Es sollte ein gemütlicher Ausklang des Herrentages werden. Junge Leute treffen sich zu einer Party in der Nähe von Vetschau. Nicht alle kennen sich. Doch das stört nicht weiter. Bei Musik und Alkohol kommen sich manche näher.

Unter ihnen ist auch die 24-jährige Sina (Name geändert). Die Dunkelhaarige ist mit ihrer damals besten Freundin gekommen. Im Laufe des Abends trinkt sie sechs Cola-Bier und so zwischen acht bis zehn doppelte Kirschschnäpse. Betrunken fühlte sie sich nicht. "Ich weiß, was gelaufen ist", sagt sie vor Gericht.

Es ergibt sich, dass sie zunächst mit einem ihr vorher unbekannten 31-Jährigen das Zelt verlässt, um sich zu unterhalten. Laut dem Polizeiprotokoll hat der Mann geäußert, dass Sina was von ihm wollte, er jedoch nicht. Deswegen habe sie sich wenig später einen anderen gesucht.

Dieser andere, in Altdöbern geboren und jetzt außerhalb der Lausitz wohnend, habe mit Bekannten kurz die Feierrunde verlassen. Vielleicht 100 Meter vom Zelt entfernt trafen sie auf weitere Gäste, auch auf Sina. Er blieb mit ihr zurück. Bald darauf habe der Angeklagte sie zunächst zu küssen versucht, dann am Handgelenk gepackt, von der Straße weit ins Kornfeld gezogen, dort auf den Boden gedrückt, ihr den Mund zugehalten, sie bis unter die Knie entkleidet und . . .

Gegenüber der Staatsanwaltschaft hatte Sina einst angegeben, dass der Akt gegen ihren Willen vollzogen worden sei. Vor Gericht war sie sich nicht sicher, ob es überhaupt passiert sei, weil alles so schnell gegangen sei.

Neben Richter Harald Rehbein hält vor allem Rechtsanwältin Claudia Gutsche, Anwältin des Angeklagten, der jungen Frau deren widersprüchliche Aussagen zum vermeintlichen Tathergang vor.

Öffentlichkeit bleibt im Saal

Die Befragung erfolgt sehr behutsam. Sina bricht immer wieder in Tränen aus. Die Sitzung wird unterbrochen. Ihr Anwalt beantragt den Ausschluss der Öffentlichkeit, weil es seiner Mandantin schwerfalle, Details der vorgeworfenen Vergewaltigung vor mehr Ohren als notwendig zu schildern. Dies wird abgelehnt.

Bereits im Partyzelt, so die 24-Jährige, soll der mutmaßliche Täter zu ihr gesagt haben "Ich knall' dich im Kornfeld". Dies habe sie auch zwei Freunden erzählt. Trotzdem blieb sie mit dem Mann allein zurück.

Weil Sina eine Zeit lang nicht gesehen wurde, ist sie gesucht und im Kornfeld stehend gesehen worden. Über den weiteren Ablauf gibt es unterschiedliche Aussagen. Zu keinem der Zeugen soll sie je gesagt haben, auch später nicht, dass sie vergewaltigt worden sei, lediglich dass "er" sie angefasst habe.

Trotzdem machte das Wort "Vergewaltigung" an jenem Abend nach 23 Uhr schnell die Runde. Die Polizei und Rettungsdienst wurden verständigt. Sina wurde im Klinikum Lübben untersucht, musste ihre Kleidung dort lassen.

Nach Angaben der Anwältin des Angeklagten stehe im ärztlichen Bericht, dass es keine sichtbaren Spuren für die Tat gebe, ebenso keine von Gewalteinwirkung am Körper. Auch hätte sie sich dagegen gewehrt, im Krankenwagen mitzufahren. Dazu habe sie keine Erinnerung, so die junge Frau. Gegenüber der Staatsanwaltschaft wollte sie später ihre Anzeige zurückziehen. Sie begründete dies damit, dass die Vernehmung durch die Polizei einer erneuten Vergewaltigung gleichgekommen sei. Vor Gericht konnte sie sich auch daran nicht erinnern.

Belastet wird die 24-Jährige am zweiten Verhandlungstag von ihrer ehemals besten Freundin, mit der sie bei der Party war. Während andere Zeugen den Zustand der Frau nach der vermeintlichen Tat als aufgelöst und nicht gespielt bezeichnen, hatte die 23-jährige Freundin, die sie besser kennt, Zweifel. Sie spricht von komischem Verhalten.

Freundin soll Mund halten

Monate später wird sie in ihrer Annahme bestärkt. Bei einem Umtrunk bittet das mutmaßliche Opfer ihre Freundin, dass diese ihre Aussage zurücknimmt. Deren eine Beobachtung am Tatabend sei gewesen, dass Sina weiße Sachen trug, im Feld zunächst auf dem Rücken gelegen habe, jedoch lediglich die Hose im Kniebereich schmutzig war. Auch das wenig wehrhafte Verhalten sei unglaubwürdig.

Ein anderer Zeuge wird von Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum gefragt, was er von der 24-Jährigen wisse? Demnach habe sie keinen guten Ruf und suche sexuelle Kontakte.

Die 24-Jährige habe drei Kinder von drei verschiedenen Männern. Der Vater des zweiten Kindes sei noch nicht bekannt. Zudem erscheint sie am zweiten Prozesstag nicht.

Am dritten und geplanten letzten Verhandlungstag werden weitere Zeugen gehört. Anschließend wird das Urteil erwartet.