Ein Fluchtwegszenario beispielsweise muss schon mit der Baugenehmigung vorgelegt werden. Bei Tropical sieht das so aus: 19 Ausgänge werden geöffnet, durch die jeweils mindestens - so die Schätzzahl - 200 Gäste ins Freie können. Mit den erweiterten Übernachtungskapazitäten in Form von Lodges müssen es 23 Ausgänge werden, so die Forderung. "Darauf arbeitet Tropical Islands im Moment hin", sagt Landrat Stephan Loge (SPD). Im Fachbereich von Ordnungsamtsleiterin Silvia Enders laufen die Pläne zusammen. Dort finden sich auch Regelungen, nachdem eine bestimmte Anzahl von 1,20 Meter breiten Ausgängen bei einer bestimmten Personenzahl gebraucht wird, wobei auch die Höhe der Decke des Gebäudes eine Rolle spielt, "wegen der Rauchentwicklung im Brandfall", wie Stephan Loge sagt. Da diese im Dome des Tropical Islands, der ehemaligen Werkhalle für den Luftschiffbau, mehr als 100 Meter hoch ist, wird mit deutlich mehr als 200 Personen pro Ausgang gerechnet. So sehr im Ernstfall Emotionen herrschen, so hilfreich sind nüchterne Zahlen bei der Vorbereitung. Und Training. Erst kurz vor dem Dachstuhlbrand im Rohbau für neue Unterkünfte hatte es eine Übung gegeben. Und auch für kritische Situationen in den drei "Störfallbetrieben mit erweiterten Pflichten", die es im Landkreis gibt, wird jährlich jeweils eine Großübung veranstaltet, um die aktuellen Notfallpläne auf Herz und Nieren zu prüfen. Erst kürzlich waren Feuerwehren und Einsatzkräfte deshalb im Spreewerk bei Lübben, einem der drei Betriebe. Das Tyczka-Totalgaz Flüssiggastanklager in Lübben ist das zweite, das Tabeg-Tanklager in Kablow das dritte. Mit der Übung im Spreewerk ist Ordnungsamtsleiterin Silvia Enders zufrieden.

Übung abgebrochen

Mit der, die vor ein paar Wochen den neuen Bahnhofstunnel im entstehenden Flughafen Tegel testete, eher weniger. Sie musste abgebrochen werden, weil drei der Statisten über Kreislauf- und Herzprobleme klagten. Enders zufolge war das letztlich darauf zurückzuführen, dass sie mit dem schnellen und damals heftigen Temperaturwechsel zwischen dem kühlen Tunnel und der deutlich wärmeren Oberfläche nicht gut zurechtkamen. Doch der Abbruch ist nicht der Grund für Enders' Unzufriedenheit. "Wir haben mehr oder weniger auf der Baustelle geübt. Die Rettungspläne sind noch nicht 100-prozentig ausgestattet." Das habe gar nicht funktionieren können, doch genau deshalb gebe es ja die Übungen.

Härtetest im Bahntunnel

Im Schönefelder Bahntunnel waren erstmals in einer unterirdischen Bahnanlage vier ausgebildete Atemschutzgeräte-Träger mit von der Partie. Sie müssen vor jedem Einsatz registriert werden, müssen sich in Ruhe anziehen können, gehen nur zu mehreren, müssen nach einer bestimmen Zeit zurück sein. Alles Dinge, die geübt werden müssen, wenn man sich im Ernstfall blind verstehen will. Um den Trägern die schwere Arbeit zu erleichtern, hat der Landkreis kürzlich Kühlungswesten angeschafft, die am Oberkörper getragen werden. Denn die Geräte erzeugen solche Wärme, dass der Körper, wird er nicht gekühlt, über den ausgleichenden Schweiß zu viel Flüssigkeit verliert. Was die ausgebildeten Geräteträger angeht, schätzt Enders den Landkreis als "gut aufgestellt" ein mit etwa 100 Personen. "Wir müssen aber dranbleiben", sagt sie. Und noch eines war ungewohnt bei der Übung im Schönefelder Bahntunnel: "Unterirdisch wird mit digitalem Funk gearbeitet", oben mit analogem, so Silvia Enders. "Das war neu für die Feuerwehr." Solche Übungen sind nur ein kleiner Teil im großen Feld des Katastrophenschutzes des Landkreises Dahme-Spreewald. Da werden Großschadensereignisse akribisch von Katastrophen unterschieden, Verantwortlichkeiten, Stäbe und Strukturen festgelegt und viele, viele Pläne geschrieben. Zu den zehn laufend zu aktualisierenden Sonderplänen gehören ein Waldbranddokument, ein Seuchenalarm- und ein Hochwasserplan. Dazu kommen fünf Sondereinsatzgruppen, eine Notfall-Seelsorgeeinheit und eine Abc-Einheit. Das DRK und die Johanniter sind eingebunden, das THW kann bei Bedarf dazugerufen werden. Die Kosten? Dazu sagen Silvia Enders und Stephan Loge lieber nichts. "Im Moment des Notfalls geht es ohnehin ums Handeln", sagt Silvia Enders. "Über das Budget reden wir viel später."

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Zum ThemaEine hilfreiche Broschüre für den Notfall ist in der Kreisverwaltung erhältlich. Sie heißt "Für den Notfall vorgesorgt" und beinhaltet zahlreiche Checklisten, zum Beispiel, welche und wie viel Lebensmittel für einen zwei-Wochen-Vorrat gebraucht werden, wie eine gute Hausapotheke und ein Notgepäck aussehen, wie man Wasservorräte anlegt und Dokumente sichert. Herausgeber ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.