Es ist 10.02 Uhr, als am Hauptstadtflughafen der Ernstfall eintritt: Am Gate A 38 entreißt ein Mann einem Polizisten die Waffe, feuert auf den Beamten und einen Kollegen, zerrt ein schreiendes Mädchen in eine Maschine mit 82 Passagieren und verschanzt sich dort - Auftakt für ein stundenlanges Ringen um das Leben der Insassen.

Schwer bewaffnete Spezialeinsatzkommandos bahnen sich den Weg durch den drittgrößten Flughafen Deutschlands - doch all dies ist nur eine Übung. Der Entführer ist ein Beamter, die Geiseln Polizeischüler. Sechs Wochen vor dem Betriebsstart am 3. Juni muss Berlins neuer Großflughafen im brandenburgischen Schönefeld einen weiteren Härtetest bestehen - und mit ihm die Polizei.

Die Operation "Milan 2012" ist Teil des Probebetriebs, der seit Monaten am Willy-Brandt-Flughafen läuft. "Dann beziehen 20 000 Menschen einen neuen Arbeitsplatz", sagt Sprecher Leif Erichsen. "Es kann sein, dass es dann hier und da knarzt und scheppert." Um die Anlaufprobleme möglichst klein zu halten, testen Freiwillige zwei Mal die Woche die Abfertigung. Im März war auch ein Flugzeugbrand auf der Landebahn gestellt worden. Nun also eine Geiselnahme.

In der Mittagssonne steht die Air-Berlin-Boeing 737 mit Ziel Wien noch immer auf dem Vorfeld. Die Luft in der Kabine ist zum Schneiden, der Entführer gereizt, zu allem entschlossen - doch 600 Polizisten sind im Einsatz, darunter Spezialeinsatzkommandos. Keine leichte Übung, die sie zu meistern haben.