Im Landkreis Spree-Neiße und in Cottbus sind viele Ausbildungsstellen bisher noch unbesetzt. "Im Spree-Neiße-Kreis sind derzeit noch 238 Ausbildungsplätze nicht besetzt", sagt Bianka Kunze, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Cottbus. Demgegenüber hatten Ende Juni noch 367 Bewerber keinen Ausbildungsplatz gefunden. "In Cottbus sieht es ganz anders aus. Dort sind noch 312 Stellen offen und nur 197 Jugendliche haben noch keine Ausbildung gefunden", sagt Kunze.

Addiert man beide Zahlen zusammen, haben 564 Bewerber zwar bisher keine Stelle gefunden. Dafür haben 550 Stellen aber auch noch keinen Auszubildenden. "Darunter sind durchaus noch einige sehr beliebte Ausbildungsberufe", so Kunze. So seien mehrere Ausbildungsplätze zum Koch, zum Mechatroniker oder zum Einzelhandelskaufmann noch frei. "Kurzentschlossene können durchaus noch etwas finden", sagt sie.

Auch würden wegen der rückläufigen Bewerberzahlen viele Betriebe Abstriche bei den Zeugnisnoten machen. Bestätigen kann das auch die Industrie- und Handelskammer Cottbus. "Die Unternehmen sind zunehmend bereit, auch Leistungsschwächeren oder Jugendlichen mit individuellen Defiziten eine Chance zu geben", sagt Anke Schuldt, Leiterin des Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung der IHK. Laut der IHK-Ausbildungsumfrage 2013 sind inzwischen rund 70 Prozent der Ausbildungsunternehmen bereit, Ausbildungsplätze auch mit lernschwächeren Jugendlichen zu besetzen. "Dafür rücken soziale Kompetenzen wie Motivation, Leistungsbereitschaft und Zuverlässigkeit stärker in den Fokus", so Schuldt. Die Rechnung der Personalchefs ist dabei simpel: Schulische Leistungen können gefördert werden, gute soziale und persönliche Kompetenzen sind jedoch notwendige Voraussetzung für eine Ausbildung.

Heimatbindung wichtig

Die Unternehmen bevorzugen dafür weiterhin Bewerber aus der Region. "Die Bindung an die Heimat ist hier deutlich stärker ausgeprägt", sagt Schuldt. Die Firmen erhoffen sich, die Azubis weiterbeschäftigen zu können.

In einigen Branchen wird es jedoch zunehmend schwieriger überhaupt Bewerber für die Ausbildungsplätze zu finden. "Hier spielt sicherlich auch eine Scheu vor Abend- und Wochenendarbeit oder körperlich anstrengenden Tätigkeiten eine Rolle, aber auch Imageprobleme der betreffenden Berufe", erklärt Anke Schuldt. Besonders im Hotel- und Gaststättenbereich befänden sich viele Betriebe in ländlichen Regionen, die für Touristen attraktiv, aber für minderjährige Auszubildende durch mangelhafte Verkehrsanbindungen schwer erreichbar seien.

Hilfe wird angeboten

Jugendliche, die also bisher noch nichts gefunden haben, können daher noch weiter Hoffnungen auf ihren Traumberuf hegen. "Es kann sich jeder bei uns melden und dann finden wir auch etwas", sagt Bianca Kunze von der Arbeitsagentur. So will die Agentur auch im August noch Nachvermittlerveranstaltungen organisieren. "Dann vermitteln wir noch auf Stellen, die erst im September beginnen", so Kunze.

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Zum Thema:
Die für Ausbildungsvermittlung zuständigen Mitarbeiter der IHK in Cottbus stehen für Fragen von Bewerbern zur Verfügung. Sabine Hausmann ist unter Telefonnummer 0355 365 1280 und André Muschick unter Telefon 0355 365 1281 zu erreichen. Im Internet gibt es zudem eine Lehrstellenbörse, auch die Arbeitsagentur hat freie Lehrstellen.