Die meisten seien überhaupt nicht bekannt.Wegen Defiziten in der Berufsberatung, die eigentlich Sache der Agentur für Arbeit sei, hätten sich IHK und Handwerkskammer in den vergangenen Jahren stärker auf diesem Gebiet engagiert. Dabei stellt die Leiterin des Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung einen grundsätzlichen Wandel fest. "Während wir in der Vergangenheit alles versucht haben, um mehr Lehrstellen zu schaffen, fehlen jetzt die Bewerber, und die Untnernehmer fragen sich: Wie soll ich meinen Fachkräftebestand halten?" Einer eigens deshalb eingerichteten Vermittlungsstelle lägen derzeit Anfragen für 241 offene Ausbildungsstellen in 199 Unternehmen vor. Pro Jahr könnten dort hundert Ausbildungsplätz-Suchende vermittelt werden.Auch eine Tour durch die Südbrandenburger Schulen gehört zu den Aufgaben der zwei Projektmanagerinnen. Sie habe in diesem Jahr gemeinsam mit ihrer Kollegin Sabine Hausmann mehr als 80 zehnte Klassen besucht und die häufigsten Berufswünsche protokolliert, sagt Vermittlerin Madeleine Engel. Ihre Top-ten-Liste wird angeführt von Erziehern. Es folgen Kfz-Mechatroniker, Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel, Bürokaufmann, Mechatroniker, Industriemechaniker, Koch, Gesundheits- und Krankenpfleger, Tierpflegerin und auf Platz 10 die Karriere in der Bundeswehr. "In Krisenzeiten stellen wir fest, dass die Attraktivität von Berufen im staatlichen Sektor zunimmt", sagt Anke Schuldt.Insgesamt habe die Schultournee der IHK in Cottbus und Südbrandenburg in 180 neunten und zehnten Klassen Station gemacht. "In den 9. Klassen orientieren sich die Schüler häufig nach Berufsfeldern, möchten irgendwas mit Medien, irgendwas mit Wellness oder irgendwas mit Beauty lernen", hat Madeleine Engel erfahren. In Klasse 10 seien einzelne Berufsbilder zwar schon besser bekannt. Unkenntnis herrsche aber bei Fragen wie "Welche Anforderungen stellt der Beruf, und welche Betriebe bilden in ihm aus?". Besonders kritisch zu bewerten sei die Unfähigkeit vieler Schüler einzuschätzen, ob die Anforderungen eines bestimmten Berufes überhaupt zu ihren Fähigkeiten passen.In klassischen Traumberufen wie dem Kfz-Mechatroniker, sagt Madeleine Engel, kämen häufig sehr viele Bewerber auf wenige Lehrstellen. Deshalb sollten sich Jugendliche frühzeitig nach Alternativen umschauen. Beim Kfz-Mechatroniker seien das Zweiradmechaniker, Konstruktions-, Industrie- und Werkzeugmechaniker. Um den jungen Leuten "Orientierung im Ausbildungsdschungel" zu geben, starte die IHK dieser Tage mit einer Online-Bewerberbörse, sagt die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin. Dort könnten Jugendliche ihr persönliches Lehrstellengesuch veröffentlichen."Die Bewerberzahlen befinden sich auf Talfahrt", schätzt Anke Schuldt ein. Während sich im Jahr 2007 im IHK-Bezirk Cottbus 8400 Jugendliche um einen Ausbildungsplatz beworben hätten, seien es in diesem Jahr nur 2900. Grund dafür sei neben dem Geburtenknick, der jetzt bei den Schulabgängern angekommen ist, der Trend zum Studium. "Ich hoffe, dass die Jugendlichen registriert haben, dass ihre Chancen auf dem Lehrstellenmarkt gewachsen sind", sagt die stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführerin. Allerdings stünden wachsende Anforderungen bei drei von vier Ausbildungsberufen einem zunehmenden Anteil leistungsschwacher Bewerber gegenüber. "Dieses Problem muss politisch diskutiert werden, wir brauchen eine bessere Vorleistung der Schule, so Anke Schuldt. Ein von der IHK ausgerichteter kostenfreier Nachhilfekurs, in dem Grundlagen von Mathematik, Deutsch, Etikette und Motivation habe vermittelt werden sollen, habe jedoch kaum Resonanz gefunden. Die IHK Cottbus habe etwa 400 Jugendliche ohne Ausbildung aus Cottbus und dem Umland angeschrieben. Darauf seien 105 Kontakte zustandegekommen und am Ende sechs Jugendliche zum Seminar erschienen. Ulrike Elsner