"Der Umgang mit psychischen Krisen ist seitens der Ärzte und der Betroffenen offener geworden, was sich in einer genaueren Diagnostik abbildet", erklärte DAK-Chef Herbert Rebscher gestern bei der Vorstellung des Pyscho-Reports seiner Kasse. Die wichtigsten Erkenntnisse:

Wie viele Bürger sind psychisch krank?
Jeder 20. Beschäftigte war 2014 wegen einer psychischen Störung krankgeschrieben. Das waren rund 1,9 Millionen Menschen. Seit 1997 hat sich die Anzahl der Fehltage verdreifacht. Allein unter den DAK-Versicherten kamen wegen psychischer Störungen mehr als 6,3 Millionen Ausfalltage zusammen. Damit haben sich die psychischen Leiden vom dritten auf den zweiten Platz in der Fehltage-Statistik geschoben. Nur wegen Rückenschmerzen und anderen Erkrankungen des Bewegungsapparats blieben die Menschen der Arbeit noch häufiger fern.

Was sind die häufigsten Diagnosen?
Gedrückte Stimmung, Lust zu gar nichts und immer müde. Das sind die Symptome der häufigsten seelischen Erkrankung, der Depression. Fast die Hälfte aller Psycho-Fehltage wurde 2014 mit dieser Diagnose begründet. Stark verbreitet sind auch Anpassungsstörungen. Hier handelt es sich um krankhafte Reaktionen auf belastende Ereignisse wie den Tod eines Angehörigen oder eine schwere Krebserkrankung. Probleme im Job können ebenfalls so belastend wirken, dass Ärzte eine Anpassungsstörung diagnostizieren.

Welchen Einfluss hat der Job auf die Psyche?
"Fakt ist, dass chronischer Stress das Entstehen von Depressionen begünstigt", sagte der Hamburger Gesundheitsforscher Hans-Peter Unger. Früheren Untersuchungen zufolge fühlt sich etwa jeder dritte Beschäftigte durch Termin- und Leistungsdruck beeinträchtigt, jeder Vierte verzichtet häufig auf Pausen, und von den Führungskräften hat fast jeder Zweite Probleme, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Wichtig sei es deshalb, erste Alarmsignale wie Schlafstörungen oder Reizbarkeit ernst zu nehmen und zum Beispiel im Gespräch mit dem Betriebsarzt gegenzusteuern, empfahl Unger.

Wer leidet besonders unter der Krankheit?
Frauen sind von psychischen Leiden fast doppelt so häufig betroffen wie Männer. Zumindest nach der Statistik. Allerdings tun sich Männer nach Einschätzung von Experten schwerer damit, sich derlei Erkrankungen einzugestehen. Unabhängig vom Geschlecht gilt: Je höher das Alter, desto mehr Fehltage durch seelische Erkrankungen. Zieht man die Branchen in Betracht, so ist es ausgerechnet der Gesundheitssektor, in dem die Mitarbeiter besonders anfällig für psychische Leiden sind. Dahinter rangieren die öffentliche Verwaltung und der Verkehrsbereich.

Gibt es regionale Unterschiede?
Ja. Grundsätzlich ist der Stress pegel in Ballungszentren höher als auf dem Land. Durch die größere Ärztedichte in den Städten kommt es dort allerdings auch zu mehr Behandlungen. Gleichwohl zählen Bayern und Baden-Württemberg zu den Ländern mit den wenigsten Ausfalltagen wegen psychischer Leiden. Dagegen liegt das Saarland hier an der Spitze. Auf 100 Versicherte kommen dort fast 306 entsprechende Fehltage. In Bayern sind es nur 193. Eine schlüssige Erklärung für diese Unterschiede gibt es bislang noch nicht.