermächtnis neben einer Erbeinsetzung bestimmen. Die Erfüllung eines Vermächtnisses obliegt dem Erben. Es kann auch ein Ersatzvermächtnisnehmer bestimmt werden. Gegebenenfalls wäre zu regeln, wer die mit dem Vermächtnis verbundene Pflichtteilslast oder etwaige Erbschaftssteuern trägt.

Gibt es im Erbfall einen Unterschied zwischen Halbgeschwistern und Stiefgeschwistern?
Ja, denn im gesetzlichen Erbrecht gilt die Blutsverwandtschaft. Haben Sie zum Beispiel mit Ihrem Ehemann gemeinsam eine Tochter und Ihr Ehemann hat noch einen Sohn aus vorhergehenden Beziehungen, gilt Folgendes: Versterben Sie zuerst, sind Ihre gemeinsame Tochter und Ihr Ehemann je die Hälfte des Nachlasses Ihre Erben; der Sohn des Ehemannes jedoch nicht. Verstirbt der Ehemann zuerst, erben Sie die Hälfte des Nachlasses und je ein Viertel der Sohn Ihres Ehemannes und die gemeinsame Tochter. In beiden Fällen wird vorausgesetzt, dass Sie im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben.

Wie erfahre ich, ob ich nach dem Gesetz geerbt habe?
Das können Sie nur selbst recherchieren, eine amtliche Information erfolgt in der Regel nicht, es sei denn, ein Miterbe hat einen Erbschein beantragt oder das zuständige Nachlassgericht hat zur Sicherung des Nachlasses einen Nachlasspfleger bestellt, der dann auch um die Ermittlung der Erben bemüht ist. Nur wenn ein Testament vorliegt, werden, soweit dem Nachlassgericht mitgeteilt, die darin bedachten Personen und die gesetzlichen Erben nach der Testamentseröffnung vom Gericht informiert.

Meine Frau und ich haben uns in unserem Testament gegenseitig zu Erben bestimmt, aber noch keine Schlusserben benannt. Wir haben zwei gemeinsame Kinder, und ich habe noch zwei Kinder aus der ersten Ehe. Welchen Kindern steht ein Pflichtteil zu?
Das hängt davon ab, wer von den Eheleuten zuerst verstirbt. Versterben Sie zuerst, haben alle Ihre vier Kinder einen Pflichtteilsanspruch, da diese durch das Testament von der Erbfolge ausgeschlossen sind. Verstirbt Ihre Frau zuerst, haben nur die beiden gemeinsamen Kinder einen solchen Anspruch. Der Pflichtteilsanspruch beträgt die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils und ist vom Erben auf Verlangen in Geld zu erfüllen. Bestimmen Sie testamentarisch keine Erben nach dem Längstlebenden, tritt gesetzliche Erbfolge ein, wonach nur die leiblichen Kinder des Längstlebenden zu Miterben berufen sind.

Meine Tochter kann nicht mit Geld umgehen. Ich möchte daher in meinem Testament die Auflage erteilen, dass sie monatlich einen bestimmten Betrag aus dem Nachlass erhält. Wer kontrolliert diese Auflage?
Sie können in Ihrem Testament einen Testamentsvollstrecker benennen, dem diese Aufgabe zukommt. Das kann eine Person Ihres Vertrauens sein. Sie können aber auch festlegen, dass das Nachlassgericht einen Testamentsvollstrecker benennt und ihm Personen dafür vorschlagen. Bei Anordnung einer Dauertestamentsvollstreckung empfiehlt es sich, vorher den Rat eines Notars einzuholen.

Wir haben 1999 ein notarielles Testament errichtet. Jetzt wollen wir dies aktualisieren. Wie machen wir dies, sollen wir es aus der Verwahrung beim Amtsgericht holen?
Nehmen Sie das Testament aus der Verwahrung des Amtsgerichts zurück, gilt es als widerrufen. Das kann sinnvoll sein, wenn Sie grundlegend neue letztwillige Verfügungen treffen wollen. Soll nur eine Ergänzung vorgenommen werden, z.B. ein Vermächtnis zugewendet, kann das unter Bezugnahme auf das bestehende, beim Amtsgericht hinterlegte Testament erfolgen, und zwar sowohl privatschriftlich als auch notariell.

Mein Mann ist verstorben. Wir haben nur Barvermögen und das auf einem gemeinsamen Konto. Da wir kein Testament gemacht haben, haben unsere beiden Kinder auch geerbt. Wie berechne ich, was ich den Kindern auszahlen muss?
Üblicherweise geht man davon aus, dass bei einem gemeinschaftlichen Konto der Eheleute jedem die Hälfte des Guthabens nebst Zinsen zusteht. Maßgeblich ist der Kontostand per Todestag Ihres Ehemannes. Von der Hälfte Ihres Ehemanns können Sie die Nachlassverbindlichkeiten, insbesondere Kosten im Zusammenhang mit der Beisetzung, abziehen. Der verbleibende Rest steht Ihnen als Ehefrau zur Hälfte zu, die beiden Kinder erhalten die andere Hälfte zu gleichen Teilen.

Unsere Halbschwester, zu der wir immer ein sehr gutes Verhältnis hatten, ist verstorben. In ihrem Testament hat sie ihre Nichte zur Alleinerbin bestimmt. Welche Ansprüche haben wir Halbgeschwister?
Hat die Erblasserin ein Testament hinterlassen und gesetzliche Erben von der Erbfolge ausgeschlossen, so wären zunächst ihr Ehegatte und ihre Abkömmlinge pflichtteilsberechtigt. Verstarb sie unverheiratet und kinderlos, so sind die Eltern der Erblasserin pflichtteilsberechtigt, aber nicht die weiteren Abkömmlinge der Eltern, also nicht die Halbgeschwister oder Geschwister.

Wir haben drei Söhne. Unser einziges Vermögen besteht aus unserem Familienheim, das uns zu gleichen Teilen gehört. In unserem Testament haben wir uns gegenseitig zu Erben bestimmt. Muss der Überlebende von uns das Haus verkaufen, um die Kinder auszuzahlen?
Die auf den Tod des Erstversterbenden vom Erbe ausgeschlossenen Kinder haben einen Anspruch auf den Pflichtteil, der die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils beträgt. Im Innenverhältnis wären der überlebende Ehegatte zu drei Viertel und die Kinder zu insgesamt einem Viertel nach dem Gesetz am Grundbesitz beteiligt. Der Pflichtteil beträgt somit für alle Kinder zusammen ein Achtel in Bezug auf den gesamten Grundstückswert. Der Erbe muss sich um Bezahlung des Pflichtteils bemühen, notfalls durch Aufnahme eines Kredites. Erhält er nachweislich keinen Kredit, kann er nach § 2331a BGB - wenn die Erfüllung des Anspruchs eine unbillige Härte darstellt, insbesondere wenn sie zur Aufgabe des Familienheims führen würde - eine Stundung verlangen.

Mein Mann ist im Vorjahr verstorben, und eines unserer Kinder macht seinen Pflichtteil geltend. Gehört seine Lebensversicherung auch zum Nachlass?
Ist in der Lebensversicherung eine Bezugsperson benannt, fällt der Erlös der Versicherung nicht in den Nachlass, sondern gegebenenfalls nur die gezahlten Beiträge. Ist keine Bezugsperson benannt, gehört auch die Lebensversicherung zum Nachlass und fällt somit auch unter die Pflichtteilsberechnung.

Meine Schwiegermutter hat drei Kinder, Schwiegervater ist schon verstorben. Nach ihrem Testament soll ein Kind das Haus, das ihr allein gehört, erhalten und die beiden anderen Kinder nur je 5000 Euro. Kann man gegen diese ungerechte Regelung angehen?
Gemäß § 2311 BGB ist eine vom Erblasser getroffene Wertbestimmung zum Nachlass nicht maßgebend. In Abhängigkeit von der inhaltlichen Auslegung des Testaments könnten die mit dem Geldbetrag bedachten Kinder entweder je ein Drittel des Verkehrswertes bei Aufhebung der Erbengemeinschaft oder zumindest den Betrag insgesamt verlangen, der ihrem Pflichtteil entsprechen würde. Gesetzlich wären sie zu je einem Drittel Erbe, und somit ist ein Sechstel des Nachlasswertes ihr Pflichtteil.

Wir haben zwei Kinder und wohnen im Eigenheim. Ein Kind soll das Haus erhalten. Können wir das Haus jetzt schon übertragen und müssen wir das dem anderen Kind mitteilen?
Eine Übertragung zu Lebzeiten hat den Vorteil, dass bei entsprechender vertraglicher Gestaltung ab dem Tag der Eigentumsumschreibung im Grundbuch die sogenannte 10-Jahresfrist nach § 2325 BGB zu laufen beginnt. Danach ist die Schenkung im ersten Jahr nach der Zuwendung voll, in jedem weiteren Jahr vor dem Erbfall um jeweils ein Zehntel weniger zu berücksichtigen. Sind zehn Jahre nach der Leistung des geschenkten Gegenstandes verstrichen, bleibt die Schenkung unberücksichtigt. Einzige Ausnahme stellt die Schenkung an einen Ehegatten dar. Hier beginnt die Frist erst mit Beendigung der Ehe (zum Beispiel Scheidung oder Tod) zu laufen. Eine Mitteilung an das nicht bedachte Kind zum Zeitpunkt der lebzeitigen Zuwendung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Ich bin Alleineigentümerin eines Grundstückes. Jetzt bin ich verheiratet und wir haben ein gemeinsames Kind. Ich möchte nun meinen Mann am Grundstück beteiligen. Wie kann ich das am besten tun?
Sie können schon zu Lebzeiten Ihrem Ehemann die Hälfte am Grundstück zuwenden. Beachten Sie aber: Bei Schenkungen an Ehegatten während der Ehe beginnt die 10-Jahresfrist nach § 2325 BGB nicht zu laufen. Dies bedeutet, dass im Falle der Geltendmachung eines Pflichtteilsanspruchs des Kindes nach Ihrem Tode auch der Wert des geschenkten halben Anteils des Grundstücks einzuberechnen wäre. Möglicherweise ist das Kind bereit Ihnen gegenüber, beim Notar einen auf die Alleinerbschaft durch den Ehemann bedingten und/oder auf das Grundstück beschränkten Pflichtteilsverzicht beurkunden zu lassen. Hierzu sollten Sie sich von einem Notar beraten lassen.