Mal der Geburtstag von Friedrich II., König von Preußen. Viele kennen ihn aus Besuchen im Potsdamer Schloss Sanssouci, wo noch eine Flöte von ihm liegt, oder aus den Geschichtsbüchern, in denen von vielen Kriegen die Rede ist.

Eine Randbemerkung des Königs in einer Akte, in der es um einen Streit ging, ob im evangelischen Preußen eine katholische Schule erlaubt sein solle, hat Eingang in unseren Sprachgebrauch gefunden.

Friedrich lehnte es ab, diese Schule nicht zu erlauben mit den Worten:

"Hier muss jeder nach seiner Fasson selig werden."

In einer Zeit, in der um den vermeintlich rechten Glauben ganze Kriege geführt wurden, gab es in Preußen schon länger eine Tradition der Toleranz. Schon der Großvater Friedrichs hatte die evangelisch-reformierten Hugenotten aus Frankreich aufgenommen. Ihnen drohte in ihrer Heimat Gefängnis oder sogar Tod.

Allerdings waren diese Flüchtlinge auch qualifizierte Handwerker, die das arme Land dringend brauchte. Und gleiche Bürgerrechte zum Beispiel für die Juden, gab es für alle deswegen noch lange nicht.

Trotzdem gehört es sicher zu den seltsam verkehrten Dingen im Christentum, dass ein König vor 250 Jahren, der alles andere als ein Kirchgänger war, Christen zur Toleranz ermahnen musste, war doch Jesus gerade auch deswegen am Kreuz gestorben, weil er sagte und lebte, dass kein Mensch sich über andere erheben solle. Keiner soll glauben, er habe die Wahrheit, den rechten Weg zu Gott oder das bessere Leben gepachtet. Als eine Frau beim Ehebruch ertappt wurde und die Menge sie steinigen wollte, sagte Jesus zu den Menschen:

"Wer unter euch ohne Fehler ist, der nehme den ersten Stein."

Worauf die Menge wortlos fortging. Er erzählte die Geschichte eines Menschen, der unter die Räuber gefallen war, und ausgerechnet half ihm ein Samariter, mit dem fromme Menschen damals nichts zu tun haben wollten, weil er nicht dem eigenen Volk und einer anderen Richtung der Religion angehörte.

Seinen Glauben kann heute in unserem Land jeder frei ausüben. Das ist längst nicht überall in der Welt so. Trotzdem ist auch bei uns vieles nicht in Ordnung. Oftmals entscheidet zum Beispiel die soziale Herkunft über die Bildungschancen von Kindern. Jesus hat gesagt, dass jeder Mensch Talente hat, so wertvoll wie Goldstücke, die er nicht vergraben soll - aber die natürlich auch kein anderer vergraben darf.

Solche Menschen braucht Gott, um sein Reich auch schon in dieser Welt erfahrbar zu machen. Jeden Menschen als Ebenbild Gottes zu sehen, der mit Würde und Begabungen ausgestattet ist, heißt im Sinne von Jesus, jeden auch bei uns nach seiner Fasson selig werden zu lassen.

Dr. Stephan Schönfeld,Pfarrer in Schlieben