Der Herzberger Wasser- und Abwasserverband hatte es abgestellt. Grund genug für Rüdiger Polzien, die Reporter-Nummer bei der Rundschau anzurufen. „Das war nicht das erste Mal, dass uns das Trinkwasser abgestellt wurde. Im Frühsommer war es schon mal weg“, sagt er. Rüdiger Polzien vermutete, dass der Vermieter, eine Immobilienfirma in den alten Bundesländern, die Abschlagsrate beim HWAZ nicht bezahlt hatte. Eine Nachfrage der Rundschau bei der kaufmännischen Leiterin des Verbandes, Gabriele Laue, bestätigte dies. Mittlerweile hatte sich Rüdiger Polziens Nachbar Marek Czaus bereits an den HWAZ gewandt. Er wohnt mit seiner Lebensgefährtin und der zweijährigen Tochter im Lerchenweg. „Gerade für die Kleine brauchen wir doch unbedingt Wasser“, sagt er. Neben Rüdiger Polzien und Marek Czaus wohnen noch drei weitere Mieter in dem Block – alles Junggesellen und zum Teil in der Woche auf Montage. Beholfen haben sich die Bewohner mit Hilfe eines Bekannten. Aus dessen Garten haben sie Flaschen und Behälter mit Wasser abgefüllt.

Gabriele Laue hatte Marek Czaus versprochen, am nächsten Tag das Wasser wieder anzustellen. Das ist auch erfolgt. „Dennoch finden wir es nicht in Ordnung, dass uns das Wasser abgestellt wird. Wir bezahlen mit der Miete unser Geld für die Nebenkosten“, schimpft Rüdiger Polzien. „Wir wissen es zwar nicht, aber wir gehen davon aus, dass die Mieter bezahlt haben. Der Lerchenweg 8 bis 10 hat einen Trinkwasserabschluss. Wenn der Vermieter den Abschlag nicht bezahlt, kündigen wir an, das Wasser abzustellen. Zahlt er auch dann nicht, wird abgedreht. In diesem Fall war das so“, erklärt Gabriele Laue.

Der HWAZ hat mittlerweile mit vier der fünf Mietparteien vereinbart, den Anteil für Wasser und Abwasser direkt an den Verband zu überweisen. „Dann sind die Mieter bei uns vom Zahlungsverhalten des Vermieters unabhängig“, so die HWAZ-Mitarbeiterin. Den Vermieter konnte die Rundschau telefonisch nicht erreichen.

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Mehr als 200 MahnungenDer HWAZ erhebt die Abschläge für die Trinkwasserlieferung alle zwei Monate. Laut Aussage von Gabriele Laue müssen jedes Mal an die 220 Ankündigungen zur Einstellung der Wasserlieferung verschickt werden, weil die Kunden nicht zahlen. Die meisten kommen ihrer Pflicht dann doch noch nach. „Wenn aber nicht gezahlt wird, drehen wir ab“, so Gabriele Laue.