Heute machen die britischen Prinzen William und Harry fast ausschließlich mit „heldenhaften“ Einsätzen beim Militär Schlagzeilen. Die Öffentlichkeitsarbeit des Königshauses scheint aufzugehen: Der Imagewandel der Prinzen ist nahezu perfekt, die Presse schwelgt in Bewunderung für die Queen-Enkel.

So verkündete das Prinzen-Büro Clarence House am Montag, William - der Zweite in der Thronfolge - gehe zu den Rettungsfliegern, auch weil er das Fliegen so „liebe“. Und schon waren sie wieder zu sehen, die Fotos von einem mutigen William im Militäroutfit. Bereitwillig übernahmen die Medien die sorgfältig vorbereiteten Zitate des 26 Jahre alten Prinzen: „Es war ein richtiges Privileg, das letzte Jahr alle Aspekte der britischen Streitkräfte erleben und verstehen zu dürfen“, ließ er mitteilen.

Besser kann die Öffentlichkeitsarbeit sowohl für das Königshaus als auch für das Verteidigungsministerium nicht laufen. Was für ein Unterschied zu den Negativ-Schlagzeilen, die William noch vor einigen Monaten machte, weil er seine Freundin Kate Middleton mit dem Hubschrauber abholte und zudem per Helikopter auf einen Junggesellenabschied flog.

Noch drastischer ist der Wandel seines kleinen Bruders. Harry, einst in Nazi-Verkleidung oder als Busengrabscher in den Medien zu sehen, wird seit seinem Militäreinsatz in Afghanistan als Held gefeiert. Nachdem er Ende Februar von dem zehn Wochen langen Einsatz vorzeitig nach Hause musste, weil die mit der Presse vorab abgestimmte Story an die Öffentlichkeit drang, wurde ihm geradezu ein Staatsempfang bereitet. Das Boulevardblatt „Sun“ - sonst eher bekannt für royale Saufberichterstattung - rief seine Leser sogar auf, Harry- Wimpel aus dem Fenster zu hängen.

Später war Harry als Prinz auf Wohltätigkeitsmission mit afrikanischen Waisen zu sehen. Und am Montag, Harrys 24. Geburtstag, durfte sich der rothaarige Prinz über eine repräsentative Umfrage freuen, die ihn zum „coolsten Royal“ im Lande kürte.

Hinter dem Wandel steckt eine geänderte Medien-Strategie und eine aufgerüstete PR-Mannschaft im Prinzen-Büro Clarence House, das nun eine „offenere Beziehung“ zur Presse verfolge, schrieb der Medienkorrespondent der Zeitung „The Guardian“, Owen Gibson. Schließlich solle Prinz William langsam in seiner Rolle als künftiger König des Landes präsentiert werden.

„Ohne Zweifel hat Clarence House verstanden, dass es einen ergiebigeren Weg gibt, mit der Presse umzugehen. Dazu gehört, anzuerkennen, dass die Medien ihren Job machen müssen und das Volk Dinge wissen will“, erklärte Bob Satchwell vom Medienverband Society of Editors dem „Guardian“. „Die Art, das zu machen, ist eher eine der Kooperation und nicht des Konflikts.“ In vielen anderen Monarchie- Ländern ist diese Art der „abgesprochenen“ Berichterstattung gang und gäbe. Die neue „Zusammenarbeit“ ruft zwar einerseits Freude aber andererseits auch Unbehagen bei britischen Journalisten hervor. „Es ist gut, dass sie mehr Eigeninitiative ergreifen“, sagte Robert Jobson, Königshausexperte des Sonntagsblattes „News of the World“. „Aber gleichzeitig, muss man sicher gehen, die Wahrheit nicht zu verpassen. Diese darf man nicht gegen ein paar Mauschelei-Bildchen eintauschen.“