Krach gibt es in den besten Familien. Erst recht, wenn es um Geld oder missliebige Schwiegerkinder geht. So manche Eltern überlegen dann, wie sie den Partner ihres Kindes bei der Verteilung des eigenen Vermögens umgehen können. Nach dem Motto: Wenn wir mal sterben, soll der oder die aber nix davon haben. Haben sie im Grunde sowieso nicht. Einige Fakten sollten in diesem Zusammenhang Beachtung finden.

Schwiegerkinder sind nicht direkt erbberechtigt. Anders als Ehepartner, eingetragene Lebenspartner und Abkömmlinge, also Kinder oder Enkel - sind Schwiegerkinder laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) nicht erbberechtigt. Sie gehen also beim Tod von Schwiegervater oder -mutter leer aus.

Indirektes Erbe mittels Testament verhindern. Dennoch können sie indirekt profitieren. Sobald ihr eigener Partner die Eltern beerbt und dann das Zeitliche segnet, wird das hinterbliebene Schwiegerkind gesetzlicher Erbe. Das der Tochter zugedachte Häuschen landet auf diesem Umweg beim ungeliebten Schwiegersohn. Dem lassen sich aber Riegel vorschieben.

In der Praxis kommt das oft vor. "Blutsbande sind sehr eng", begründet Andreas Frieser, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) den Wunsch von Eltern, die Gefahr zu bannen. Das wichtigste Instrument ist das Testament. "Wer keines macht, muss sich klar werden, dass die gesetzliche Erbfolge gilt", sagt der Jurist. "Wer eines erstellt, sollte sich Gedanken machen, was beim Tod des eigenen Kindes passiert."

Gängigster Weg: Vor- und Nacherben festsetzen. Wer das Schwiegerkind außen vor lassen möchte, kann eine Vor- und Nacherbschaft anordnen. Das ist der gängigste Weg. Eltern bestimmen ihr Kind zum Vorerben, als Nacherben werden zum Beispiel die Enkel eingesetzt. Die Folge: "Das eigene Kind darf nicht ohne Weiteres über das Vermögen verfügen, selbst zu Lebzeiten nicht", erläutert Andreas Frieser. Der Besitz bleibt zusammen, das Kind profitiert zwar davon, kann aber nichts weitervererben. Der Effekt: Der Ehepartner bekommt nichts.

Verfügungsbeschränkungen erlassen. In Fällen, in denen Eltern ihrem Kind wenig vertrauen, favorisiert Andreas Frieser Verfügungsbeschränkungen. Zum Beispiel, weil es Drogenprobleme hat, schlecht mit Geld umgeht oder stark vom Partner beeinflusst wird. Die Erblasser können Beschränkungen nach ihrem Willen enger oder weiter fassen. Der Bonner Anwalt vergleicht die Gestaltung mit einer Käseglocke: ganz dicht machen oder leicht anheben. Die Bedachten empfinden das oft als Ärgernis; viele reagierten mit Heulen und Zähneklappern.

Testamentsvollstrecker einsetzen. Mit dem Einsetzen eines Testamentsvollstreckers schränken Eltern ebenfalls den Handlungsspielraum ihres erbenden Kindes ein. "Es kommt an die Erträge, aber nicht ans Kapital, selbst wenn es unbedingt will", erläutert Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht (DFE) in München.

Das Einsetzen eines Testamentsvollstreckers hat auch eine Schutzfunktion, wenn Eltern befürchten, ihr Kind werde vom Partner unter Druck gesetzt, etwa, das Vermögen auf den Kopf zu hauen. Mithilfe des Testamentsvollstreckers unterbinden Eltern zum Beispiel, dass ihre Tochter das Geld von Papa und Mama in die kurz vor der Pleite stehende Firma des Ehemanns investiert. Die Arbeit eines Testamentsvollstreckers ist aber kostenpflichtig.

Vermögensanordnung oder Vermögenspfleger. Eine Vermögenssorge kommt zum Tragen, wenn Großeltern minderjährige Enkel vorab bedenken, um Erbschaftssteuer zu sparen. Üblicherweise verwalten dann die Eltern - Kind und Schwiegerkind - das Vermögen. "Das Schwiegerkind kann jedoch per Vermögensanordnung ausgeschlossen werden", erläutert Anton Steiner. Besteht die Angst, Sohn oder Tochter könnten sich zu Hause nicht durchsetzen, können sie ebenfalls ausgeschlossen werden. Die Alternative ist ein vom Gericht bestellter oder von den Großeltern benannter Vermögenspfleger. Konsequenz: Die entmachteten Eltern "haben keinen Zugriff und keine Chance, sich juristisch zu wehren". In diesem Fall bestimmt allein der Schenkende die Konditionen.

Wenn das Schwiegerkind bedacht werden soll. Manchmal ist das Verhältnis zum angeheirateten Sohn oder der Tochter jedoch so gut, dass sie im Testament ausdrücklich berücksichtigt werden. Dies kann aus steuerlichen Gründen sinnvoll sein. Schwiegerkindern steht ein Freibetrag von 20 000 Euro zu. Weniger zwar als die dem Kind zustehenden 400 000 Euro. Trotzdem sagt Rechtsanwalt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV): "Lieber nutzen als Steuern zahlen."

Vermächtnis erlassen. Eine andere Form der Teilhabe ist das Vermächtnis. Darüber können Eltern die Ehepartner ihrer Kinder mit allem Möglichen bedenken. Der eigentliche Erbe muss den Gegenstand aus dem Nachlass herausgeben. Das Vermächtnis tut Schwiegerkindern Gutes. Es verhindert laut Bittler aber, dass sie Teil der Erbengemeinschaft werden und beim klassischen Erbe mitreden.

Zum Thema:
Finn Zwißler, Sascha Petzold: Das aktuelle Handbuch Testament. Den letzten Willen selbst verfassen - ohne Rechtsanwalt, ohne Notar. Regensburg 2012, Walhalla-Verlag, 17,90 Euro, ISBN 978-3-8029-3461-2;Ludger Bornewasser, Bernhard F. Klinger: Vorsorge, Testament und Erbfall professionell und rechtssicher gestalten. München 2011, C.H. Beck, 24,90 Euro, ISBN 978-3-406-62446-9.