Pünktlich um 10 Uhr schließt Sabine Klauke-Fritschka, zuständig für die Verbraucherzentralen in Cottbus, Finsterwalde, Senftenberg und Königs-Wusterhausen, die Eingangstür zur Cottbuser Niederlassung auf. Zwei Männer und eine Frau warten. Nach einem kurzen Gespräch ist klar, dass die Dame mit ihren Fragen zu den Friedhofsgebühren hier falsch ist. "Tut mir leid, das ist öffentliches Recht, das gehört nicht zu unserem Beratungsangebot", sagt Klauke-Fritschka.

In welchen Fällen die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale so genannten Dritten Rat erteilen dürfen, ist im Rechtsdienstleistungsgesetz geregelt. Das 2008 in Kraft getretene Gesetz löst das Rechtsberatungsgesetz aus dem Jahr 1935 ab und soll Unkundige vor unqualifizierter Rechtsberatung schützen. "Wir beraten ausschließlich Verbraucher, die Sachen oder Leistungen für ihren privaten Gebrauch von gewerblichen Anbietern erwerben", erklärt Klauke Fritschka. Dazu gehören beispielsweise die Reklamation des neu gekauften Fernsehers oder Autos beim Fachhändler, der Wechsel des Telefon-, Strom- oder Gasanbieters sowie der Check von Versicherungsverträgen.

Wer allerdings Ärger mit der Stadtverwaltung, Kommune, Gemeinde oder anderen Ämtern hat, muss sich einen Rechtsanwalt suchen. Das gilt ebenso bei Fragen des Arbeitsrechtes, bei Nachbarschafts-, Erb- und Unterhaltsstreitigkeiten sowie im Privat- und Sozialrecht, einschließlich Hartz-IV-Problematik. "Auch im Fall der Altschließergebühren mussten wir Betroffene wegschicken", sagt die Verbraucherschützerin. Es werde aber auf zuständige Stellen - bei den strittigen Kanalbeiträgen ist das unter anderem der Verein Haus & Grund - sowie auf die Möglichkeit zu Beratungs- und Prozesskostenhilfe hingewiesen.

Als ein "ganz klassisches Beratungsbeispiel" bezeichnet die Niederlassungsleiterin den Fall einer Neu-Schmellwitzerin. Sie hatte einen Routenplaner im Internet gesucht und bekam anschließend eine Rechnung über einen angeblich abgeschlossenen Zwölf-Monats-Vertrag. "Wir hatten aber gar nichts dergleichen angeklickt", betont ihr Mann. Deshalb habe man auch nicht gezahlt. Doch nun droht ein Inkassounternehmen mit einem negativen Schufa-Eintrag, sollte die ausstehende Forderung nicht beglichen werden. "Das ist eine typische Einschüchterungsmethode", empört sich Klauke-Fritschka. Sie druckt einen in ihrem Rechner gespeicherten Standard-Widerspruch aus und legt den Betroffenen ans Herz "auf gar keinen Fall zu bezahlen", selbst wenn noch mehr Briefe folgen sollten.

Am Schreibtisch nebenan blättert Verbraucherschützerin Hannah Kneißl, die sich auf Streitfragen im Bereich der Telekommunikation spezialisiert hat, in einem gut gefüllten Ordner. Dem vor ihr sitzenden Neuhausener wurde telefonisch ein neuer Handyvertrag angeboten. "Ich habe aber fristgerecht Widerspruch eingereicht und bekomme trotzdem Rechnungen", moniert er. Für die Juristin ist nach Prüfung der Unterlagen klar: "Der Widerspruch ist zwar fristgerecht erfolgt, aber an die falsche Adresse." In der Widerrufsbelehrung stehe eine andere Anschrift als auf dem Briefkopfbogen, erläutert sie. Das sei leicht zu übersehen.

Nur rund ein Zehntel der tatsächlichen Kosten müssen die Verbraucher für die Rechtsauskünfte zahlen. Finanziell unterstützt wird die Cottbuser Beratungsstelle hauptsächlich vom Land Brandenburg, aber auch von der Stadt Cottbus. Eine einfache Auskunft - beispielsweise zum Energiesparen oder zur Ernährung - schlägt mit fünf Euro zu Buche. Für die Erstberatung im Bereich Mietrecht, die der Mieterbund Cottbus-Guben abdeckt, werden 15 Euro fällig, bei der Pflegeberatung sind es 20 Euro, bei einer Rechtsvertretung 35 Euro. Eine Energieberatung direkt zu Hause kostet 45 Euro. Die 60-minütige Spezialberatung zur Altersvorsorge und Geldanlage beziehungsweise der Versicherungscheck sind für 20 bis 50 Euro zu haben.

Mittlerweile beantworten die Verbraucherschützer Anfragen auch per E-Mail oder telefonisch. "Durchschnittlich drei Minuten dauert so eine Telefonberatung", sagt Diana Marwitz, die neben ihrer Tätigkeit als Ernährungsberaterin auch am Hörer Termine vermittelt oder den direkten Kontakt über eine 0900-Rufnummer herstellt. "Das kostet zwar einen Euro pro Minute aus dem Festnetz, ist aber letztlich meist sogar preiswerter als eine Vor-Ort-Beratung", betont sie. Gerade hatte sie eine Anfrage in der Leitung, ob der Handwerker auf seiner Rechnung den Kostenvoranschlag mit 15 Euro extra berechnen darf. Kurze Antwort: "Nur wenn es vorher vereinbart wurde, ansonsten sind Kostenvoranschläge kostenlos", sagt Klauke-Fritschka.

Wesentlich länger - nämlich gut eine Stunde - dauert die Urheberrechtsberatung, ein für die Verbraucherschützer neues Terrain mit hohem Nachfragepotenzial. "Experten gehen davon aus, dass es im vergangenen Jahr bundesweit mehrere Millionen, vermutlich mehr als fünf Millionen, Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen im Internet gab", sagt Wolfgang Baumgarten. Zur Rechenschaft gezogen werden immer die Anschlussinhaber der Internetleitung, über die sich jemand an Tauschbörsen beteiligt hat. Bei diesen Netzwerken wird ein Teil der Festplatte für die weltweite Nutzung und den Abruf von Daten freigegeben. So kann auch urheberrechtlich geschütztes Material wie Musikvideos illegal weiterverbreitet werden. "Die Tauschbörsen werden aber von darauf spezialisierten Unternehmen überwacht", warnt der Verbraucherschützer. Bei Verstößen gegen das Urheberrecht gibt es nicht nur eine Aufforderung zur Unterlassung, sondern auch zur Zahlung einer Abmahnsumme in Höhe von mehreren Hundert Euro.

Den Großteil der 3500 Einzelberatungen, 4000 erteilten Kurzinfos sowie Gruppenberatungen mit bis zu 1500 erreichten Personen betrafen den Bereich Telekommunikation mit 38 Prozent. "Aktuell gibt es viel Ärger mit Telefonanschlüssen, die auf Handy-netzen basieren und je nach Wohnlage sehr störanfällig sind" , erzählt Hannah Kneißl. Es folgen die Beratungsthemen Markt und Recht mit 36 Prozent, Bauen, Energie, Umwelt mit 14 Prozent und Finanzen, Versicherungen mit neun Prozent.

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ÖffnungszeitenDie Verbraucherzentrale Cottbus, Am Turm 14, hat montags von 10 bis 13 Uhr, dienstags von 14 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr und freitags nur nach Vereinbarung geöffnet. Terminvereinbarungen sind auch bei Beratungen zu Finanzdienstleistungen, Energiesparen, Wohneigentum, Mietrecht, Urheberrecht und Pflege nötig und unter Telefon 01805/004049 möglich.