Roter Seidenstoff ist an den Wänden des Rangfoyers gerafft, der Flügel ist poliert und in den Lichtkegel gerückt: Alles scheint für ein großartiges Musikereignis vorbereitet. Doch als Conferencier Mirko Warnatz im erdbeerroten Anzug immer hektischer durch die Gänge hetzt, schwant den Zuschauern, dass irgendetwas nicht stimmt. Die allseits geschätzte und verehrte Frau Kammersängerin Olympia Schulze, die für den Abend angekündigt war, ist nicht zum Auftritt erschienen und spurlos verschwunden.Was tun? Nur ungern möchte das Theater den Gästen die schon entrichteten Eintrittsgelder zurückzahlen, lieber zerrt der Moderator die Abwaschhilfe aus der Küche, weil sie so "vielversprechend" vor sich hin summt. In Kittelschürze und mit Haarnetz setzt sich das Küchenmädchen alias Vi vian Saleh an den Flügel und singt gleich zu Beginn mit "Fly" einen einfühlsamen selbstgeschriebenen Song. Spätestens in diesem Moment ist klar: Der Abend ist gerettet, das Publikum kann sich der wunderbar anschmiegsamen Stimme der 25-jährigen Absolventin der Leipziger Hochschule für Musik und Theater hingeben und in Gedanken vom Tellerwäscher-Märchen träumen.Chance in Senftenberg Eine glückliche Fügung führte die begabte 25-jährige Greifswalderin, die im vergangenen Jahr ihr Gesangsstudium für Jazz und Rock/Pop als Di plomsängerin abgeschlossen hat, nach Senftenberg. An der Neuen Bühne gibt man jungen talentierten Künstlern bekanntermaßen gern die Chance, sich zu entfalten. Und so entstand die Idee von einem Liederabend der etwas anderen Art unter dem Titel "Einsam sein kann ich auch allein", szenisch eingebettet in eine witzig-charmante Geschichte zum Schmunzeln.Das musikalische Repertoire gibt die junge Sängerin vor, die sich am Flügel selbst begleitet. Von den Chansons der unvergleichlichen Hildegard Knef reicht die Bandbreite über Lieder von Veronika Fischer und Annett Louisan bis zu aktuellen Popsongs wie "Dieses Leben" von der Band Juli oder "Labyrinth" von "Wir sind Helden". Wie Udo Lindenbergs "Der Astronaut" mal nicht lässig-genuschelt, sondern zärtlich-gefühlvoll klingt - das ist alles für die Ohren des Publikums sehr einnehmend.Wohlfühlatmosphäre Vivian Saleh macht aus jedem dieser Songs ein ganz eigenes Stück, prägt die Lieder mit ihrer wandelbaren und ungekünstelten Stimme und verleiht damit allem eine sehr natürlich Note. So entsteht im Raum eine Wohlfühlatmosphäre, die das Publikum am Ende gelöst und entspannt zurücklässt. An Vivian Salehs Seite darf Mirko Warnatz ebenfalls sein musikalisches Können beweisen - zunächst vorsichtig mit Rhythmusgeräten und Mundharmonika, im zweiten Teil dann auch mit der Gitarre und im Duett mit der Künstlerin. Er glänzt in der Rolle des nervösen Bühnenmanagers, der zunehmend von seiner "Entdeckung" entzückt ist und ihr zu Füßen liegt.Ohnehin ist im zweiten Teil des Abends vieles anders: Vi vian Saleh kommt im aufreizenden Abendkleid auf die Bühne, mit Glitzercollier und grell roten Lippen - wunderschön und gewandelt vom "Küchenentlein zum Bühnenschwan", wie es der Conferencier ausdrückt. Das Publikum ist begeistert . . . bis plötzlich die Polizei mit Blaulicht anrückt. Warum die schöne Diva am Schluss in Handschellen von der Bühne geholt wird, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Es ist jedenfalls - wie der ganze Theaterabend - ein Mordsvergnügen."Einsam sein kann ich auch allein" von und mit Vivian Saleh: nächste Vorstellungen am 12. und 22. Mai, jeweils um 19.30 Uhr