"Es ist tatsächlich so eingetroffen, wie ich es damals vorhergesagt habe: Eine vernässende Hoyerswerdaer Neustadt sowie feuchte Keller in Senftenberg und Lauchhammer", erzählt Dr. Lothar Winkler. Niedergeschrieben hat er die Thesen in seiner Dissertation, in der es um Fragen des Grundwasseranstiegs im Süden des Lausitzer Braunkohlenreviers geht. Das war bereits im Jahr 1978. Schon damals hatte der Doktorand, der zuvor an der Technischen Universität Dresden ein Bauingenieurstudium mit der Vertiefung Wasserwirtschaft absolvierte, erkannt, welche extremen Folgen die Rückkehr des Wassers haben würde. "Hoyerswerda-Neustadt steht zum Beispiel an einer Stelle, an der nie hätte eine Wohnbebauung errichtet werden dürfen. Denn diese große Neubausiedlung befindet sich inmitten eines feuchten Urstromtales", erklärt Winkler. Als Hoyerswerda-Neustadt ab Mitte der 1950er-Jahre aufgebaut wurde, sei zwar die Lage im Lausitzer Urstromtal bekannt gewesen. Allerdings hätten die Erbauer angenommen, die schon damals großflächigen Grundwasserabsenkungen durch die Tagebaue seien der Normalzustand. Nur 20 Jahre später wären die ersten Wasserschäden aufgetreten. Immerhin hätten die Ingenieure im Zuge von Lothar Winklers Dissertation bereits zu DDR-Zeiten drei Filterbrunnen zur Grundwasserabwehr in der Elsterstadt installiert.Verhängnisvoller Fehler Ähnlich war die Problematik laut Winkler in seinem Geburtsort Grube Marga, der seit 1949 offiziell Brieske-Ost heißt. Auch dort habe man während der Erbauung der Gartenstadt im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts die bereits abgesenkten Grundwasserstände als "normal" angenommen. Ein verhängnisvoller Fehler. "Die Leute haben damals zu tiefe Keller gebaut", sagt Lothar Winkler. In Folge dessen sei eine Vernässung eingetreten. Weitere Schäden durch ansteigendes Grundwasser seien in den 70er-Jahren in Lauchhammer-Süd im Zuge feuchter Keller festgestellt worden."Nach dem Erscheinen meiner Dissertation 1978 bin ich oft belächelt worden. Man warf mir vor, ich hätte den Teufel an die Wand gemalt", erinnert sich der heute 76-jährige Bauingenieur, dessen Vater einst die Brikettfabrik II auf Grube Marga leitete. Dabei hatte der Doktorand entsprechende Gegenmaßnahmen vorgeschlagen, die heute aktueller sind denn je. "Es ging um die Aktivierung und Vertiefung von Vorflutern, beispielsweise dem Totziggraben zwischen Senftenberg und Brieske", so Lothar Winkler.Heute verspüre er eine gewisse Genugtuung, da sich seine Thesen bewahrheitet haben. Allerdings bemängelt Winkler, dass die Behörden zu wenig täten, um die vom Grundwasserwiederanstieg betroffenen Bürger ausreichend zu informieren. Das werde insbesondere von den Bauämtern immer wieder einmal vergessen.Lothar Winkler muss es wissen, war er doch Zeit seines Berufslebens in der Tagebauentwässerung tätig. Der Ingenieur begleitete und gestaltete die bergbaubedingten Grundwasserabsenkungen aktiv mit, beispielsweise in Welzow-Süd, Meuro, Cottbus-Nord und Jänschwalde. Dadurch eignete er sich eine immense Ortskenntis an, die sich auch in seinen heimatkundlichen Publikationen niederschlägt. Fünf Broschüren hat Lothar Winkler bislang herausgebracht, beispielsweise "Vom Skyroteich zum Senftenberger See", "Die Peickwitzer Teiche" und "Sedlitz - Geschichte und Geschichten".GesamtwerkSeit Jahren schwebt dem heute in Peickwitz lebenden Bauingenieur ein Gesamtwerk über die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse in der Lausitz vor. Eigenen Angaben zufolge hat Lothar Winkler bereits mit den Arbeiten daran begonnen. "Aber es ist wahrscheinlich zu umfangreich", schätzt er ein.Schließlich müsse sich der bekennende Hobbygärtner auch um seinen Peickwitzer Garten kümmern. "Da gibt es bald wieder viel zu tun. Nicht zuletzt wartet auch Winklers Frau Annerose, die aus Kroppen stammt. "Sie leitet seit über 40 Jahren den gemischten Chor Kroppen, deren Klänge ich sehr schätze", so Winkler.