Alle Puppen in dem Essener Museum sind Originale - unter anderem aus Kamerun oder dem Kongo. Sie sind von unten aufgebohrt und mit Kräutern gefüllt. „Damit werden sie aktiviert“ , erklärt der Gründer des Museums, Henning Christoph. Von einem Regal über dem Museumseingang lugt der gepunktete Pockengott Sakbata. Er soll gegen Krankheiten helfen. „Er mag Schnaps und wird damit übergossen“ , schildert Christoph.
Ogun, der Eisengott, wird dagegen angebetet, wenn eine lange Autofahrt und damit eine Reise in einem Eisengefährt ansteht. Der Schädel ist mit einer dunkelroten Patina überzogen. „Er mag Blut und hat es auch bekommen“ , sagt der 64-jährige Christoph. Das Inventar seines Museums hat der in Sachsen geborene und in den USA aufgewachsene Ethnologe auf Reisen gekauft oder geschenkt bekommen. Einiges gehörte inzwischen verstorbenen Priestern, anderes wurde versteigert, weil Dörfer zu einer christlichen Sekte übertraten.
Die Wiege des Voodoo ist das westafrikanische Benin. Das Wort bedeutet übersetzt Gott. „Die zentrale Philosophie ist, dass Gut und Böse im Gleichgewicht sein müssen.“ Der Kult wirke in zwei Richtungen: Zum einen gebe es Heiler, zum anderen Experten für Schadensmagie. „Es gibt es eine Unmenge an Göttern“ , sagt Christoph. Auch deshalb gebe es viele Klischees. Voodoo sei mehr, als Puppen mit Nadeln zu durchbohren. „Das ist das, was die Filmindustrie daraus gemacht hat.“ Das bestätigt auch Christoph Grotepass von der Sekten-Informationsstelle Nordrhein-Westfalen in Essen: „Es gibt filmgeprägte Vorurteile mit Puppen und Nadeln.“ Das Museum könne mit derartigen Klischees aufräumen. „Es informiert über Kultur und Bräuche.“
In dem Essener Museum findet sich auch ein 30 Zentimeter großer Fußballfetisch, den Fans aus Togo 2006 zur Weltmeisterschaft nach Deutschland mitbrachten. An den Armen der Figur hängen elf verrostete Schlösser, am Hals eine Trillerpfeife samt Schloss. Mit den Schlössern sollten die Spieler des Gegners und der Schiedsrichter gestoppt werden, erklärt Christoph. Erfolgreich war das nicht: Togo schied schon in der Vorrunde aus.