„Für uns war es wirklich eine Kostenfrage“ , sagt die Finsterwalderin Diana Marwitz. Rund 25 000 Kilometer legen sie und ihr Ehemann jährlich mit dem Auto zurück. 130 Kilometer lang ist allein der tägliche Arbeitsweg. Beide pendeln zwischen ihrer Heimatstadt und Cottbus. Sie ist Ernährungsberaterin bei der Verbraucherzentrale, er Finanzbeamter. „Über die steigenden Spritpreise haben wir uns fast täglich geärgert“ , erinnert sie sich.
Seit März dieses Jahres fährt der Familien-Mazda jedoch mit dem wesentlich billigeren Autogas. Nur während der Startphase oder wenn der Gastank leer und keine Zapfsäule in der Nähe sein sollte, wird noch Benzin benötigt. „Das Tankstellennetz ist gut ausgebaut“ , versichert Marwitz. Deutschlandweit gibt es mehr als 2800 Autogas-Zapfstellen, bestätigt der Deutsche Verband Flüssiggas in Berlin. Mehr als 20 sind in der Lausitz zu finden, darunter in Guben, Forst, Finsterwalde, Lauchhammer, Senftenberg, Bad Liebenwerda, Calau, Hoyerswerda, Weißwasser, Cottbus und Peitz.

Propan-Butan-Gemisch
„Im Wesentlichen ist Autogas ein Propan-Butan-Gemisch, das als Nebenprodukt bei der Erdölgewinnung anfällt“ , sagt Enrico Maaz, Inhaber der Autowerkstatt Autogarant in Peitz (Spree-Neiße) und Finsterwalde (Elbe-Elster). Mehr als 500 Fahrzeuge wurden hier seit 2002 auf den alternativen Kraftstoff umgerüstet. Mit Preisen von 59,9 bis 63,9 Cent pro Liter ist Flüssiggas halb so teuer wie Benzin, was auch am deutlich geringeren Mineralölsteuersatz liegt. Dieser wurde vom Bundestag bis zum Jahr 2018 festgeschrieben.
„Im Gegensatz zu Erdgas wird Autogas schon bei einem Druck von nur acht Bar flüssig“ , sagt Maaz weiter. Bei Erdgas seien hingegen 200 Bar und ein spezieller hochdrucksicherer Tank nötig. Autogasbehälter seien preiswerter und kleiner. „Meist wird ein Ringtank in den Kofferraum eingebaut. Der passt dann genau in die Reserveradmulde.“ Mit einem solchen 60-Liter-Tank komme der Autofahrer 400 Kilometer weit.
Die Umrüstung eines Vierzylinders kostet je nach Anbieter zwischen 1900 und 2500 Euro und ist nur bei Otto-Motoren möglich. „Die Investition lohnt sich für Vielfahrer“ , betont Klaus Glona, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Weißwasser. Auch hier werden seit fünf Jahren Autogastanks eingebaut. „Bei einem Acht-Liter-Wagen mit einer Laufleistung von 30 000 Kilometern pro Jahr sind die Kosten nach einem Jahr wieder drin“ , sagt er. Wer hingegen nur 10 000 Kilometer pro Jahr mit einem Sechs-Liter-Auto vorwiegend im Stadtverkehr unterwegs ist, muss mindestens sechs Jahre warten, bis sich die Investition auszahlt. Einen sehr detaillierten Internet-Rechner finden Interessierte unter der Adresse www.amor ti sa tions rechner.de.

Nachfrage steigt ständig
„Mit jedem Schub bei den Spritpreisen steigt auch die Nachfrage nach Autogas“ , betont Siegbert Schröter, Werkstattleiter beim Cottbuser Autohaus Thomas Knott. Seit rund zwei Jahren ist die Umrüstung auf den bivalenten Antrieb - die Autos können mit Flüssiggas und Benzin fahren - möglich. Genutzt wurde das bisher vorwiegend von Berufspendlern, sagt er.

Hintergrund In Europa beliebt
 Schon seit den 70er-Jahren ist der als Auto-, Flüssiggas oder LNG bezeichnete Kraftstoff in Italien verbreitet. Auch in anderen europäischen Ländern wie Polen, Frankreich und Tschechien gibt es viele Autogas-Fahrzeuge. In Deutschland sind es nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 98 370 Wagen (Stand Januar 2007). Umgerüstete Fahrzeuge sind darin nicht erfasst.