Es war die erste Traumhochzeit nach den dunklen Jahren des Krieges: Die heutige Königin Elizabeth II. und Prinz Philip gaben sich vor 60 Jahren in der Westminster Abbey in London das Ja-Wort. Gestern gingen sie vor 2000 geladenen Gästen den gleichen Weg wie einst zum Altar. Zwischen damals und heute liegen 60 Jahre Ehe, die nach den Worten ihres Sohns Prinz Andrew vor allem durch eiserne Disziplin und ständige Kompromisse gekennzeichnet waren. Das Ideal einer lebenslangen Treue, das die Queen und ihr Prinz ihren Kindern vorhielten, war für den Nachwuchs schwer erreichbar: Drei ihrer vier Kinder ließen sich scheiden.
Elizabeth war eine junge Prinzessin, als sie sich in den schneidigen Marineoffizier Philip Mountbatten, Prinz von Griechenland und Dänemark, verliebte. Ihre Hochzeit am 20. November 1947 begeisterte ein Europa, das nach dem Krieg noch Hunger litt. Dass sie schlechte wie gute Zeiten gemeinsam überstanden, war dem königlichen Paar gestern einen Dankgottesdienst wert. Der vermutlich angenehmste Teil der Feierlichkeiten sollte für die 81 Jahre alte Queen heute beginnen: Das Ehepaar will nach Malta fliegen, wo die beiden die ersten Jahre ihrer Ehe verbrachten.
"Malta ist ein besonderer Ort für die Königin und den Herzog von Edinburgh." So hört es sich an, wenn ein Sprecher des Buckingham-Palastes über den Ort der Flitterwochen des Paares spricht. Dass die Queen mit der Mittelmeerinsel, wo sie in einer Villa namens Guardamangia lebte, süße Jugenderinnerungen verbindet, kann kaum verwundern: In den Jahren vor ihrer Thronbesteigung 1952 beschränkten sich ihre Pflichten auf die einer Offiziersgattin.
Um die Jahre nach den schwärmerischen Anfängen zu überstehen, gab es nach Angaben von Prinz Andrew, Elizabeths zweitem Sohn, ein Rezept: "Es geht mit Partnerschaft, Disziplin und einer Verpflichtung dem anderen gegenüber", sagte der 47-Jährige in einem Fernsehinterview. "Dieses Unternehmen hatte als einziges Ziel, ein Leben lang zusammenzubleiben", staunt der Prinz, der selbst von seiner Frau Sarah Ferguson geschieden ist. "Es ist eine Partnerschaft von zwei Menschen, die erkennen, dass die Ehe eine Partnerschaft zwischen zwei Menschen ist - beide Seiten müssen Kompromisse machen, das Leben muss weitergehen und in diesem Leben muss es Disziplin geben, damit die Partnerschaft und die Ehe funktionieren."
Sehr romantisch hört sich das nicht an. Aber für Romantik ist wohl nicht viel Platz in einem königlichen Leben: Auch die Feierlichkeiten gestern waren wieder von Hunderten offizieller Gäste besucht, von Premierminister Gordon Brown über dessen Vorgänger wie John Major und Margaret Thatcher bis hin zu kirchlichen und militärischen Würdenträgern sowie 500 Mitgliedern des königlichen Haushaltes.
Der Kurztrip nach Malta mag da noch die intimste Episode der Feierlichkeiten sein, die sich bereits seit Anfang des Jahres hinziehen. Thronfolger Prinz Charles, auch er schon mit einer zweiten Ehefrau ausgestattet, veranstaltete am Sonntagabend eine Party für seine Eltern. In seinem Londoner Wohnsitz Clarence House empfing er das Ehrenpaar und rund 20 weitere Mitglieder der Königsfamilie.
Normalbürger konnten zwar an den illustren Empfängen nicht teilnehmen, sich aber immerhin von Juli bis September eine Ausstellung über die Hochzeit vor 60 Jahren ansehen. Dort wurde sogar das Hochzeitskleid und einige der 2500 damals überreichten Geschenke ausgestellt. Auch eine Fünf-Pfund-Gedenkmünze wurde geprägt.