"Mich hat Außergewöhnliches schon immer gereizt", begründet Knickel seine Teilnahme. Der Test in Moskau soll Wissen für eine echte Mars-Mission in einigen Jahrzehnten bringen. Ob Telefonklingeln, Autohupen oder Sonnenschein: Ab dem 31. März wird der gebürtige Düsseldorfer in dem Modell, das im russischen Institut für biomedizinische Probleme (IBMP) steht, keine Alltagsgeräusche mehr hören. Stattdessen werden die Insassen in Acht-Stunden-Schichten die Zeit totschlagen. Sport treiben, Freizeit haben und Experimente ausführen: Die Forscher sollen ganz so tun, als befände sich ihr "Raumschiff" auf einem mehr als 50 Millionen Kilometer langen Flug zum Mars. Wie bei einer wirklichen Mars-Reise müssen die sechs Forscher während der 105 Tage auf eine Dusche verzichten, waschen können sie sich nur mit feuchten Tüchern. Krankheiten und Verletzungen muss die Crew selbst heilen, Funkkontakte zur Familie bleiben die Ausnahme - und fast überall Kameras: "Big Brother" im Dienste der Wissenschaft. "Mit Robotern kann man die Folgen der Langzeitisolation nicht testen", unterstreicht Knickel. Für das Experiment des IBMP und der Europäischen Weltraumbehörde Esa setzte der Maschinenbauingenieur sich gegen 5600 Bewerber durch. Romane, Fotos und CDs sollen die Einsamkeit in dem drei Quadratmeter kleinen Zimmer überwinden helfen. Zudem gilt es, rund 100 Experimente auszuführen und "unerwartete Probleme" zu bewältigen, die die Forschungsleitung von außen einspielen wird.Theoretisch sei ein bemannter Marsflug in 30 Jahren möglich, so Knickel. Da Experten Leben auf dem Mars nicht ausschließen, ist der erdähnlichste Planet im Sonnensystem für sie besonders spannend. Eine komplette Mars-Expedition würde aber insgesamt 520 Tage dauern. Daher wollen Wissenschaftler ab Dezember in einer Nachfolgestudie "Astronauten" für diesen Zeitraum einsperren.