vor wenigen Wochen die Bandage von ihrer frisch rekonstruierten Brust abnimmt, muss sie weinen. "Das waren Freudentränen", sagt die 45-jährige Berlinerin. "Endlich hatte ich eine Brust ohne Dellen und ohne diese Schmerzen."

Ein langer Leidensweg ging für Elke M. zu Ende, die 2001 im Alter von 35 Jahren die Diagnose Brustkrebs und kurz darauf ein Brustimplantat erhielt, das sich schon bald danach in seine Bestandteile auflöste - wie sie heute weiß. "Aber jahrelang hat mir meine Beschwerden keiner richtig geglaubt", sagt sie.

Den Arzt, der ihr das Implantat nun herausnahm und es durch ein Qualitätsprodukt ersetzte, nennt sie lächelnd ihren "Retter". Das wird verständlich, als Prof. Andree Faridi, Chefarzt am Vivantes Brustzentrum am Berliner Urban-Klinikum, ein Foto über den Tisch schiebt: Was er aus der Brust der Patientin explantierte, erinnert an einen explodierten Riesen-Flummi, dessen Silikon-Fetzen sich im Brustgewebe verkapselt hatten. "Ein so aufgelöstes Implantat habe ich noch nicht gesehen", sagt Faridi, der seit 25 Jahren operiert.

Seit Januar raten auch in Deutschland Ärzte und Behörden, minderwertige Implantate aus Industriesilikon der Marken PIP, Rofil und TiBreeze vorsorglich entfernen zu lassen - auch wenn nach wie vor kein Zusammenhang zwischen PIP-Implantaten und erhöhter Krebsgefahr nachgewiesen werden kann, wie die medizinischen Fachgesellschaften betonen. Unbestritten ist jedoch, dass die fraglichen Produkte im Vergleich zu Qualitätsimplantaten leichter reißen, mehr Silikon freisetzen und auch mehr Reizungen verursachen.

Mindestens 5000 Frauen in Deutschland haben ein Billig-Implantat in der Brust - oft ohne es zu wissen.