Als Steffen Kühne seinen Eltern 2009 erzählte, dass er für die Linkspartei um den Einzug in den Bundestag kämpfen wird, waren diese anfangs nicht begeistert. "Aber sie haben mich trotzdem unterstützt", sagt er. Über politische Streitthemen zu diskutieren, sei etwas, was er zu Hause gelernt habe. "In meiner Familie ist das auch immer wichtig gewesen", bestätigt er.

Als 28-jähriger Newcomer erreichte er im Wahlkreis 62 (Dahme-Spreewald / Teltow-Fläming III / Oberspreewald-Lausitz I) nach Peter Danckert (SPD) damals das zweitbeste Ergebnis. "Diesen Erfolg will ich mindestens wiederholen", sagt Kühne.

Mit einer klaren Mehrheit von mehr als 80 Prozent ist er am Anfang des Jahres von den Mitgliedern der Linkspartei der Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Teltow-Fläming und dem Landkreis Dahme-Spreewald aufgefordert worden, erneut zu kandidieren.

Seine Taktik will er indes nicht ändern. Auch bei diesem Wahlkampf gelte: raus zu den Leuten. "Parteiveranstaltungen überzeugen niemanden, auch tatsächlich wählen zu gehen. Was wirklich zählt, sind Diskussionen und Gespräche mit Bürgern", sagt er.

Kühne lebt in einer Wohngemeinschaft in einer Altbauwohnung im Berlin-Kreuzberger Szenekiez Graefestraße. Holzdielen, hohe Decken, begrünter Balkon. "Hier gefällt es mir gut, obwohl ich eher der Kleinstadt-Typ bin", sagt er. Seit 2010 arbeitet der studierte Verwaltungswissenschaftler für die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Dort ist er Referent für Nachhaltigkeit und sozial-ökologischen Umbau.

Kühne kommt aus Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern. Obwohl er die PDS - Vorgängerin der Linkspartei - immer etwas "miefig und piefig" gefunden habe, sei er in die Jugendorganisation der Partei eingetreten. "Gegen Rechtsradikalismus haben die sich von allen einfach am Klarsten positioniert", so Kühne.

Erst als aus WASG und PDS die Linke wurde, ist er auch in die Partei eingetreten. Das war im Frühjahr 2007. Dort engagierte sich Kühne in der Linksjugend. Vom Landessprecher stieg er bis zu deren Bundessprecher auf.

"Ich bin geprägt von der Wendeerfahrung", sagt Kühne. Er habe auch eine ostdeutsche Biografie. "Ich bin aber ein Gegner der Osttümelei", so Kühne weiter.

Bereits zwei Mal war er für Nichtregierungsorganisationen in Afrika. Während dieser Auslandsaufenthalte (Togo und Südafrika) hat er bei Einheimischen gewohnt.

"Ich möchte allerdings nicht dort arbeiten", sagt er heute. Wenn er wirklich etwas verändern möchte, dann müsse er in Deutschland politisch aktiv sein. "Wer bin ich, dass ich den Leuten vor Ort vorschreibe, was sie zu machen haben?", fragt Kühne. Vielmehr müssten reiche Länder wie Deutschland die Voraussetzungen schaffen, damit arme Länder auf die Beine kommen. "Deutschland sollte zuallererst seine Wirtschaftspolitik umkrempeln", sagt Kühne. Das umfasse Themen wie Schuldenerlass, Aussetzen von Rüstungsexporten. Auch dürfe die Bundesrepublik die Mittel der Entwicklungszusammenarbeit nicht mehr nur an Strukturreformen knüpfen. "Nichtregierungsorganisationen, die sich für Demokratisierung und Menschenrechte einsetzen, sollten auch stärker gefördert werden", sagt er.

Kühne selbst ist ein Freund von direkter Demokratie und Volksentscheiden. "Mich ärgert das, wenn Politiker immer denken, dass das Volk nicht so weit sei", sagt er. Bei mehr direkter Demokratie sei auch das Beschweren nicht mehr so leicht. "Man wird anders einbezogen und macht nicht mehr nur sein Kreuz, wenn Wahlen sind", erklärt er. Mehrheitsentscheidungen hätten dann auch eine viel größere Legitimität. Als Beispiel nennt er die Klimawende. "Bei so einem großen Thema müssen die Bürger stärker mit ins Boot geholt werden", sagt er. Seine Meinung zu den wichtigsten Themen sieht so aus:

Energiewende: "Der Umbau des Energiesystems kann nur gerecht sein, wenn er auch sozial ist und die Ärmsten nicht abkoppelt."

Braunkohle: "Der Aufschluss neuer Tagebaue ist klima- und energiepolitisch unsinnig und mit Klimaschutzzielen unvereinbar."

Flughafen: "Schönefeld war der falsche Standort, aber diese Entscheidung ist durch. Jetzt geht es um die Finanzierung von Lärmschutz und die Durchsetzung eines strikten Nachtflugverbots von 22 bis 6 Uhr."

Demografie: "Wer nur noch einseitig Wachstumszentren fördert, nimmt den Kommunen die letzten Spielräume für einen Strukturwandel, der die Entwicklung bremsen könnte."

Wirtschaft: "Die Wirtschaft muss den Menschen dienen, nicht umgekehrt. Statt Deregulierung und Exportrekorden muss viel stärker auf den Binnenmarkt und regionale Wirtschaftskreisläufe orientiert werden."

Die Lausitz und die Bundestagswahl lr-online.de/wahl2013

Zum Thema:
Steffen Kühne wurde am 19. Juli 1981 in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) geboren. Aufgewachsen ist er in Wolgast. Nach der Schule studierte Kühne an der Universität in Potsdam Verwaltungswissenschaften und beendete das Studium mit einem Diplom. Kühne arbeitet bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung als Referent für Nachhaltigkeit und sozial-ökologischen Umbau. Kühne startet seine politische Karriere im Jugendverband der PDS und wurde mit Gründung der Linken Mitglied der neuen Partei. Dort engagierte sich Kühne in der Linksjugend solid. Vom Landessprecher stieg Kühne bis zu deren Bundessprecher auf.