Mehr als die Hälfte aller Winde wehte aus Südwest von der Biskaya herüber, wo die Wassertemperaturen noch 15° C betragen. Die vom Meer erwärmte feuchte Luft sorgte über Mitteleuropa für viele Niederschläge. Die vom nordwestlichen Atlantik heranziehenden Luftmassen brachten an sieben Tagen Regen und stürmische Winde. Besonders heftig raste Tief „Joachim“ am 16. Dezember mit 88,2 km/h über Herzberg hinweg. Insgesamt konnten an 25 Tagen Niederschläge registriert werden, jedoch meist nur in geringen Tagesmengen. Dennoch waren es am Ende über 65 L/qm, womit das Dezembermittel (46,4 L/qm) deutlich übertroffen worden ist. So gehört der Dezember 2011 zu den zehn besonders nassen seit 1957, dem Beginn der Aufzeichnungen des Autors.

Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres hatten kalte Winde aus Nord bis Ost diesmal keine Chance. Es gab lediglich achtmal nachts etwas Bodenfrost bis minus 3° C. Die Tageswerte überschritten wiederholt die 10 Grad-Marke. Der Höchstwert wurde am 2. mit 13,5° C erreicht. Infolge dieser für Dezember viel zu milden Temperaturen ergab das Monatsmittel bei uns einen Spitzenwert von 4,65° C, der bisher nur 1962 (5,2° C) und 2006 (5,32° C ) überboten worden ist. Damit war der Dezember 2011 um sagenhafte 9,5°C wärmer als der des Vorjahres (minus 4,93° C). Die Sonne hatte dazu wegen der meist geschlossenen Wolkendecke nichts beigetragen. Sie schien nur für 43 Stunden, das sind lediglich 17 Prozent des Möglichen. Gegenwärtig verabschiedet sich 2011 stürmisch und feucht. Die Bilanz zeigt, dass wir das eigentlich für November typische Herbstwetter diesmal verspätet zur Weihnachtszeit nachgereicht bekamen.

Kein großer Umschwung

Was erwartet uns nun zum Start in 2012 – einem Schaltjahr? Zwei Bauernregeln lauten: „ Schaltjahr – Kaltjahr „und „Später Winter – später Frühling“. Zunächst ist wohl noch nicht mit größerem Wetterumschwung zu rechnen. Noch immer sind Meeresluftmassen wetterbestimmend. Tiefausläufer aus N/NW liefern meist nasskaltes Schauerwetter bei Werten um 0° C und wenig Sonne. Sie kann die Erwärmung vorerst nur wenig unterstützen, da ihre Mittagshöhe nur langsam auf 23° steigt und die Tagesbahn auf gerade mal etwas mehr als neun Stunden anwächst.

Lostage beachten

Für den Beobachter sind zwei Lostage im Januar wichtig: Zuerst der 6. Januar, der „Tag der heiligen Drei Könige“. Die Regel besagt hierzu: „Wenn bis Dreikönigstag kein Winter kommt, kommt keiner“. Das schließt jedoch einzelne Wintertage danach nicht völlig aus. Als nächstes ist auf die Zeit um „St. Antonius“ (17. Januar) zu achten, denn „St. Antonius bringt Eis oder bricht es.“ Es kann also bis dahin mildes Wetter enden und erfahrungsgemäß folgten danach oft erst die tiefsten Temperaturen des Winters. Der 100-jährige Kalender sagt uns einen „eisigen“ Jahresbeginn vorher, dem zur Monatsmitte bei etwas ansteigender Temperatur viel Schnee folgen soll. Zum Monatsende würde es dann wieder sehr kalt werden.