Sattrot, zartweiß, rot-weiß gesprenkelt, rosa- oder orangefarben: Die großen Gewächshäuser der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) gleichen einem Farbenmeer. Mehrere Tausend Weihnachtssterne blühen bereits seit einigen Wochen üppig und in den verschiedensten Farben. Sie stehen auf hüfthohen Anzuchttischen und werden regelmäßig kurz gewässert, kontrolliert und analysiert.

Die Gartenbauingenieurin Eva-Maria Geiger leitet das LWG-Sachgebiet Zierpflanzenbau in Veitshöchheim bei Würzburg. Sie erforscht seit rund 25 Jahren auch den Weihnachtsstern und ist mit der Entwicklung auf dem Markt sehr zufrieden. "Als ich angefangen habe, war die Nachfrage nach diesen Zierpflanzen noch stark rückläufig, weil sie nur zwei Wochen gehalten haben", erinnert sich Geiger.

Heute, mehr als zwei Jahrzehnte später, ist der Weihnachtsstern die meist verkaufte blühende Zimmerpflanze hierzulande. Mehr als 32 Millionen Exemplare wurden 2014 verkauft.

In Deutschland gibt es Geiger zufolge vier bis fünf Einrichtungen, die die beliebte Pflanze erforschen, um die Erkenntnisse an die Gärtnereien weitergeben zu können. "Dank dieser Forschungen sind wir heute auf einem ganz anderen Niveau", sagt die Expertin. So werden keine Chemie, keine Insektizide oder Fungizide genutzt. Stattdessen werden gegen Schädlinge wie die Trauermücke oder die weiße Fliege Nützlinge eingesetzt. Zudem seien die Energiekosten enorm gesunken. "Das sind Quantensprünge", sagt Geiger.

In diesem Jahr hat die LWG erforscht, wie wohl sich die Pflanzen in torffreiem Substrat fühlen. Es ist derzeit politisches Ziel, die Torfanbau-Gebiete Europas zu schonen. "Wir erforschen, was das für die Bewässerung und den Einsatz von Düngemitteln bedeutet", erklärt die Gartenbauingenieurin. Die Erkenntnisse: Auf die Gärtner kommt mehr Arbeit zu, denn die Aufzucht in torffreier Erde ist schwieriger, weil die Nährstoffanteile unterschiedlich verteilt sind.

Im Handel sind perfekte Pflanzen gefragt. Das Laub muss dicht und schön grün sein. und sie sollten viele der typischen Hochblätter tragen. Obwohl der Weihnachtsstern nur kurz vor und während der Adventszeit reißenden Absatz findet, ist die Pflanze eigentlich ein Ganzjahresprodukt. "Bei richtiger Pflege hält sich ein Weihnachtsstern das gesamte Jahr über. Er ist kein Wegwerfprodukt, sondern eine holzige Pflanze, die viele Jahre halten kann." Dafür müssen nur wenige Tricks beachtet werden: keine Zugluft, keine Heizungsluft, heller Standort, keine Staunässe, nicht von oben gießen, sondern ein paar Minuten tauchen und im Winter alle drei, vier Wochen düngen, im Frühjahr wöchentlich. Dann könnte es klappen mit dem üppig wachsenden Strauch, der seine sattgrünen Blätter das gesamte Jahr über trägt. Die typischen farbigen Hochblätter bilden sich dann, wenn die Pflanze nur noch rund zehn Stunden Tageslicht abbekommt. In den Gärtnereien wird das meist ab September simuliert, damit die Weihnachtssterne pünktlich vor der Adventszeit fertig sind.

Die meisten Kunden bevorzugen den roten Weihnachtsstern. Etwa 70 Prozent kaufen am liebsten diese Farbe. Dabei gibt es zurzeit rund 150 Weihnachtssternsorten.