Den 24. Mai werden die Feuerwehrleute im Süden des Spree-Neiße-Kreises wohl noch lange in Erinnerung behalten. An jenem Donnerstag vor Pfingsten mussten sie im Raum Spremberg fünfmal zu Waldbränden ausrücken. Vier davon wurden durch Blitze verursacht. "Eine ungewöhnlich hohe Zahl", kommentierte Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer während der jüngsten Sitzung der Arbeitsgruppe "Schutz der Wälder" des SPN-Kreises. In früheren Jahren habe es in einer ganzen Saison lediglich zwei bis drei Feuer im Wald durch Gewitter gegeben.

Von seinen Kollegen im Nachbarkreis Görlitz wisse der Fachmann, dass dort acht Prozent der Brände ausgelöst werden. Für Spree-Neiße gebe es noch keine belastbaren Zahlen. Im kommenden Jahr solle allerdings mit der Erstellung einer entsprechenden Statistik begonnen werden. Bislang seien die Feuerwehrleute zwischen Spreewald und Neiße von einem Anteil von ein bis zwei Prozent "Blitzbränden" pro Jahr ausgegangen. "Die Anzahl der schweren Gewitter hat zugenommen", erklärt der Kreisbrandmeister. Erschwerend komme hinzu, dass Feuer durch Blitze selbst noch eine Woche nach dem Einschlag ausbrechen können.

Kätzmers Angaben bestätigt Siegfried Lüdecke, Leiter der Oberförsterei Drebkau. "Seit zwei Jahren haben sich die Blitzeinschläge im Wald auf das Dreifache erhöht", rechnet er vor. Glücklicherweise habe das Meldesystem einwandfrei funktioniert, sodass die Feuer schnell gelöscht werden konnten. "Manches Mal hatten wir aber auch eine gehörige Portion Glück", so Lüdecke. Problematisch seien die Personalschwächen bei den Feuerwehren sowie manchmal eine unzureichende Ortskenntnis.

Insgesamt haben die Forstleute in diesem Jahr im Spree-Neiße-Kreis 28 Waldbrände mit einer Gesamtfläche von knapp zwölf Hektar registriert. Zum Vergleich: In Brandenburg brannte es 196 Mal. Dabei gingen knapp 76 Hektar Wald verloren. Im vergangenen Jahr hatte es zwischen Spreewald und Neiße achtmal gebrannt. Dabei standen insgesamt acht Hektar Forst in Flammen.

An insgesamt 154 Tagen galt im Landkreis eine der vier Waldbrandwarnstufen. Das ist der zweitgrößte Wert seit dem Dürrejahr 2003. Die höchste, die Stufe vier, musste an 31 Tagen ausgerufen werden. Besonders betroffen war der sehr trockene Mai. Im fünften Monat des Jahres waren nur 26 Millimeter Niederschlag, etwa die Hälfte des langjährigen Mittels, gefallen. Allerdings profitierten die Förster noch immer von den hohen Grundwasserständen aufgrund der extremen Niederschläge des Jahres 2010.

Für das Frühjahr 2013 prophezeiht Siegfried Lüdecke erneut erhöhte Brandgefahr. Durch den reichlichen Niederschlag im vergangenen Sommer hätten die Pflanzen profitiert. Deren vertrocknete Reste würden ab Ende Februar für größere Feuergefahr im Wald sorgen. "Aber wir werden wieder mit Argusaugen auf unsere Forsten schauen", kündigte Lüdecke an.