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| 02:49 Uhr

Wie Demenzkranke mehr Geld bekommen

Wer mehr Geld möchte, muss nachweisen, dass er den Alltag nicht mehr alleine bewältigen kann.
Wer mehr Geld möchte, muss nachweisen, dass er den Alltag nicht mehr alleine bewältigen kann. FOTO: dpa
Berlin/Stuttgart. Erstmals können Demenzkranke ohne Pflegestufe ab 2013 Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen. Das Geld fließt aber nicht einfach so aufs Konto. Um es zu bekommen, müssen Betroffene bestimmte Leistungen buchen. Carina Frey / dpa

Es ist ein kleiner Schritt nach vorne: Pflegebedürftige mit einer Demenzerkrankung bekommen vom 1. Januar 2013 an mehr Geld von der Pflegeversicherung. Mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) erhalten erstmals auch Menschen Pflegegeld und Pflegesachleistungen, die noch keine Pflegestufe haben, aber trotzdem Betreuung brauchen. Sie sollten möglichst bald einen Antrag bei ihrer Pflegekasse stellen. Gezahlt wird erst ab dem Tag, an dem der Antrag eingeht.

Was bisher gilt. Bisher bekommen nur Menschen mit Pflegestufe I, II oder III Pflegegeld oder Sachleistungen. Das Pflegegeld beträgt je nach Pflegestufe zwischen 235 und 700 Euro pro Monat. Es ist als Aufwandsentschädigung für pflegende Angehörige oder andere ehrenamtliche Pfleger gedacht. Wird ein professioneller Pflegedienst engagiert, erhält der Pflegebedürftige Sachleistungen. Sie liegen je nach Pflegestufe bei 450 bis 1550 Euro pro Monat. Der Pflegedienst rechnet die Sachleistungen direkt mit der Pflegekasse ab.

Die neue Regelung. Künftig erhalten Menschen mit Pflegestufe I und II mehr Geld, wenn eine "erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz" vorliegt. Das ist bei vielen Demenzkranken der Fall. Für sie steigt das Pflegegeld in Stufe I um 70 auf 305 Euro, in Stufe II um 85 auf 525 Euro. Die Sachleistungen erhöhen sich in Stufe I um 215 auf 665 Euro, in Stufe II um 150 auf 1250 Euro. In der Pflegestufe III bleibt alles beim Alten.

Neu ist, dass auch Menschen Pflegegeld und Pflegesachleistungen erhalten, die keine Pflegestufe haben, doch mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz leben. Darauf weist die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hin. Bei "Pflegestufe 0" gibt es 120 Euro im Monat, die Pflegesachleistung liegt bei 225 Euro. Auch können sie künftig wie alle anderen Pflegebedürftigen bis zu 1550 Euro im Jahr für eine Ersatzpflege in Anspruch nehmen, wenn die Hauptpflegeperson ausfällt. Ist die Wohnung barrierefrei umzubauen, zahlt die Pflegekasse bis zu 2557 Euro Zuschuss.

Dieses Geld gibt es aber nicht automatisch. Demenzkranke ohne Pflegestufe müssen einen Antrag bei der Pflegeversicherung stellen, erklärt Ann Marini, Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüfe dann, ob eine erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz vorliegt. Ein Kriterium dafür ist beispielsweise, dass höhere Hirnfunktionen gestört sind, die zu Problemen bei der Alltagsbewältigung führen: Der Betroffene findet etwa seine Wohnung nicht mehr oder vergisst schon nach kurzer Zeit Absprachen.

Zusätzliche Betreuungsleistung. Menschen, bei denen eine erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt wurde, erhalten schon jetzt zusätzliche Betreuungsleistungen in Höhe von 100 bis 200 Euro im Monat. Damit können Demenzkranke niedrigschwellige Angebote wie die Betreuung in einer Alzheimer-Gruppe finanzieren. "Viele Anbieter rechnen direkt mit den Pflegekassen ab", erklärt Konstanze Pilgrim vom Verein Angehörigenberatung Nürnberg. Manche schickten auch eine Rechnung, die bei der Pflegekasse einzureichen ist.

Künftig bekommen Erkrankte außerdem Pflegesachleistungen oder Pflegegeld. Beide Leistungen sind unabhängig voneinander, so Marini. Um an sie heranzukommen, gelten aber die gleichen Voraussetzungen. Die Pflegesachleistungen muss der Betroffene bei einem Pflegedienst einkaufen, der einen Vertrag mit der Pflegekasse hat und direkt mit dieser abrechnen kann.

Kontoauszug prüfen. Günther Schwarz geht davon aus, dass Menschen, die bereits zusätzliche Betreuungsleistungen beziehen, automatisch Pflegegeld oder -sachleistungen bekommen. "Sie sollten auf dem Kontoauszug nachgucken", rät der Experte der Alzheimer Beratung Stuttgart. Das gilt auch für Menschen, die bereits eine Pflegestufe haben und zusätzliche Betreuungsleistungen bekommen.

Beratung wird gestärkt. Ann Marini empfiehlt, sicherheitshalber mit der Pflegekasse Kontakt aufzunehmen. Gut zu wissen: Von dem zusätzlichen Geld profitieren auch Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen. Demenzkranke mit Pflegestufe, die noch keine zusätzlichen Betreuungsleistungen erhalten, sollten sich schnell um eine neue Begutachtung kümmern.

Wer Fragen hat, sollte sich an seine Pflegekasse wenden. Mit der Pflegereform wird auch die Beratung deutlich gestärkt, sagt Pilgrim. Stellt ein Versicherter einen Antrag auf Pflegeleistungen, müssen die Kassen ihm künftig schon innerhalb von zwei Wochen einen Beratungstermin anbieten.