Lindenau. Die Pulsnitz kommt bei Lindenau jetzt auf Wandertemperatur. Ab zehn Grad Celsius startet im Frühjahr die Abwanderung der im Fluss-Süßwasser aufgewachsenen Junglachse in Richtung Meer. Dort fressen sich die Fische den Winterspeck an, um dann zum Laichen an den Heimatort zurückzukehren. Doch nach dem vielversprechenden Start der Wiederansiedlung des Lachses, der in der Pulsnitz vor 100 Jahren sehr zahlreich heimisch war, ist den Experten des Landesanglerverbandes in Südbrandenburg seit drei Jahren kein einziger Rückkehrer mehr ins Netz gegangen. Der Ursache wird nun auf den Grund gegangen. Mit der Falle aus Dänemark.

Nicole Hannemann (29) und Robert Frenzel (47), wissenschaftlich-technische Mitarbeiter des Instituts für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow, haben aus einer Lachsaufzuchtanlage am Rhein dafür über 600 Kilometer eine wertvolle Fracht nach Lindenau gebracht: 505 Smolts. Diese etwa zehn Zentimeter langen Junglachse haben das Farbkleid der Kinderstube naturgemäß schon ab- und die silbrigen Schuppen angelegt, die sie im Meer tarnen. Die wanderfreudigen Fische lässt Ulrich Thiel, Mitarbeiter für Gewässerwirtschaft des Landesanglerverbandes, unterhalb des Lindenauer Gabelwehrs in den Fluss. Von dort schwimmen die Flossentiere mit der Strömung auf die Schraubenfalle zu. Ralf Stephan, der hiesige Kreisgewässerwart, prüft den Fang darin täglich und schenkt den Junglachsen danach die Freiheit, damit sie sich in Richtung der Schwarzen Elster und Elbe gen Meer bewegen. "Mit diesem Smolt-Monitoring ergründen wir, ob die Jungfische sich überhaupt auf den Weg machen - und wenn sie dies tun, wie viele es sind", erklärt der Biologe Ulrich Thiel. Ein Prozent von wieder angesiedelten Lachsen finde ins Heimatgewässer zurück, von 3000 Fischen also 30. Die Chance, beim Kontrollfischen nach Rückkehrern in der Pulsnitz Glück zu haben, ist damit deutlich geringer als bei Wildlachsen in angestammten Flüssen. Deren Heimfindevermögen ist stabiler als das der ins Süßwasser eingesetzten Neu-Lachse. Drei bis fünf Prozent der echten Wildfische kehren sicher in den Geburtsfluss zurück.

In der Pulsnitz werden die durch den Fettflossenschnitt gekennzeichneten Abwanderer jetzt gezählt. Das lässt dann auf die mögliche Zahl der Rückkehrer schließen - und für den Herbst konkret hoffen. Dass der Weg zurück für die Fische zu schaffen ist, wurde im vergangenen Jahr nicht zuletzt mit einer Meeresforelle nachgewiesen. Das Wanderverhalten dieser Art ist dem der Lachse gleich.

Ralf Stephan findet in der Schraubenfalle vor den nun erwarteten Smolts drei seltene Exemplare des ebenfalls anadrom lebenden Flussneunauges, das im Süßwasser laicht und im Meer frisst. Das kieferlose Rundmaul ist ein Indikator für eine gute Fischdurchlässigkeit von Elster und Pulsnitz. Denn das Neunauge ist weniger kraftvoll unterwegs als die Lachse, deren Wanderverhalten hier überprüft wird.

Zum Thema:
Im Jahr 2004 ist der erste Lachsbesatz in die Pulsnitz bei Lindenau eingesetzt worden. Drei Jahre später wurde der erste Rückkehrer bei Kotschka (Elbe-Elster) nachgewiesen. Im Jahr 2008 wurden bei Lindenau drei zurückgekehrte Lachse abgefischt. Bis einschließlich des vergangenen Jahres gab es keinen weiteren Nachweis mehr. Deshalb sind nun 505 Smolts, wanderfreudige Junglachse, für Kontrollzwecke in den Fluss eingesetzt worden.