Hochzeit an einem einprägsamen Datum - für viele Paare hat das einen besonderen Reiz. "Die Acht als Symbol für zwei Ringe oder Unendlichkeit ist natürlich schön für eine Hochzeit", erklärt sich der Dresdner Standesamts leiter Frank Neubert den Run auf den Termin. Aber, Vorsicht: Solche Ehen haben offenbar ein weitaus größeres Trennungsrisiko. Das fand jedenfalls der Fachverband der Saarländischen Standesbeamten heraus: "Die hohe Scheidungsquote rührt wahrscheinlich daher, daß die Event-Hascherei im Vordergrund steht", vermutet Verbandschef Wolfgang Jung.
Auf Statisiken und Vermutungen geben Uwe Rattey und Kathrin Geschke nichts. Der Cottbuser und seine Freundin aus Hannoversch-Münden (Landkreis Göttingen) haben sich bewusst dafür entschieden, am 08.08.08 zu heiraten. "Wir wohnen jetzt schon mehr als zwei Jahre zusammen, da wissen wir, worauf wir uns einlassen", ist Kathrin überzeugt. "Außerdem lässt sich so eine Datum leichter merken", sagt der Bräutigam ganz pragmatisch mit einem Augenzwinkern. Im Rathaus der niedersächsischen Kleinstadt wollen sie sich am Freitag das Ja-Wort geben und dann mit einer riesigen Gästeschar aus Ost und West den Start ins Eheleben feiern. Seit knapp vier Jahren sind die beiden ein Paar und überzeugt davon, dass ihre Liebe stark genug ist, jeder Statistik zu trotzen.
Schon Monate vor dem magischen Datum haben die beiden mit den Vorbereitungen begonnen: Einladungen verschickt, Übernachtungen, eine zünftige Feier und sogar eine Führung durch die Stadt am Zusammenfluss von Werra, Fulda und Weser organisiert. Schließlich sollen die Gäste nicht nur mit ihnen feiern, sondern sich auch gleich selbst ein Urteil darüber bilden, ob Alexander von Humboldt mit seiner Beurteilung recht hatte, dass Münden "eine der sieben schönstgelegenen Städte der Welt" ist.
Der 30- und die 24-Jährige haben sich bei der Bundeswehr kennengelernt. "Meine künftige Schwägerin ist am gleichen Standort wie ich. Bei einer Feier hat sie mal ihre Schwester mitgebracht, und da hat es gefunkt", verrät der Cottbuser. "Es war schon so etwas wie Liebe auf den ersten Blick." Und jetzt soll der Bund fürs Leben geschlossen werden, der beim Bund seinen Anfang nahm.
Während das Brautpaar dem großen Tag äußerlich gelassen entgegensieht, sind die Eltern ziemlich aufgeregt. Tage vor dem Ereignis wurde im Hause Rattey Eichenlaub gesammelt und eine sechs Meter lange Girlande geflochten. "In der Lausitz ist es Tradition, dass um die Haustür des Brautpaares eine große Girlande gehängt wird. Daran wollen wir festhalten und nehmen das grüne Gebinde einfach mit nach Niedersachsen", erzählt Hans-Werner Rattey. Selbstverständlich wird auch reichlich Poltergeschirr die Reise antreten. "Scherben gehören doch zu einer Hochzeit dazu. Sie sollen den jungen Leuten schließlich Glück bringen", begründet Gudrun Rattey. Auch die Geschkes haben für das große Familienfest so manche Überraschung für das Brautpaar vorbereitet. Vor allem die beiden Schwestern von Kathrin haben sich viele Gedanken gemacht, um dem jungen Paar einen unvergesslichen Tag zu bescheren.

hintergrund Zahlen und Fakten
  Für das magische Datum sind viele Trauungen angemeldet: Alle Hände voll zu tun, haben die Standesbeamten in Cottbus . Sie nehmen an diesem 8. August 20 Paaren das Ja-Wort ab, üblich sind maximal sieben pro Tag. In Lübben trauen sich an diesem Tag 17 Paare, gegenüber vier bis sechs an gewöhnlichen Tagen. Die erste Zeremonie beginnt hier um 7..30 Uhr. In Hoyerswerda wollen elf Paare in den Hafen der Ehe einlaufen.
Am 9. 9. 99 gaben sich in Brandenburg 1167 Paare das Ja-Wort. Rund 10 200 Ehen wurden 1999 im gesamten Jahr geschlossen. Gegenüber dem Vorjahr waren das rund 950 Eheschließungen mehr.
In Sachsen haben am 8. 8. 88 1065 Paare den Bund fürs Leben geschlossen, am 9. 9. 99 waren es sogar 1634 Eheschließungen.