Berlin. Schniefen, Krächzen, Husten allerorten. Im Winter haben Erkältung und Grippe Hochsaison. Oft werden dadurch lang gehegte Pläne von Familienzusammenkünften gerade zu den Feiertagen infrage gestellt. 300 rezeptfreie Präparate hat Stiftung Warentest geprüft, um herauszufinden, welche wirklich die Symptome lindern. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse.

Kombipräparate nicht sinnvoll. Viele Geplagte greifen zu Kombipräparaten wie Wick MediNait, Wick DayMed, Grippostad C oder Aspirin Complex. Die helfen jedoch längst nicht so gut, wie sich Kranke das wünschen, resümiert die Stiftung Warentest.

Laut Werbung sollen Kombipräparate mehrere Beschwerden auf einmal dämpfen. Dieses "Gießkannenprinzip" ist nicht sinnvoll. Zudem enthalten manche Mittel Wirkstoffe in zu niedriger Dosis, mit fraglichem Nutzen oder unverhältnismäßig schweren Nebenwirkungen.

Gezielt mit Einzelwirkstoffen behandeln. Schonender und zielgenauer lassen sich die einzelnen Beschwerden mit Einstoffpräparaten behandeln. Folgende Wirkstoffe werden in der Zeitschrift "test" 12/12 am besten bewertet:

Bei Schmerzen und Fieber: Geeignet sind Präparate mit den Wirkstoffen Ibuprofen und Parazetamol - auch bei Kindern, Schwangeren (Ibuprofen nicht im letzten Drittel) und Stillenden. Sie sollten nur zurückhaltend, kurz und gemäß Anleitung zum Einsatz kommen. Sonst drohen Nebenwirkungen. Fieber sollte erst ab 38,5 Grad (rektal gemessen) gesenkt werden. Es hilft bei der Erregerabwehr.

Bei Schnupfen: Die Wirkstoffe Xylometazolin und Oxymetazolin lassen die Nasenschleimhaut abschwellen und weniger Sekret absondern. Salzlösung und Dexpanthenol befeuchten sie. Die Anwendung ist sanft für Säuglinge, Schwangere und Stillende, doch auf sieben Tage zu begrenzen. Alle vier sind als Sprays und Tropfen verfügbar. Anwender sollten das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid vermeiden.

Bei Husten: Präparate mit dem Wirkstoff Dextrometorphan sind bei trockenem Reizhusten geeignet. Mittel mit Azetylzystein und Ambroxol sollen bei "produktivem Husten", also mit Schleimbildung, das Abhusten erleichtern. Die Wirksamkeit sollte aber noch besser belegt werden. Daher sind beide Substanzen nur mit Einschränkung geeignet.

Bei Halsschmerzen: Lutschtabletten mit Ambroxol oder Lidokain sollen lindern, sind aber nur mit Einschränkung geeignet. Die Wirksamkeit sollte auch bei diesen Wirkstoffen besser belegt werden, bekundet die Stiftung.

Wichtig: Die positiv bewerteten Medikamente lindern zwar die Symptome, verkürzen aber die Krankheit nicht.

Pflanzliche Arzneimittel. Mit Einschränkung bewertet Stiftung Warentest pflanzliche Hustentees und -extrakte mit Eibisch, Isländisch Moos, Spitzwegerich, Süßholz oder Thymian, außerdem Präparate mit Echinacea (Sonnenhut). Mit Letzterem solle unter anderem das Immunsystem angeregt werden, was aber nicht zweifelsfrei belegt werden könne. Sinnvoll erscheine deshalb nur die Einnahme bei allerersten Erkältungssymptomen. Auch für Umckaloabo sollte die Wirksamkeit des Bestandteils - ein Wurzelextrakt einer südafrikanischen Geranienart - besser bewiesen werden. Das gelte auch für die Einnahme bei akuter Bronchitits mit Hauptsymptom Husten, wofür das Mittel laut "test" offiziell zugelassen ist.

Unterstützende Maßnahmen. Was vielen Patienten außerdem gut tut ist möglichst viel Ruhe. Außerdem Wärme, zum Beispiel Bäder mit ätherischen Ölen, und viel trinken, etwa Erkältungstee. Dadurch wird der Schleim in den Atemwegen verflüssigt und der Speichel vermehrt. Dieser enthalte Abwehrstoffe gegen Viren, schreibt das "test"-Magazin.

Erkältung oder Grippe? Husten, Schnupfen und Halsweh nerven in beiden Fällen. Doch es gibt Unterschiede, wie Stiftung Warentest aufzeigt: So würden sich Erkältungserreger, etwa 200 verschiedene Viren, eher gemächlich in den Atemwegen voranarbeiten. Daher kämen Halsweh, Schnupfen und Husten oft nacheinander - mitunter auch Fieber.

Grippeerreger, also Influenzaviren, agierten viel heftiger. Wer infiziert ist, bekomme oft auf einen Schlag alles ab - inklusive hohem Fieber über 39 Grad sowie heftige Kopf- und Gliederschmerzen. All das gehe einher mit starker Erschöpfung. Das könne insbesondere bei älteren und vorerkrankten Menschen Komplikationen mit sich bringen.

Ausführlich in "test" 12/12 und unter www.test.de

Zum Thema:
Patienten mit schlechtem Allgemeinbefinden gehören zum Arzt. Das gilt auch für all jene mit Fieber ab 39 Grad, das trotz Linderungsmaßnahmen länger als zwei Tage anhält, oder mit Erkältungsbeschwerden, die länger als sieben Tage dauern. Weitere Gründe sind bellender Husten, Kurzatmigkeit und wenn Kinder nicht genug trinken. Stellt der Mediziner eine "bakterielle Superinfektion" fest, könnten Antibiotika nötig werden - aber nur dann - stellt Stiftung Warentest klar: "Sie helfen nicht gegen Erkältungs- und Grippeviren." Medikamente gegen Erkältungsviren gibt es nach Angaben der Zeitschrift nicht. red/gzn