Dafür stehen im Verwaltungsgebäude des Betriebes etwa 450 Quadratmeter in zwei Räumen auf zwei Etagen zur Verfügung. Den Grundstein für die Ausstellung legte der derzeitige Geschäftsführer Dietmar Menzel, der vor mehr als 40 Jahren mit einer Sammlung begann. Er kannte die Erzeugnisse von Reiss schon aus Ausbildungszeiten, als er sich als Student an der Technischen Universität Dresden mit dem Thema beschäftigte. Außerdem arbeiteten verschiedene Familienmitglieder in der Bad Liebenwerdaer Firma. Ehemalige Mitarbeiter brachten ihm Stücke mit, sodass die Sammlung stetig wuchs. Das sei noch heute so, sagt Dietmar Menzel.

Das 125. Firmenjubiläum wurde schließlich zum Anlass genommen, die Reiss-Ausstellung zu eröffnen. In Zusammenarbeit mit der BTU in Cottbus entstand 2007 ein Abriss über Firmengründer Robert Reiss und dessen Sohn Paul. Autor Tim Sebastian Müller stellt darin die Entwicklung des Unternehmens, die eng mit Bad Liebenwerda verbunden ist, anschaulich dar. Seit dem 125. Jubiläum findet regelmäßig im Mai ein Tag der offenen Tür bei Reiss statt.

Damit die Ausstellung nicht nur bei solchen offiziellen Anlässen gezeigt und dem Wunsch nach Besuchen nachgekommen werden kann, entstand eine enge Zusammenarbeit mit dem Kreismuseum in Bad Liebenwerda. Auf diese Weise wird der museale Bestand weiter aufgearbeitet und kann die Schau einer breiteren Öffentlichkeit gezeigt werden. So führt Torsten Weymann vom Kreismuseum Schulklassen ebenso durch die Räume wie ehemalige Reissianer. Es sei wichtig, die Geschichte eines der größten Traditionsunternehmen der Region zu bewahren, sagt Museumsmitarbeiter Ralf Uschner, der die Ausstellung als sehr sehenswert bezeichnet. Dietmar Menzel ist es wichtig, einen Grundstein für die nächsten Generationen zu legen. Die Tradition der Ausbildung in der Firma werde bis heute fortgesetzt, wovon in der Ausstellung zum Beispiel Fotos vom ehemals polytechnischen Unterricht aber auch den stolzen Reissianern, die zu den ersten Feinstmechanikern ausgebildet wurden, zeugen.

Zu Beginn des Museumsrundgangs grüßt das Konterfei von Robert Reiss, der 1882 in Bad Liebenwerda einen Versandhandel für Vermessungstechnik, Büro- und Zeichenbedarf gründete. Der ehemalige Landvermesser und Katasteramtsmitarbeiter gilt als einer der herausragenden unternehmerischen Pioniere dieser Zeit. Der Besucher bewegt sich im oberen Museumsraum in Abschnitten von jeweils 25 Jahren durch die Firma, deren Entwicklung in kurzen geschichtlichen Abrissen und anhand von typischen Produkten dieser Zeit dargestellt wird.

Noch Ende des 19. Jahrhunderts war mit der Möbelproduktion begonnen worden. 1910 entwickelte Reiss den ersten in Serie gefertigten verstellbaren Steh-Sitz-Schreibtisch. Patente für Lichtpaus- und Zeichentechnik folgten. Ein umfangreiches Sortiment an Vermessungstechnik gehörte ebenso zum Produktprogramm der Firma wie Reisszeug und die ab 1912 hergestellten Rechenstäbe. Bis 1933 lieferte Reiss auf alle Kontinente. In der DDR war der Betrieb dann der größte Hersteller von Zeichentechnik im sozialistischen Wirtschaftsraum.

Während im oberen Ausstellungsraum die Firma unter der Leitung von Robert und Paul Reiss sowie später in Regie der Gebrüder Wichmann vorgestellt wird, geht es im unteren Raum um den Abschnitt von 1945 bis zur politischen Wende. 1946 war der Betrieb verstaatlicht worden und gehörte ab Ende der 70er-Jahre zum Robotron-Kombinat.