Wird ein Pflegebedürftiger im Heim betreut, kann das ganz schön ins Geld gehen - häufig reicht sein Einkommen dafür nicht aus. Betroffene sollten sich umgehend ans Sozialamt wenden, wenn absehbar ist, dass Einkommen und Vermögen den Eigenanteil der Heimkosten nicht decken können, rät Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Viele Angehörige glauben, sie müssten erstmal zahlen, bevor die Sozialhilfeträger einspringen", sagte die Pflegeexpertin. Es komme aber zunächst darauf an, was für ein Einkommen und Vermögen der Heimbewohner hat.

Kosten für Unterkunft und Essen

Neben den Pflegekosten, die meist nur anteilig von der Pflegekasse übernommen werden, fallen im Heim weitere Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen wie Umbauten an. Laut dem kürzlich in Berlin vorgestellten Pflegereport 2013 der Krankenkasse Barmer GEK sind die Eigenanteile zur Finanzierung der stationären Pflege erneut gestiegen. In der Pflegestufe I etwa lag der Eigenanteil, der privat zur Finanzierung der Pflege aufgebracht werden musste, 2009 bei durchschnittlich 1351 Euro. Im Jahr 2011 waren es schon 1380 Euro, bei gleichzeitig erhöhten Leistungen der Krankenkassen.

Wenn das Vermögen des Pflegebedürftigen bis auf einen Schonbetrag aufgebraucht ist und sein regelmäßiges Einkommen - etwa die gesetzliche Rente - nicht ausreicht, prüfe das Amt, ob Sozialhilfe gewährt werden kann, erläuterte Nordmann. Erst dann schaue die Behörde, ob es Angehörige ersten Grades gibt, die unterhaltspflichtig sind und daher zahlen müssten - also Kinder, Eltern oder Ehe- beziehungsweise Lebenspartner. "Für die Höhe des Unterhalts bestehen erhebliche Grenzen", beruhigte die Pflegeexpertin. "Kniffelig wird es aber, wenn Vermögen oder Immobilien vorhanden sind."

Gewährt das Amt Sozialhilfe, genauer gesagt "Hilfe zur Pflege", dann sollte man sich die Berechnungen genau ansehen, empfiehlt Nordmann. Häufig seien Freibeträge nicht korrekt eingerechnet oder Kostensteigerungen nicht berücksichtigt. Am besten lassen sich Verbraucher von einem Fachmann, wie einem Anwalt für Sozialrecht oder bei einem der Sozialverbände, beraten.

Leistungen für ambulante Pflege

Der Barmer-GEK-Report stellt auch fest, dass in der ambulanten Pflege Menschen, die nicht von einem Pflegedienst betreut werden, nur selten zusätzliche Betreuungsleistungen in Anspruch nehmen (sieben Prozent). Höher sei der Anteil bei den Pflegebedürftigen, die durch einen Pflegedienst (mit)versorgt werden (21 Prozent). Nordmann rät, diese Leistungen unbedingt bei der Pflegekasse zu beantragen, wenn bei der Einstufung in eine Pflegestufe eine "erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz" festgestellt wurde. Meist betrifft das Menschen mit einer Demenzerkrankung. Mit dem Bescheid über die Einstufung werde meist über diese Leistungen informiert.

Je nach Schweregrad können die Patienten laut Nordmann bis zu 100 oder 200 Euro monatlich in Anspruch nehmen. Für das Geld können Leistungen wie Tagespflege, Betreuung in einem Demenzcafé oder die stundenweise Betreuung zu Hause eingekauft werden, zum Beispiel um einem pflegenden Angehörigen eine kleine Atempause zu verschaffen. "Durch diese Leistungen kann man sich oft die hohen Eigenanteile bei der ambulanten Pflege ersparen", sagt Nordmann. Bei der Pflegekasse können Interessierte erfahren, welche Angebote in ihrer Region in- frage kommen.