Der Anblick der leeren Parklücke lässt den Fahrzeughalter am eigenen Verstand zweifeln. Ganz sicher hatte er sein Auto am Vorabend dort abgestellt. Nun ist es weg - gestohlen? Jetzt heißt es: das Problem Schritt für Schritt mit kühlem Kopf lösen.

Abgeschleppt oder gestohlen? "Vermisst jemand sein Auto, sollte er sofort die Polizei anrufen", rät Hajo Köster vom Bund der Versicherten (BdV). Dort erfahren Betroffene, ob ihr Wagen womöglich doch nur umgesetzt oder abgeschleppt wurde.

Strafanzeige bei der Polizei. Bestätigt sich der Diebstahl, führt der erste Weg zur nächsten Polizeidienststelle, um Strafanzeige zu stellen. "Dabei müssen alle Fragen unbedingt wahrheitsgemäß beantwortet werden", betont der BdV-Justiziar. Wer aus Versehen oder vorsätzlich falsche Angaben etwa zu Kilometerstand, besonderer Fahrzeugausstattung oder Anzahl der Autoschlüssel macht, kann Probleme bekommen, wenn er den Diebstahlschaden über seine Kfz-Kaskoversicherung abwickeln will.

"Der Kfz-Versicherer verlangt später bei der Schadensmeldung ebenfalls detaillierte Angaben. Widersprüche zur Strafanzeige könnten ihn an einem echten Diebstahl zweifeln lassen", sagt Hajo Köster. Die schlimmste Konsequenz: Der Betroffene bekommt keine Entschädigung und handelt sich obendrein sogar noch eine Strafanzeige wegen versuchten Versicherungsbetrugs ein.

Gestohlenen Wagen bei Zulassungsstelle stilllegen. Im nächsten Schritt sollte das gestohlene Auto bei der zuständigen Kfz-Zulassungsstelle stillgelegt werden. Den Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) behält die Behörde ein. Ist der Wagen geleast oder finanziert, sind auch der Leasinggeber oder die finanzierende Bank über den Verlust zu informieren.

Kfz-Versicherer informieren und Dokumente abgeben. Zuletzt müssen sich bestohlene Autobesitzer an ihren Kfz-Versicherer wenden. "Der Versicherer verlangt den Kfz-Brief, das polizeiliche Diebstahlprotokoll, alle vorhandenen Fahrzeugschlüssel und die Abmeldebestätigung", sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Von den Dokumenten sollten sich Betroffene vorher Kopien machen.

Wofür es Schadenersatz gibt. Nur fest angebaute Fahrzeugteile sind nach Angaben der GDV über die Kfz-Kaskopolice mitversichert - also zum Beispiel keine mobilen Navigationsgeräte, CDs oder Smartphones, die im Wagen lagen, als die Diebe zuschlugen. Ein Fünkchen Hoffnung auf Entschädigung besteht dennoch: "Für einzelne Dinge könnte eine Hausratspolice aufkommen. Wer eine hat, sollte sich danach erkundigen", rät Versicherungsexperte Köster.

Sachverständiger legt Wiederbeschaffungswert fest. Für ein gestohlenes Fahrzeug erstatten Kfz-Versicherer in der Regel den Wiederbeschaffungswert, den ein Sachverständiger festlegt. Für diesen Betrag sollte ein vergleichbar ausgestatteter Gebrauchter gleichen Jahrgangs mit ähnlicher Laufleistung zu bekommen sein. Bei sehr jungen Autos gibt es unter Umständen den vollen Kaufpreis zurück. "Für welchen Zeitraum nach dem Autokauf die Neuwagenentschädigung bezahlt wird, ist in jedem Versicherungsvertrag individuell geregelt", erklärt Hajo Köster.

Erstattung des Schadens meist innerhalb von sechs Wochen. Bis Geld auf dem Konto des Bestohlenen eintrifft, dauert es meist eine Weile. "Die Versicherung sollte nach Eingang der Schadensmeldung den Fall innerhalb eines Monats prüfen und den Schaden dann in einem Zeitraum von 14 Tagen erstatten", erläutert Katrin Rüter de Escobar das gängige Prozedere.

Wenn der Wagen wieder auftaucht. Taucht der Wagen innerhalb eines Monats wieder auf, muss ihn der Besitzer zurücknehmen. Für Schäden, die Diebe am oder mit dem Fahrzeug verursacht haben, tritt die Kasko- beziehungsweise Kfz-Haftpflichtversicherung ein. An der Rabatteinstufung des Kunden ändert sich dadurch nichts. Kosten für einen Leihwagen oder den Nutzungsausfall werden durch die Kaskoversicherung nicht erstattet - aber womöglich durch einen zusätzlich abgeschlossenen Schutzbrief.

Finderlohn meist nicht mitversichert. Auch wenn Autofahrer ihr Fahrzeug gut versichert haben, kann sie ein Kfz-Diebstahl ziemlich teuer zu stehen kommen. "Finderlohn ist normalerweise nicht mitversichert", erklärt Köster für den Fall, dass ein Wagen innerhalb eines Monats wieder auftaucht und der Finder einfordert, was ihm zusteht. Gesetzlich festgelegt sind fünf Prozent von einem Sachwert bis 500 Euro - was darüber hinausgeht, wird zusätzlich mit drei Prozent angerechnet. "Auf einen Ferrari-Besitzer kann da einiges zukommen."