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| 06:14 Uhr

Der Frauenanteil bei der Kommunalwahl in Zahlen
Die Kommunalpolitik in der Lausitz bleibt männlich

FOTO: LR / Lehmann/lr
Cottbus. Am 26. Mai werden die Kommunalparlamente in der Lausitz gewählt. Wo treten die meisten Frauen an und wo sind fast ausschließlich Männer auf dem Wahlzettel zu finden? Von Liesa Hellmann und Julian Münz

In die Kommunalpolitik mit 20 Jahren - damit ist Ricarda Budke in der Lausitz ein Einzelfall. Die Vorsitzende der Grünen Jugend Brandenburg ist mit drei Jahren Abstand die jüngste Kandidatin, die sich um einen Platz in der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung bemüht. Insgesamt stehen in der größten Stadt der Lausitz nur 7 Frauen, die nach 1990 geboren sind, zur Wahl. Dem gegenüber stehen 24 Männer. Der Frauenanteil, zeigen die Wahllisten in Spree-Neiße, Elbe-Elster und Cottbus, wird geringer, je jünger die Kandidatinnen werden. Die Altersgruppe, in der Frauen am besten repräsentiert werden, sind hingegen die 1950er Jahrgänge, in denen 31,22 Prozent der Kandidaten weiblich sind.

Frauenanteil nach Wahlkreisen

Auch für Monika Schulz-Höpfner gehört es zum Alltag, als Frau in der Politik in der Minderheit zu sein. „Das höchste, was wir mal hatten, waren elf Frauen bei 50 Abgeordneten“, erzählt die Vorsitzende des Kreistags Spree Neiße. Dieser gehört mit einem Frauenanteil von 14 Prozent zu den Schlusslichtern im RUNDSCHAU-Verbreitungsgebiet. Bei der diesjährigen Kommunalwahl führt die CDU-Politikerin in ihrem Wahlkreis, der die Orte Burg, Peitz und Schenkendöbern umfasst, eine Liste von sieben Männern an. Weibliche Konkurrenz findet sie hier lediglich bei der Linkspartei (zwei Kandidatinnen), den Grünen (eine Kandidatin), der AfD (eine Kandidatin) sowie der Unabhängigen Wählergemeinschaft (drei Kandidatinnen).

Dahme-Spreewald ist top

Der höchste Frauenanteil - sowohl auf den Kandidatenlisten als auch in der aktuellen Besetzung des Kreistages - findet sich im Landkreis Dahme-Spreewald. Im dortigen Kreistag sind mit 17 von 56 Abgeordneten etwa 30 Prozent der Mitglieder Frauen. Schlusslichter sind hingegen dieLandkreise Spree-Neiße und Bautzen, wo nur etwa 14 Prozent der Kreistagsmitglieder Frauen sind.

Auf dem Wahlzettel für die Kommunalwahlen ist immerhin fast jeder vierte Kandidat eine Frau. Während im Landkreis Dahme-Spreewald mehr als jeder vierte Kandidat weiblich ist, stellen sich in Bautzen lediglich 14,4 Prozent Frauen zur Wahl. Im Wahlkreis 14 des Oberlausitzer Landkreises treten bei insgesamt 21 Kandidaten sogar nur zwei Frauen an - damit ist der Wahlkreis, der unter anderem Teile von Hoyerswerda und die Gemeinde Spreetal umfasst, absolutes Schlusslicht. Am weiblichsten ist hingegen der Wahlkreis 5 im Landkreis Dahme-Spreewald (Heideblick, Luckau, Lübben, Lieberose/Oberspreewald) mit einem Frauenanteil von 30,8 Prozent.

FOTO: LR / Lehmann/lr

Familie, Beruf und Ehrenamt schwer vereinbar

Dass Frauen auf den Listen für die Kommunalwahlen weiter unterrepräsentiert sind, kommt nicht von ungefähr, weiß Politikwissenschaftlerin Uta Kletzing vom Frauenpolitischen Rat Brandenburg. „Bei kommunalen Mandaten geht es nicht nur um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern um die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt“, erklärt sie eine der Ursachen. Dies sei für Frauen, die immer noch einen Großteil der familiären Aufgaben stemmen müssten, oft ein besonderer Spagat. Und auch die Auswahl der Kandidatinnen ist im Kommunalen problematisch: „Personalentscheidungen auf kommunaler Ebene werden sehr informell getroffen und das geht meist zu Lasten der Frauen“, so Kletzing. Vor allem Parteien, die keine internen Geschlechterquoten haben, seien davon besonders betroffen.

Frauenanteil nach Parteien

Keine der großen Parteien schafft es, den Anteil der Frauen auf den Wahllisten durchgängig bei 50 Prozent zu halten. Besonders in den Cottbuser Wahlkreisen ist aber ersichtlich, dass einige Parteien zumindest versuchen, Männer und Frauen abwechselnd auf ihren Listen zu platzieren. Diese werden gerade auf den hinteren Plätzen dann aber doch oft mit männlichen Kandidaten aufgefüllt. Den Grünen gelingt es immerhin, im Landkreis Dahme-Spreewald mit 26 Frauen von insgesamt 54 Kandidaten der Gleichverteilung der Geschlechter nahe zu kommen. Auch die Linken knacken in den Kreisen Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald die 40-Prozent-Marke.

Linke und Grüne erfüllen eigene Vorgaben nicht überall

Linke und Grüne wenden die sich selbst auferlegte Geschlechterparität jedoch nicht überall an: Im Kreis Elbe-Elster besteht etwa eine fünfköpfige Liste der Grünen ausschließlich aus Männern, im Wahlkreis 6 des Spree-Neiße-Landkreises mit den Ortschaften Kolkwitz, Drebkau und Welzow ist hingegen die Linkspartei ausschließlich männlich aufgestellt. Die CDU schafft es in keinem Kreis, mehr als 30 Prozent Frauen aufzustellen.

Auch die Kandidatenlisten der SPD sind – abgesehen von Cottbus und Dahme-Spreewald – unterdurchschnittlich mit Frauen besetzt und erreichen ihren Tiefpunkt mit 14,8 Prozent Frauenanteil im Landkreis Spree-Neiße. Die wenigsten Frauen bei den im Bundestag vertretenen Parteien finden sich jedoch bei der AfD. Unter den 21 Kandidaten im Landkreis Elbe-Elster sowie 20 Kandidaten in Spree-Neiße ist bei der rechtspopulistischen Partei nur jeweils eine Frau vertreten. In den Cottbuser Wahlbezirken erreicht sie mit etwa 29 Prozent immerhin einen Frauenanteil, der den der CDU übersteigt.

Ebenfalls sehr wenige Kandidatinnen stellt die FDP für die Kreistagswahlen auf. Nur 13,4 Prozent ihrer Kandidatinnen und Kandidaten sind Frauen. Die negative Spitzenposition erreicht dabei der FDP-Kreisverband im Landkreis Oberspreewald-Lausitz: 15 Kandidaten stellt die Partei dort für den Kreistag auf – sie alle sind Männer.

Wählergemeinschaft mit höchstem Frauenanteil

Den höchsten Frauenanteil einer einzelnen Liste mit über zehn Personen erreicht die unabhängige Wählergemeinschaft Elbe-Elster. Im Wahlkreis 1 des Kreises treten für die Wählervereinigung neun Frauen in der zwölf Personen großen Kandidatenliste an.

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