Wenige Tage vor dem Urteil im neuen Prozess gegen Amanda Knox und ihren Ex-Freund hat der Staatsanwalt im Falle eines Schuldspruchs Vorsichtsmaßnahmen gegen die Angeklagten gefordert. Mit einem Ausreiseverbot oder Haft solle sichergestellt werden, dass das Urteil auch angewendet werden könne. "Über die Form entscheidet das Gericht", sagte Staatsanwalt Alessandro Crini laut Nachrichtenagentur Ansa in einer Verhandlungspause vor dem Berufungsgericht in Florenz am Montag. Der US-Amerikanerin Knox (26) und ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito (29) wird vorgeworfen, die Britin Meredith Kercher ermordet zu haben. Sie sind seit ihrem Freispruch 2011 auf freiem Fuß.

Knox befindet sich seitdem in ihrer Heimat USA und hat mehrmals betont, nicht nach Italien zurückkehren zu wollen. Ob Italien nach einer Verurteilung einen Auslieferungsantrag stellt und die USA diesem folgen würden, ist ungewiss. Zunächst müsste das Urteil, das das Gericht in Florenz am 30. Januar sprechen will, ohnehin von Italiens höchstem Gericht bestätigt werden, falls eine der beiden Seiten Berufung einlegt. Erst dann ist es rechtskräftig.

Knox und Sollecito wird zur Last gelegt, die britische Studentin Meredith Kercher im November 2007 in ihrem WG-Zimmer in Perugia brutal ermordet zu haben. Sie müssen sich nach einer Verurteilung in erster und einem Freispruch in zweiter Instanz seit September zum dritten Mal für das Verbrechen vor Gericht verantworten.

Am letzten Verhandlungstag vor dem Urteil betonte die Verteidigung erneut die Unschuld der Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft hat für Knox eine Haftstrafe von 30 Jahren und für Sollecito von 26 Jahren gefordert.

Während Knox den Prozess aus der Ferne verfolgt, nahm Sollecito an einigen Verhandlungstagen teil.