Mit der Radverkehrsanalyse ist Brandenburg weiter ein Pionier bei der Erforschung des Fahrradtourismus in Deutschland. Das 2009 gestartete Projekt wird seit diesem Jahr von den Landkreisen weitergeführt. Auch Spree-Neiße ist dabei – sogar mit besonderem Engagement. Denn hier werden nicht nur Radler per Blitzer gezählt, sondern zusätzliche Daten in einer Befragung erhoben. Nach dem Ende der Tourismussaison liegen nun die Zahlen vor.

Was sich daraus ableiten lässt – und wo die Region noch Schwächen hat –, das wurde jetzt bei einer Tagung der Touristiker und Kommunen im Kreishaus in Forst ausgewertet.

Die gute Nachricht: Rund 95 Prozent der erfassten Radtouristen finden das Angebot an Spree und Neiße gut bis sehr gut. Allerdings: Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Note sehr gut von 30 auf 20 Prozent zurückgegangen. „Das sind aber genau die, die ihrem Nachbarn von den hiesigen Radwegen vorschwärmen und somit neue Gäste anlocken“, erklärt Andrea Tiffe, Koordinatorin der Radverkehrsanalyse in Brandenburg. Sie zieht zwei Schlussfolgerungen: Erstens steigen die Erwartungen der Radtouristen, die zwar immer noch das bekommen, was sie erwarten – aber eben nicht mehr. Und: „Andere Regionen schlafen nicht und verbessern ihre Angebote.“

Das wollen auch die hiesigen Kommunen und Tourismusanbieter. Allerdings fehlt oft das nötige Geld. „Da haben wir unsere leichten Schwierigkeiten“, räumt Landrat Harald Altekrüger (CDU) ein. Zumindest haben die Kommunen nach der Fachtagung im Kreishaus eine Vorstellung, wo Schwachpunkte liegen. Dazu haben elf Mitarbeiter im Projekt der Radlerbefragung einen Katalog der Problemstellen auf den hiesigen Radwegen erstellt. Die gesammelten Daten werden die Kommunen übergeben. „Sowohl die Befragung als auch die Erfassung ist von hoher Qualität“, lobt Michaela Birkner, Sachbearbeiterin für den Tourismus in der Kreisverwaltung, die Arbeit der geförderten Beschäftigten beim Bildungswerk Futura. Zusätzliche Anregungen bekamen die Touristiker der Region von Dirk Wetzel von Tourismusmarketing Brandenburg (TMB). Er stellte die Anforderungen des Radverbandes ADFC für die Zertifizierung von Fernradwegen vor. „Die Kriterien zeigen sehr gut, wie ein gästefreundlicher Radfernweg aussehen soll“, so Wetzel. „Mit sechs Radfernwegen im Kreisgebiet haben wir so viele wie kaum ein anderer Landkreis“, erklärt Michaela Birkner. Drei davon sind bereits zertifiziert, drei sind auf dem Weg dahin. Im Frühjahr soll die Bewertung abgeschlossen werden.

Dass sich eine solche Zertifizierung lohnt, zeigen die landesweiten Erhebungen der Radverkehrsanalyse. Dort kommt der Spreeradweg auf Platz drei, dicht gefolgt vom Oder-Neiße-Radweg. „Aus den ermittelten Zahlen wurde auch erstmals exemplarisch die Wertschöpfung durch den Radtourismus ermittelt, das heißt, es wurde aufgezeigt, was jeder für die Wegeerhaltung eingesetzte Euro nachher an Tourismus-Einnahmen für die einheimischen Unternehmen und damit an Steuereinnahmen für die Kommunen zurückbringt“, erklärt Michaela Birkner. Die Zahlen belegen: Für jeden eingesetzten Euro bekommt die Region das Vier- bis Achtfache zurück, durch Übernachtungen, Gastronomie, Museen und andere Freizeiteinrichtungen, die von den Radtouristen genutzt werden.

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Zum ThemaAusgewertet wurden am Dienstag auch die Daten des Radler-Bonusheftes. Darin konnten die Nutzer Stempel der touristischen Anbieter sammeln und zugleich die beliebtesten Anbieter wählen. 170 Karten mit insgesamt 1040 Stempeln wurden zur Verlosung eingeschickt. Beliebtester Anbieter wurde die Pension „Am Waldrand“ in Burg. Den zweiten Platz belegt das „Haus Irmer“ Kolkwitz, den dritten Platz die Confiserie Felicitas.