Sie sind nicht verrückt. Und sie bilden sich ihren Schmerz nicht ein. Menschen mit dem Fibromyalgiesyndrom (FMS) sind zwar organisch gesund. Das ändert aber nichts daran, dass ihr Körper an verschiedenen Stellen schmerzt: am Rücken, den Armen und Beinen, am Bauch. Die Weltgesundheitsorganisation führt das FMS als Krankheit auf. Heilen lässt es sich nicht. Die Betroffenen können aber einiges tun, um besser mit den Schmerzen klar zu kommen. Bewegung spielt dabei eine zentrale Rolle.

Besonders betroffen: Frauen im mittleren Alter. In den westlichen Industrieländern leiden rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung an dem FMS. Meistens trifft es Frauen im mittleren Alter, heißt es in der kürzlich aktualisierten Leitlinie zum Fibromyalgiesyndrom, die Ärzten Behandlungsempfehlungen gibt. "Manche Betroffene hatten schon als Kinder häufiger Schmerzen", sagt Winfried Häuser von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie.

Schleichender Verlauf. Häufig schmerzt am Anfang nur ein Körperteil. Erst nach und nach breitet sich der Schmerz über den weiteren Körper aus. Der schleichende Verlauf ist ein Grund dafür, dass das FMS häufig erst nach Jahren diagnostiziert wird. "Bei vielen Betroffenen schmerzt am Anfang das untere Kreuzbein. Dann gibt der Arzt eine Spritze, und das hilft erstmal", erzählt Margit Settan, Vorsitzende der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung in Seckach (Baden-Württemberg). "Irgendwann werden die Schmerzabstände geringer, die Spritze hilft nicht mehr, der Schmerz tritt an mehr Körperstellen auf."

Für Diagnose ist auch seelischer Zustand wichtig. Damit die richtige Diagnose schnell gefunden wird, müssen sich Patienten öffnen. "Beim Fibromyalgiesyndrom ist es wichtig, dass der Patient beim Arzt alle Beschwerden schildert", erklärt Häuser, der am Klinikum Saarbrücken arbeitet. Dazu gehören neben den Schmerzen auch Schlafstörungen, Erschöpfung oder seelische Beschwerden wie Unruhe und Niedergeschlagenheit.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte den Arzt darauf hinweisen. Die diffusen Schmerzen können eine Nebenwirkung bestimmter Arzneien sein, etwa der weit verbreiteten Cholesterinsenker, sagt Bernhard Arnold von der Deutschen Schmerzgesellschaft in Berlin. Über eine Laboruntersuchung des Blutes lässt sich klären, ob der Schmerz körperliche Ursachen hat. Das FMS lässt sich durch solche Untersuchungen nicht nachweisen.

Grundsätzlich regelmäßige Bewegung empfohlen. Menschen mit einer leichten Form des FMS empfiehlt die Leitlinie regelmäßige Bewegung. "Es ist egal, ob die Patienten Samba tanzen, an Fitnessgeräten trainieren oder walken. Wichtig ist, dass sie Spaß dabei haben", sagt Arnold, der an der Schmerztagesklinik am Klinikum Dachau tätig ist. Nur so bleiben sie regelmäßig dabei. Um einen Trainingseffekt zu haben, sollten sich die Betroffenen dauerhaft zwei- bis dreimal pro Woche bewegen.

Bei schweren Formen des FMS rät die Leitlinie ebenfalls zu leichtem Ausdauer-, Funktions- oder Krafttraining und Sportarten wie Tai Chi oder Yoga. Empfehlenswert sei auch eine Kombination aus Entspannungstherapie, Ausdauertraining und Verhaltenstherapie. Denn oft hängen körperliche und seelische Probleme zusammen. Medikamente werden inzwischen kritischer gesehen. Sie sollen nur zeitlich befristet eingenommen werden.

Margit Settan rät Patienten, sich regelmäßig mit anderen Betroffenen auszutauschen. "Wir haben Schmerzen, aber es sieht uns keiner an. In einer Gruppe bekommt man viele Informationen." Und man werde akzeptiert, ohne viel erklären zu müssen.

Zum Thema:
Selbsthilfegruppen: "Es hilft, wenn Betroffene mit ihren Problemen nicht allein bleiben. Regionale Selbsthilfegruppen für Fibromyalgie bieten dafür eine gute Möglichkeit", weiß Angelika Koal, Mitarbeiterin der Regionalen Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Rekis) in Cottbus. Kontakte: Rekis Cottbus, Tel. 0355 543205; Rekis Dahme-Spreewald (Königs Wusterhausen, Lübben) Tel. 03375 523738 oder 523739;Rekosi Lauchhammer, Tel. 03574 464164. Angelika Koal bittet ausdrücklich, auch die Anrufbeantworter zu nutzen. "Es wird zurückgerufen."Im Service-Teil der Lausitzer Rundschau werden aktuelle Treffen der Selbsthilfegruppen regelmäßig vermeldet.Ein Vortrag zur ganzheitlichen Behandlung des Fibromyalgiesyndroms findet am 11. Juni in Cottbus statt. Thema: Selbstheilungskräfte aktivieren. Dozent ist Dr. Oliver Ploss. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr in der Lila Villa (Thiemstraße) am Cottbuser Krankenhaus. Sie findet in Kooperation mit der Barmer Ersatzkasse statt und ist nach Angaben der Veranstalter offen für alle Betroffenen und Interessierten. gzn