Mehr Spielräume für lokale Jobcenter hat der Werkleiter des Jobcenters Spree-Neiße auf einer Konferenz in Berlin gefordert. "Vor Ort lässt sich am besten entscheiden, was gebraucht wird", sagte Hermann Kostrewa (SPD). Beim Tag der Jobcenter, einer Zusammenkunft von Mitarbeitern aus rund 800 dieser Institutionen in ganz Deutschland, diskutierte Kostrewa Mitte Juni auch über die Herausforderungen des demografischen Wandels. "Insbesondere für die Optionskommunen bedarf es eines entsprechenden Freiraums bei der Anwendung der Instrumente zur Arbeitsmarktintegration. Nur so kann man situationsgerecht reagieren", teilte er am Donnerstag mit. Der Spree-Neiße-Kreis nimmt die Aufgaben der Arbeitsmarktintegration als eine von 110 Optionskommunen wahr. Alle Leistungen im Rahmen des zweiten Sozialgesetzbuches (SGB II), früher als Sozialhilfe bekannt, werden dadurch in eigener Trägerschaft verwaltet.

Der Beigeordnete war eingeladen auf einer Podiumsdiskussion zum Thema "Fachkräftepotenzial im SGB II - Chance oder Widerspruch" zu sprechen. Im Rahmen dieser Veranstaltung stellte Kostrewa die vom Landkreis durchgeführten Qualifizierungsmaßnahmen für Erzieher, Altenpflegehelfer sowie für Gesundheits- und Krankenpflegehelfer vor. "Wir bedauern weiterhin, dass das Land diese erfolgreiche Maßnahme auslaufen lässt", sagte der Erste Beigeordnete. Die Vermittlungsquoten im Rahmen der Maßnahme seien von den Konferenzteilnehmern positiv aufgenommen worden. Das Land Brandenburg will die Finanzierung des Regionalbudgets nicht fortführen. Aus diesem Programm werden die Kosten der Qualifizierungsmaßnahmen finanziert. Vor der Diskussion hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) weitere Anstrengungen zur Integration der Sozialhilfeempfänger gefordert.

Kostrewa betonte, dass es weiterhin notwendig sei, neben den konkreten Qualifizierungsmaßnahmen längerfristige Beschäftigungsmaßnahmen anbieten zu können, "um Arbeitslose sozial zu stabilisieren und langfristig für den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten". Im Landkreis selbst bietet man hierfür ein Stufenprogramm an. "Am Anfang kann da ein Ein-Euro-Job stehen. Wenn man sieht, dass derjenige integrierbar ist, sind da auch andere Maßnahmen möglich", sagte Kostrewa. Dennoch sei ein Bewerber für Arbeitgeber attraktiver, "wenn er konkret etwas anbieten kann".