Früher gab es zum Texten mit dem Mobiltelefon nur eine Möglichkeit: die SMS. Der Dino unter den Kurznachrichtendiensten lebt noch immer. Doch die Artenvielfalt hat stark zugenommen. Whatsapp, Hangouts, Facebook Messenger, Threema, Simsme - die Auswahl ist groß. Doch wie findet man den richtigen Messenger für seine Zwecke?

Drei Aspekte sind für die Attraktivität eines Messengers entscheidend, sagt Nick Kriegeskotte vom IT-Verband Bitkom: "Die Verbreitung unter den eigenen Kontakten, Funktionen, die einem persönlich wichtig sind, etwa Bilderaustausch oder Telefonie. Und gegebenenfalls auch Verschlüsselung."

Die angebotenen Dienste unterscheiden sich teilweise stark: "Die Grundfunktionen bieten eigentlich alle Dienste", sagt Fabian Vogler von der IT-Fachzeitschrift "Chip". Neben Textnachrichten zählen dazu Gruppenchats, Fotos, Videos, Dateiversand, Telefonie. Im Detail gibt es jedoch einige Unterschiede, die für den Nutzer relevant sein können.

So ermöglichen Whatsapp oder Signal nur Anrufe innerhalb der App. Google Hangouts dagegen erlaubt Anrufe ins Fest- oder Mobilnetz. Dafür können aber Extra-Gebühren anfallen. Ein Vorteil von Whatsapp: Hier lassen sich große Gruppenchats bilden. Bis zu 256 Teilnehmer erlaubt der Dienst, der Konkurrent Hangouts nur 100, Threema nur 50.

Dafür bieten andere Programme mehr Flexibilität als der Marktführer. Meistens werden die Messenger mit dem Smartphone genutzt. Aber was ist, wenn man mal vom Tablet oder vom Computer aus schreiben will? Whatsapp bietet mit Whatsapp-Web zwar eine Browser-Anwendung. Die funktioniert aber nur dann, wenn das Mobilgerät mit Internetverbindung in der Nähe ist. Einige Messenger lösen das besser - auch weil sie nicht an eine Rufnummer gebunden sind. Unter anderem mit Hangouts und dem Facebook Messenger geht das Chatten über andere Geräte problemlos, sagt Vogler.

Besonders beim Thema Datenschutz, also dem Umgang mit Verbindungsdaten und Chatinhalten, unterscheiden sich die Messenger-Dienste, was man in den Geschäftsbedingungen (AGB) nachlesen könne, sagt Vogler. Whatsapp gelte als intransparent, erklärt er. Auch Hangouts und Facebook-Messenger hätten Schwächen. Andere werben mit gutem Datenschutz. Dazu zählen Threema oder Signal, bei denen die Anbieter keinen Zugriff auf Gesprächsinhalte oder Teilnehmerdaten haben. Über den Messenger Snapchat verschickte Daten verschwinden nach dem Lesen und werden nach spätestens 30 Tagen gelöscht.

Obwohl keine genauen Nutzerzahlen der einzelnen Messenger bekannt sind, ist eines eindeutig: Whatsapp dominiert den Markt. Das belegt etwa eine Umfrage des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet. Rund 69 Prozent der Befragten nutzen demnach hauptsächlich diesen Messenger. Dahinter folgen weit abgeschlagen Snapchat (5,8 Prozent), Threema (4,7 Prozent) oder Telegram (3,6 Prozent). Hangouts von Google und der Facebook-Messenger wurden nicht abgefragt. Allerdings sind das aufgrund der Größe der dahinterstehenden Konzerne vermutlich jene, die Whatsapp bei den Nutzerzahlen am nächsten kommen.

Deutschlandweit nutzen immerhin rund 30 Millionen Menschen Facebook, Google Hangouts hat weltweit rund 500 Millionen Nutzer.

Wer die großen Namen auf dem Markt nicht nutzen will, sondern etwa mehr Wert auf Privatsphäre oder Bilder mit Ablaufdatum legt, muss häufig erst im Freundeskreis missionieren. "Idealerweise versucht man, eine Gruppe auf einmal zu überzeugen", sagt Vogler, "und argumentiert dabei mit spezifischen Funktionen des Messengers." Punktet dieser mit mehr Sicherheit, größeren Dateivolumina zum Versenden oder anderen Alleinstellungsmerkmalen?

Es ist alles eine Frage der Nutzer-Bedürfnisse. "Den einen perfekten Messenger für alle, den gibt es noch nicht."