Viele Fußball-Fans fragen sich deshalb, welche Rechte sie haben.
Grundsätzlich gilt: Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind Vertragspartner. Und Vertrag kommt von "vertragen", wenn betriebliche Belange dem nicht entgegenstehen. Der Arbeitgeber entscheidet also letztlich, welcher seiner Mitarbeiter wann bezahlten oder unbezahlten Urlaub nehmen kann. Zumindest beim bezahlten Urlaub muss er jedoch die Wünsche seiner Mitarbeiter berücksichtigen. Die vom Chef gegebenenfalls ins Feld geführten betrieblichen Gründe stehen einem Urlaubswunsch der Mitarbeiter immer dann im Wege, wenn der betriebliche Ablauf durch die Freistellung erheblich beeinträchtigt wird.
Aber auch bei einer "Stückelung" des Urlaubs - etwa wenn ein Angestellter jeweils zu bestimmten Spielen ein bis zwei Tage freimachen will - kann ein Nein vom Arbeitgeber kommen. Denn das Bundesurlaubsgesetz schreibt vor, dass der Arbeitnehmer wenigstens zwei zusammenhängende Wochen pro Jahr nehmen muss, um sich während des Urlaubs ausreichend erholen zu können.
Und wie sieht es mit der Versetzung in eine andere Schicht aus? Wünschen kann sich das der Fußballfan, verlangen jedoch nicht. Ein einsichtiger Chef wird darauf eingehen, wenn es keine Probleme im Betriebsablauf gibt und der Wunsch rechtzeitig geäußert wurde.
Wer auf einen fußballresistenten Chef stößt, könnte nun auf die Idee kommen, einfach krankzumachen. Damit riskiert der Arbeitnehmer allerdings die „gelbe Karte“ in Form einer Abmahnung. Verlässt er nach einem ausdrücklichen "Nein" seines Arbeitgebers den Arbeitsplatz mit der Bemerkung, dass er schon einen Weg finden werde, bedeutet das mitunter sogar die "rote Karte" und das Ende seiner Karriere in dem Betrieb. Das kann passieren, wenn er beispielsweise trotz einer vorgelegten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Public Viewing gesichtet wird.
Und wie sieht es mit Radio hören oder fernsehen während der Arbeitszeit aus? In beiden Fällen kommt es auf das Entgegenkommen des jeweiligen Chefs oder Vorgesetzten an. Das Radio dürfte im Regelfall die geringeren Probleme bereiten. Den "begleitenden" Alkoholkonsum dürfte aber wohl kaum ein Firmeninhaber gutheißen.
Zusammenfassend gilt: Obwohl es sich bei der Fußball-EM 2008 um ein einmaliges Ereignis handelt, dürfen die arbeitsrechtlichen Pflichten nicht ins Abseits geraten. Dass in dieser Zeit möglicherweise häufiger das Internet genutzt wird, um Zwischenergebnisse abzurufen, wird wohl kaum zum "Platzverweis" führen, wenn es nicht übertrieben wird.