Der seit vielen Jahren leer stehende Wichernkomplex zwischen Mühlenstraße und Am Spreeufer ist mittlerweile entkernt. Am Dienstagnachmittag sind die Bagger angerückt, haben sich auch durch die Wände der einstigen Stadtmission, die in den 30er-Jahren errichtet wurde, gefressen.

Der Vandalismus in der Ruine sei enorm gewesen. "Vom großen Saal ist das komplette Parkett verschwunden, ebenso die Täfelung der Wände. Es wurde massiv geklaut und zerstört", sagt Jörg Schnapke, Geschäftsführer der Alpha Objektverwaltungs GmbH & Co. KG und der Sternbau GmbH.

Die Schnapke-Gruppe errichtet an dieser Stelle in den nächsten zwei Jahren drei neue Wohnhäuser mit 55 Wohnungen. "Sie sind alle barrierefrei mit modernem und hohem Standard", sagt Schnapke. Er verteidigt den schlichten, modernen Stil der Entwürfe. "Wir leben im Jahr 2017 mit neuen Ansprüchen an Wohnraum. Wir können nicht wie im 18. oder 19. Jahrhundert bauen."

Zwei sechsgeschossige Neubauten entstehen entlang der Mühlenstraße und Am Spreeufer gegenüber den Gerberhäusern.

Die obersten Geschosse werden zurückgesetzt. Direkt neben dem Dreyhouse entsteht ein kleinerer Neubau. "Der bekommt nur fünf Geschosse." Auf diesen Kompromiss habe sich das Unternehmen mit dem Nachbarn geeinigt.

Die Untergeschosse der Häuser werden Parkdecks. Das geschwungene Eingangsportal der einstigen Stadtmission soll bleiben, das Gitter mit dem Spruch "Jesus lebt, Jesus siegt" verschwindet. Durch den Erhalt des Untergeschosses mit Mauerwerk wird optisch die Anmutung der Stadtmauer fortgesetzt.

Das denkmalgeschützte Wichernhaus an der Ecke von Gertraudten- und Mühlenstraße wird saniert. Welche Zukunft das historische Wichernhaus erwartet, ist noch unklar. Durch das Pflegeunternehmen Medicus GmbH, das zur Schnapke-Gruppe gehört, könnte eine Tagespflege in das Baudenkmal einziehen. Das sei aber noch nicht entschieden. Kompalla

Zum Thema:
Die Anfänge vom Wichern-Komplex, der aus fünf U-förmig angeordneten Bauten besteht, liegen in der Mühlenstraße 30/31. Das Ursprungsgebäude entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Dr. Carl Thiem und Dr. Gustav Kühn eröffneten darin 1885 eine Privatklinik. Die Stadtgemeinde Cottbus übernahm das Grundstück 1908. Mitte der 1930er-Jahre dienten die Häuser als Wohnungen. 1937 wurde ein Gebäude für Missionsarbeit mit Versammlungsraum an der Ecke Gertraudtenstraße gebaut. An der Gebäude-Ostseite entstand in den 70ern ein Neubau.