Wegen ihrer bürgerlichen Herkunft - der Vater saß in der Chefetage in einem großen Kaufhaus, die Mutter war Bürochefin - kämpfte Thorning in der Partei lange gegen den Ruf an, nicht sozialdemokratisch genug zu sein. Ihre Vorliebe für teure Kleidung und Taschen brachte ihr den Spitznamen "Gucci-Helle" ein. Trotzdem wurde sie 2005 mit nur wenigen Monaten Parlamentserfahrung zur Chefin der Sozialdemokraten gewählt. Vorher hatte sie fünf Jahre für die Partei im EU-Parlament gesessen.

Ihre Amtszeit prägten einige Skandale, am Schluss blieb den Sozialdemokraten von zwei Koalitionspartnern nur noch einer übrig. Bei vielen Dänen ist Thorning-Schmidt selbst aber beliebt. Nach den Terroranschlägen von Kopenhagen im Februar fand sie die richtigen Worte und präsentierte sich erfolgreich als Landesmutter.

Größter Kontrahent Thorning-Schmidts ist der liberaler Ex-Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen (51). Seine Mission besteht seit 2011 darin, die Schlüssel zum Büro des Regierungschefs zurückzuerobern. Die hatte er der Sozialdemokratin damals mit den Worten überlassen: "Liebe Helle, pass gut auf sie auf, denn sie sind nur geliehen." Jetzt will er seine Ankündigung wahr machen. Gegenüber seiner Konkurrentin kann "LLR" zwar mit seiner Erfahrung punkten. Er gilt als politisches Naturtalent, sitzt seit über zwei Jahrzehnten im Parlament, war erst Innen- und Gesundheits-, dann Finanzminister. Schließlich wurde er 2009 Ministerpräsident. Seine Achillesferse sind aber seine zahllosen Spesenaffären von Zigaretten bis Luxusreisen. Als herauskam, dass seine Partei im vorherigen Wahlkampf für rund 20 000 Euro Kleidung für ihn zahlte, wäre er fast als Parteichef gescheitert - und blieb überraschend doch im Amt. Viele Dänen haben ihm seine Eskapaden aber nicht verziehen.