Noch zeigt sich das Gutshaus Seydlitz von seiner grauen Seite. Abgesehen von der Steinskulptur einer Frau auf dem Vorplatz, erinnert wenig an seine Zeiten als Sitz einer der fünf Werbener Adelsfamilien. Doch das könnte sich ändern.Die Pläne für die Rekonstruktion des Haupthauses liegen bereits auf dem Schreibtisch von Sachbearbeiterin Antje Swars im Burger Bauamt. "Wann das Vorhaben umgesetzt wird, hängt von der Haushaltsplanung der Gemeinde für das Jahr 2010 ab. Der Etat wird voraussichtlich Anfang kommenden Jahres beschlossen", informiert sie. Wenn der Haushalt durchgehe, könne 2010 mit der Rekonstruktion des Hauptgebäudes des Gutshauses begonnen werden, so Antje Swars. In den Jahren 2008 und 2009 sei in einem ersten Bauabschnitt bereits der Zwischenbau zwischen dem Haupttrakt und dem Hort saniert worden. "Dort wohnen bereits zwei Parteien", erklärt die Bauamtsmitarbeiterin. Auch im Hauptgebäude seien im Obergeschoss zwei Mietwohnungen geplant. "Im Erdgeschoss sollen zwei große Versammlungsräume, ein Besprechungsraum, der als Bürgermeisterbüro genutzt werden kann, und eine kleine Teeküche entstehen", erläutert sie. Dazu müssten vereinzelt Innenwände rückgebaut werden, um eine neue Raumaufteilung zu schaffen. 420 000 Euro - so laute die Kostenschätzung für beide Bauabschnitte."Das Gutshaus Seydlitz ist der letzte der ehemaligen Werbener Adelssitze, der noch in Gemeindehand ist. Wir brauchen das Haus für unsere Vereine", erklärt Werbens Bürgermeister Joachim Dieke. "Die Grundkubatur des Gutshauses soll erhalten bleiben", versichert er. An der Fassade werde es kaum Veränderungen geben. Auch im ursprünglichen Zustand sei das Äußere des Gutshauses einfach gehalten gewesen, weiß der Bürgermeister, der sich auch mit der Historie des Gebäudes auskennt. "Die letzte Gräfin, die in dem Gutshaus gewohnt hat, war Baronin Martha von Seydlitz. Nach Kriegsende wurde ihr ein Wohnrecht eingeräumt", erzählt Dieke. In der Werbener Dorfchronik berichtet der Heimathistoriker Siegfried Ramoth davon, dass in den ersten Tagen der Besatzung zwei russische Offiziere im Gutshaus einquartiert wurden, die Übergriffe verhinderten. Erst Anfang der 70er-Jahre sei die Baronin in den Westen gezogen.