Für Juristen sind Fußgänger längst nicht immer nur Opfer. „Ein Fußgänger muss ebenso wie jeder andere Verkehrsteilnehmer Verantwortung übernehmen und auf andere Acht geben“, sagt der auf Verkehrsrecht spezialisierte Rechtsanwalt Michael Winter aus Kornwestheim. „Dies gilt auch an Fußgängerampeln und ebenso an Zebrastreifen. Kommt jemand zu Schaden, lautet das Stichwort Mitschuld.“

Bußgeld gegen Unachtsamkeit. Wer die Fahrbahn überquert, ohne den Fahrzeugverkehr zu beachten und dabei einen anderen gefährdet, werde mit einem Bußgeld von fünf Euro belegt, wenn dies einem Ordnungshüter auffalle. „Kommt es durch das unachtsame Verhalten des Fußgängers zu einem Unfall, verdoppelt sich das Bußgeld auf zehn Euro“, sagt Winter.

Versicherungsschutz gefährdet. Schlimmer als Bußgelder können jedoch die zivilrechtlichen Folgen für den sein, der keine Privathaftpflichtversicherung besitzt. Für einen solchen Verkehrssünder werde es oft sehr teuer, erklärt Michael Winter. Wird gar grobe Fahrlässigkeit festgestellt, bestehe auch die Gefahr, dass sich die Versicherung querlege und Leistungen verweigere. Das gelte auch, wenn ein Fußgänger bei Rot die Straße überquere.

Auch Saumseligkeit kostet. Springe die Ampel von Grün auf Rot, sei Eile geboten, um die andere Straßenseite zu erreichen. Wer allzu saumselig weitergehe, riskiere unter anderem fünf Euro Bußgeld. Entsorge der Verkehrsteilnehmer Zigarettenkippen, Kaugummi, Taschentücher oder Ähnliches auf dem Bürgersteig oder auf der Straße, drohten je nach den Festlegungen der Gemeinde Bußgelder von zehn bis 35 Euro, berichtet Verkehrsrechtsanwalt Winter. Auch sei es keineswegs egal, welche Straßenseite ein Fußgänger wähle: „Außerhalb von Ortschaften ist zwingend am linken Fahrbahnrand zu gehen. Verstößt man dagegen, drohen fünf Euro Bußgeld“, erläutert der Anwalt. Wer die Straße benutze, obgleich Gehweg oder Seitenstreifen vorhanden sind, müsse ebenfalls mit einem Bußgeld (fünf Euro) rechnen.

Kampf um die Parklücke. Immer wieder ist zu beobachten, dass ein Fußgänger eine Parklücke freihalten will. Doch laut Straßenverkehrsordnung gilt, dass derjenige den Parkplatz bekommt, der zuerst die Parklücke erreicht. „Halte ich also für einen Bekannten, der noch weit entfernt ist, eine Parklücke frei, die ein anderer Wartender besetzen möchte, gilt etwas, was offensichtlich die wenigsten Fußgänger wissen“, erläutert Michael Winter: „Blockiere ich als Fußgänger diese Parklücke, darf mich der Autofahrer sehr wohl langsam und vorsichtig aus der Parklücke drängen. Notwehrrecht wird das bezeichnet.“ Der Einparkende müsse allerdings dem Fußgänger die Möglichkeit geben, die Parklücke selbst zu verlassen, indem er zum Beispiel langsam auf den Lückenfreihalter zufahre. Weiche dieser nun ein Stück zurück, könne der Autofahrer vorsichtig nachsetzen. „Kritisch wird es für den betroffenen Autofahrer erst, wenn er den Platzhalter anfährt und dadurch aus der Parklücke zu drängen versucht. Dies kann als Nötigung oder sogar Körperverletzung geahndet werden“, warnt Winter.