ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:46 Uhr

Von Struwwelpeter bis zum modernen Cyber-Peter

Dr. Klaus Günterberg (l.), Autor vom Cyber-Peter", kam aus Berlin zur Ausstellungs-Eröffnung.
Dr. Klaus Günterberg (l.), Autor vom Cyber-Peter", kam aus Berlin zur Ausstellungs-Eröffnung. FOTO: Ivonn Komollk/ikk1
Finsterwalde. "Seht einmal, hier stehen sie: Struwwelpeter, Struwwelliese & Co." – so der Name einer neuen Ausstellung im Finsterwalder Kreismuseum. Zu sehen sind die Exponate auf zwei Etagen. Ivonn Kommolk / ikk1

Es soll sogar noch heute Kinder geben, die ihm dann und wann begegnen. Und sei es auch nur sprichwörtlich, wenn Oma sagt: Du siehst ja aus, wie ein Struwwelpeter. Aber wer weiß schon, wie vielfältig das Repertoire um diesen schmutzigen Kerl gestreut ist. Der Ausstellung "Seht einmal, hier stehen sie: Struwwelpeter, Struwwelliese & Co." gelingt es, zwei Etagen im Sänger- und Kaufmannsmuseum Finsterwalde mit Struwwelpeter-Raritäten zu füllen. Selbst Altkanzler Helmut Schmidt sei ein Liebhaber der Struwwelpeter-Literatur erfuhr man bei der Ausstellungseröffnung am Wochenende in einer kleinen Anekdote von Dr. Rainer Ernst, dem Leiter des Kreismuseums.

Er selbst bezeichnet die Geschichten um den Struwwelpeter als Kulturgut und bildende Kunst und ist stolz darauf, die Sammlung der Familie Sauer aus Neckarsteinach dem interessierten Publikum zeigen zu können. Zu sehen sind unter anderem ein Exemplar der seltenen 2. Auflage aus dem Jahre 1846 oder die sogenannte Prachtausgabe von 1881.

Geschrieben wurde das Buch vom Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann. Er nannte es eine "Kinderei" und legte es seinen Sprösslingen 1844 unter den Weihnachtsbaum. Schon ein Jahr später konnte man seine Geschichten von "Suppenkasper" und "Zappelphilipp" auf dem Jüdischen Markt kaufen. Seitdem verschwand es nie wieder von der Bildfläche.

Es gab unzählige Neuauflagen. Und nicht nur die, auch Parodien wurden geschrieben, um soziale oder politische Missstände anzuprangern. So gibt es zum Beispiel die Adenauer- oder Strauß-Parodie, aber auch Hitler-Parodien. Auch finden sich im Museum sogenannte Struwwelpetriaden wie zum Beispiel Tierpetriaden oder die weit bekannte Kinderpetriade Struwwelliese, für unfolgsame Mädchen.

Die modernste ausgestellte Petriade nennt sich "Cyber-Peter". Geschrieben wurde sie vom Berliner Arzt Dr. Klaus Günterberg, der auch unter den Ausstellungsgästen weilte. "Ich habe eine moderne Geschichte gesucht, die dem des Struwwelpeters ähnlich ist, um sie meinem Enkel vorzulesen. Eben einen modernen Struwwelpeter." Da er Ähnliches nicht fand, hat er selbst ein Geschichtenbuch im Stil der Struwwelpetergeschichten geschrieben und vom Cartoonisten Christian Habicht illustrieren lassen. Jetzt sucht er einen Verlag, der ihn unterstützt, das zeitgemäße Buch zu verkaufen. Im Rahmen der Ausstellungs-Eröffnung spielte die Berliner Schattenbühne "Scuraluna" einige Bösewicht-Geschichten.